Finanzprodukte Die Milliardenwette mit der Angst an der Börse

Mit komplizierten Finanzprodukten auf das Angstbarometer der Börse haben sich offenbar viele Hedgefonds verzockt. Doch es gibt auch Profiteure.
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Ein Börsenhändler vor dem US-Börsenchart, der deutliche Verluste anzeigt. Der massive Kursrückgang in der vergangenen Woche hat die Angstbarometer deutlich ansteigen lassen. Quelle: Reuters
New York Stock Exchange

Ein Börsenhändler vor dem US-Börsenchart, der deutliche Verluste anzeigt. Der massive Kursrückgang in der vergangenen Woche hat die Angstbarometer deutlich ansteigen lassen.

(Foto: Reuters)

DüsseldorfSeit der Wahl von US-Präsident Donald Trump Anfang November 2016 bis Ende Januar dieses Jahres haben die US-Börsen eine eindrucksvolle Rally hingelegt. Und gleichzeitig fiel in diesem Zeitraum die Angst vor weiteren Kursverlusten. Das hat viele risikobereite Anleger eingeladen zu extremen Spekulationen.

Angst an der Börse ist messbar und ablesbar an den Volatilitätindizes Vix für das US-Barometer S&P 500 und VDax für den deutschen Leitindex. Diese „Angstbarometer der Börse“ beziehen sich auf die implizierte, die zukünftige Volatilität. Dabei nutzt man die momentanen Preise für Aktienoptionen, um die heute erwartete Volatilität zu berechnen. Sie spiegeln also die Erwartungen der Profis zur Marktentwicklung wider.

Der Markt ist groß: Die Anlageexperten der UBS schätzen, dass rund drei Milliarden US-Dollar in den Volatilitätsprodukten stecken. Oder besser gesagt: investiert waren. Denn viele Marktteilnehmer haben sich verspekuliert, weil sie auf weiter fallende Volatilität gesetzt haben. Am Montag vergangener Woche explodierten förmlich die Angstbarometer. Der Vix steig auf 50, in den Tagen zuvor lag er noch unter 15. Als Folge brachen die Kurse der Finanzkonstrukte ein.

Diese Aktien trotzen dem Kurssturz an den Börsen

DEUTSCHE POST AG NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005552004
Börse
L&S

+0,43 +1,16%
+37,50€
Chart von DEUTSCHE POST AG NAMENS-AKTIEN O.N.
Deutsche Post – Dax
1 von 5

An der Dax-Spitze notierte am Dienstag die Deutsche Post mit einem zeitweisen Plus von 0,7 Prozent. Nach Kursverlusten zu Handelsbeginn gelang den Aktien rasch eine Wiedereroberung der 200-Tage-Linie, bei etwa 36,20 Euro. Die Linie gilt als wichtiger Maßstab für einen längerfristigen Kurstrend. Womöglich hofften Anleger auch auf einen positiven Abschluss der laufenden Tarifverhandlungen, hieß es aus Händlerkreisen.

STEINHOFF INTERNATL HLDGS N.V. AANDELEN OP NAAM EO -,50

WKN
ISIN
NL0011375019
Börse
L&S

0,00 0,00%
+0,37€
Chart von STEINHOFF INTERNATL HLDGS N.V. AANDELEN OP NAAM EO -,50
Steinhoff – MDax
2 von 5

Die Scheine der Steinhoff International Holdings verzeichneten ein zeitweises Plus von knapp 2 Prozent und führten damit den MDax an. Der Möbelhändler, der derzeit in einen Bilanzskandal verwickelt ist, profitiert vor allem von der Überschreitung wichtiger charttechnischer Marken um 0,40 Euro.

INTESA SANPAOLO S.P.A. AZIONI NOM. EO 0,52

WKN
ISIN
IT0000072618
Börse
L&S

-0,03 -1,10%
+3,10€
Chart von INTESA SANPAOLO S.P.A. AZIONI NOM. EO 0,52
Intesa Sanpaolo – EuroStoxx
3 von 5

Die Anteilsscheine des im paneuropäischen EuroStoxx gelisteten Kreditinstituts Intesa Sanpaolo gewannen zeitweise 1,2 Prozent. Die Bank profitiert von Sondererträgen im vierten Quartal 2017.

