Furcht vor starkem Euro
Europa verliert seinen Reiz

Internationale Vermögensverwalter wollen Aktien im kommenden Jahr treu bleiben. Die lange gesehene Begeisterung der Fondsmanager für europäische Aktien schwindet jedoch. Viele fürchteten Währungsverluste beim Euro und dem Pfund Sterling.

rez FRANKFURT. Internationale Vermögensverwalter wollen Aktien im kommenden Jahr treu bleiben. Ihre Vorliebe für europäische Werte wird aber stark getrübt vom starken Euro und den starken Pfund Sterling. Dies ist das Ergebnis der monatlichen Umfrage der US-Investmentbank Merrill Lynch unter 195 Fondsmanagern, die insgesamt ein Vermögen von 689 Mrd. Dollar verwalten.

Die befragten Fondsmanager rechnen mit einer Abschwächung des globalen Wirtschaftswachstums und niedrigeren Gewinnprognosen der Firmen im Jahr 2008, erwarten aber, dass sich die Welt-Konjunktur von der US-Immobilienkrise abkoppeln kann. Folglich favorisieren die Fondsmanager Wachstumsaktien etwa aus den Schwellenländern. Dividendentitel halten sie nach wie vor für billiger als Anleihen.

"Der Pessimismus über die globalen Wachstumsaussichten deutet darauf hin, dass das Jahr 2008 die Abkopplungsthese auf den Prüfstand bringt", meint David Bowers, Berater von Merrill Lynch mit Blick auf die seit Monaten anhaltende Diskrepanz zwischen einer zunehmend düsteren Einschätzung der Konjunktur und einer positiven Meinung über Aktien. Im Dezember zeigten sich die Fondsmanager so pessimistisch wie nie zuvor in der seit fast zehn Jahren existierenden Umfrage, die als Stimmungsbarometer in der Branche gilt. Drei Viertel der Befragten erwarten, dass sich das globale Wachstum 2008 abschwächt, der weltweite Aufschwung eine späte Phase erreicht hat und die Prognosen der Unternehmen pessimistischer werden.

Zu Dividendentiteln finden die Fondsprofis allerdings offenbar keine Alternative. Aktuell gewichtet knapp die Hälfte der Befragten Aktien höher als andere Anlagen. Knapp ein Drittel hält Aktien für billig. Die meisten geben Anleihen folglich ein geringeres Gewicht in den Portfolios. Knapp die Hälfte hält Bonds für teuer.

Die lange gesehene Begeisterung der Fondsmanager für europäische Aktien schwindet. Viele fürchteten Währungsverluste beim Euro und dem Pfund Sterling. Beide Währungen gelten als deutlich überbewertet. Folglich haben die Vermögensverwalter das Gewicht europäischer Aktien reduziert.

Nur noch 40 Prozent gewichten die Titel über, im Sommer war es noch eine starke Mehrheit. Zu den beliebtesten Regionen zählen Schwellenländer. Anhänger gewinnen auch die lange verschmähten US-Aktien. Dies könnte mit der aktuell starken Heimatliebe der Anleger zusammen hängen. Doppelt so viele Investoren als sonst legten lokal an, beobachtet Karen Olney, Chef-Strategin Europa bei Merrill Lynch. "Viele machen jetzt die Luken dicht und setzen auf heimisches Wachstum wie Telekom oder Haushaltswaren", sagt sie. Dies zeigt die Branchenallokation nur bedingt. Zwar gehören Telekom -Aktien zu den beliebtesten Titeln, allerdings neben klassischen Wachstumssektoren wie Technologie, Energie und Industrie.

Inflationssorgen sind hingegen abgeflaut. Noch 44 Prozent der Vermögensverwalter erwarten eine steigende Inflation, im November war es eine starke Mehrheit. Die Leitzinsen der wichtigsten Länder sehen die meisten sinken, die Kapitalmarktzinsen weiter steigen.

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