Fondsgesellschaften beklagen eine Wettbewerbsverzerrung
Müde Regulierung und Privilegien erfreuen Derivate-Emittenten

Für die Zertifikatebranche wird auch 2005 aller Voraussicht nach ein Jahr der Rekorde. Allein im ersten Halbjahr 2005 wuchs das in derivative Wertpapiere angelegte Volumen im Vergleich zum Vorjahr um ein Viertel auf rund 60 Mrd. Euro an.

Bis zum Jahresende soll diese Zahl nach Angaben des Derivate Forums, einer Vereinigung der größten in Deutschland aktiven Emittenten, auf 70 bis 75 Mrd. Euro klettern.

Damit wächst der Markt für Zertifikate aktuell rund drei Mal so schnell wie das Vermögen von Publikumsfonds, wenngleich von einer niedrigeren Basis. Zum Vergleich: Per Ende August verwalteten deutsche Gesellschaften rund 520 Milliarden Euro in Publikumsfonds.

Ein Ende des Booms der Zertifikate ist derzeit nicht in Sicht. Vor allem die großzügigen Zulassungsbedingungen ermöglichen es den Emittenten, schnell auf Marktsituationen zu reagieren oder völlig neue Produkte zu konstruieren. Wesentliche Hürde für die Zulassung neuer Zertifikate ist die Prüfung des Prospekts durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). In der Praxis ist dieser Prozess angesichts rund 300 neuer Anlage- und Hebelzertifikate pro Tag Routine. „Wir prüfen den Prospekt auf Widerspruchsfreiheit, nicht aber auf inhaltliche Richtigkeit, Seriosität oder Bonität der Emittenten“, sagt Susanne Bergsträsser, Leiterin der 75 Mitarbeiter starken Gruppe Prospekte bei der BaFin. Von der Idee für ein Zertifikat und dem ersten Handel vergehen mitunter keine 24 Stunden.

Ganz andere Zulassungsverfahren kennt hingegen die Fondsbranche: Die Prüfung der Vertriebszulassung für Investmentfonds unterliegt ebenfalls der BaFin, wenngleich mit der Bankenaufsicht – dem früheren Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen – einem anderen Referat. Schließlich gelten Fondsanteile auch als Sondervermögen und unterliegen daher weit strengeren Zulassungsvorschriften als Zertifikate, die rein rechtlich Inhaberschuldverschreibungen sind. So prüft die BaFin die Kapitalanlagegesellschaften von Investmentfonds laufend etwa auf Transparenz in der Besteuerung, Kosten, Interessenskonflikte und auf Eignung des Managements.

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