TRIPADVISOR INC. REGISTERED SHARES DL -,001

WKN
ISIN
US8969452015
Börse
L&S

-0,39 -1,11%
+34,25€
Chart von TRIPADVISOR INC. REGISTERED SHARES DL -,001
Tripadvisor – S&P 500
4 von 5

In der zweiten Reihe der New Yorker Börse trotzte am Montag die Touristikwebsite Tripadvisor der schlechten Börsenstimmung. Die Aktien des Unternehmens notierten bei Handelsschluss mit 3,7 Prozent deutlich im Plus – und damit an der Spitze des S&P 500. In jüngster Zeit hatte Tripadvisor die verstärkte Konkurrenz durch AirBnB zu schaffen gemacht. Vom plötzlichen Kursanstieg zeigten sich auch Analysten überrascht.

CHURCH & DWIGHT CO. INC. REGISTERED SHARES DL 1

WKN
ISIN
US1713401024
Börse
L&S

+0,25 +0,63%
+39,76€
Chart von CHURCH & DWIGHT CO. INC. REGISTERED SHARES DL 1
Church & Dwight – S&P 500
5 von 5

Church & Dwight ist einer der führenden Produzenten von Haushaltsgütern in den USA. Am Montag ging das Unternehmen mit einem Plus von 2,4 Prozent aus dem Handel. Der Grund: Ein Gewinn von 405,6 Millionen US-Dollar im vierten Quartal 2017, mehr als Analysten erwartet hatten.

Die Verluste sind immens. Das „VelocityShares Daily Inverse VIX ETN“ von der Credit Suisse werden am 21. Februar vom Markt genommen. Am Montag vergangener Woche ging das Papier mit 99 US-Dollar und einem Tagesvolumen von mehr als einer halben Milliarde Dollar aus dem Handel. Der Eröffnungskurs am Dienstag lag bei 10,49 Dollar.

Ähnliches gilt für die anderen Finanzkonstrukte, mit denen zumeist institutionelle Anleger auf fallende Volatilität gesetzt hatten. Auch der „ProShares Short VIX Short-Term Futures“ eröffnete bei einem Kurs von 11,70 US-Dollar. Am Vortag notierte er bei einem Handelsvolumen von rund 800 Millionen Dollar noch bei 71,82 Dollar. In beiden Fällen hatten die Investoren keine Chance, aus den Produkten ohne massive Verluste auszusteigen.

Mittlerweile hat dieser Kurssturz bei dem Produkt der Credit Suisse die Aufmerksamkeit der amerikanischen Börsenaufsicht SEC auf sich gezogen. Die Behörde habe deswegen vergangenen Dienstag bei der Schweizer Großbank nachgefragt, berichtete das „Wall Street Journal“.

Dabei wollte die SEC wissen, wie das Spezialprodukt berechnet werde und ob auch Privatkunden von den Turbulenzen betroffen waren, wie das Blatt unter Berufung auf einen Insider berichtete. Die Credit Suisse wollte sich nicht zu dem Bericht äußern. Auch die Schweizer Finanzmarktaufseher (Finma) sind in der Sache bereits in Kontakt mit der Bank.

Doch es gibt auch Profiteure dieser Entwicklung der Volatilität. Die Manager des bis dahin unbekannten Hedgefonds Ibex Investors aus Denver kassierten ab. Der Plan der 20-köpfigen Truppe war, dann zu profitieren, falls die rekordverdächtige Ruhe an den Aktienmärkten plötzlich endet. Weil Ibex genau darauf gewettet hatte, machte der Fonds über Nacht aus 200.000 Dollar 17,5 Millionen, ein Plus von gut 8600 Prozent.

Ibex-Gründer Justin Borus und sein Team waren überzeugt, dass diese Wall-Street-Wette nicht mehr lange funktionieren würde: auf eine weiter sinkende Volatilität zu setzen. Und setzten auf höhere Schwankungen. „Wir wurden ausgelacht“, sagte Borus zu Bloomberg. Denn bis zum Abend des 5. Februar waren die gekauften Optionen kaum etwas wert. Dann aber verlor der Fonds, gegen den er gewettet hatte, 96 Prozent. Borus und seine Kollegen machten das Geschäft ihres Lebens. Und nach einer schlaflosen Nacht am Montag vergangener Woche gingen sie erst einmal Skifahren.

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3 Kommentare zu "Finanzprodukte: Die Milliardenwette mit der Angst an der Börse"

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  • Nachtrag zu „Geld und Waffen (...) regieren die Welt“:

    Wer das nicht glaubt, sollte sich mal den Artikel auf den Seiten 12/13 („Die Ökonomie des Krieges“/ http://www.handelsblatt.com/my/politik/international/oekonomie-des-krieges-syriens-wirtschaft-kennt-nur-barbarische-profitgier/20953830.html) durchlesen.

    Hier ein Absatz daraus:

    „Ein großer Teil der Menschen kämpft daher ums nackte Überleben. Und eine winzig kleine Gruppe macht ein menschenverachtendes Geschäft daraus.
    (…) Diese Quellen (Berichte der Bewohner sowie oppositioneller Medien) zeichnen ein Bild, in dem die brutalen Angriffe auf Zivilisten bloß einen Teil des Leids darstellen. Den anderen Teil bilden korrupte Machenschaften, die die Qualen für die Menschen zusätzlich und unnötig vergrößern.“

    Und hier der letzte Absatz:

    „Damit hat sich in dem vom Bürgerkrieg geplagten und zerteilten Land eine ganz eigene Ökonomie aufgebaut. Eine Ökonomie des Krieges, die keine konfessionellen oder weltanschaulichen Grenzen mehr kennt, sondern nur noch eine barbarische Profitgier.
    Die brutale Folge der syrischen Kriegswirtschaft: Jede Kampfgruppe kann damit ein Einkommen generieren – und den Krieg immer länger ertragen oder ihn sogar weiter anheizen.“

  • Geld und Waffen (...) regieren halt immer noch die Welt.

  • Geld und Waffen (mit denen man folglich neben Menschenhandel (Stichwort: Kindersoldaten und Zwangsprostitution) und Drogen auch das meiste davon „machen“ kann) regiert halt immer noch die Welt.

    Wie lange eigentlich noch??!

    Aus handelsblatt.com/my/finanzen/steuern-recht/steuern/steuerbetrug-goldfinger-methode-kostet-den-staat-milliarden/20953008.html:

    „Ein Schlupfloch für Topverdiener kosten den Staat Milliarden“ – weiter hinten im Text:
    „Der Ex-Finanzminister reagierte spät auf das Goldfinger-Modell – obwohl Experten vor hohen Steuerausfällen warnten.“

    Steuerausfälle? Na und? Der gemeine Durchschnitts-Bürger und Normalverdiener – und als solcher fürs Gemeinwohl in den Augen der Regierenden offenbar weit weniger wichtig („wertvoll“) als Topverdiener wird, zumal ihm unter dem herrschenden System eh nichts anderes übrig bleibt, das dadurch im „Staatshaushalt“ entstehende Loch schon stopfen. Getreu dem Prinzip: „.Kleinvieh macht auch Mist, und die Masse macht’s“.

    Allerdings: Wenn der „Normalbürger“ sich selbst als Teil einer Masse begreift statt als ein in seiner persönlichen Einzigartigkeit vollwertiges Mitglied der Gesellschaft und sich nicht selbst für das politische Geschehen verantwortlich fühlt und dort seinen individuellen Fähigkeiten, Begabungen und Neigungen entsprechend einbringt, ist er auch ein Stück weit selbst mit schuld an den aktuellen Missständen.

    Dazu aus o.g. Artikel:
    „Als das Finanzamt dagegen (die Steuertricks) vorging, wies das Finanzgericht Rheinland-Pfalz in Neustadt die Klage im Namen des Volkes(!!) ab.
    „So musste das auch sein“, sagt ein Steuerberater, der viele ähnliche Fälle kennt. Solange die „Struktur“ wie Fachleute sagen, nur „dick genug“ sei, war sie nicht zu beanstanden. - Im nun aufgedeckten Augsburger Fall sparten die beteiligten allerdings nicht nur bei den Steuern, sondern offenbar auch beim Steuersparmodell. Ihre Struktur war „zu dünn“ (… „Strohpersonen“ / “Briefkastenfirmen“ / "Geschäftsbetrieb nur vorgetäuscht" ...)

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