Future-Zertifikate
Niedriger Ölpreis zieht Anleger an

Öl wird wieder wertvoll, glaubt man den Finanzinvestoren. Weil das schwarze Gold derzeit so günstig ist, wie lange nicht, bunkern die Anleger große Ölbestände. Doch unerfahrene Investoren sollten die Besonderheiten von Terminkontrakten beachten.

FRANKFURT. Den hohen Öl-Future fest im Blick, bunkern selbst Investmentbanken wie etwa die Citigroup im großen Stil Öl. Hierfür chartern sie sogar leer stehende Tankerschiffe und nutzen sie als zweckentfremdete Lagerstätten auf hoher See.

Die Gunst der Stunde wittern indes auch die Produktentwickler in den Banken, denn die Chancen stehen derzeit gut bei Rohstoffwetten. Doch der Teufel liegt im Detail: Zwar hat die globale Wirtschaftskrise die Rohstoffpreise enorm unter Druck gesetzt. Um mehr als 70 Prozent stürzte etwa der Rohölpreis innerhalb weniger Monate ab. Die Sorte West Texas Intermediate (WTI) notiert derzeit etwa um die Marke von rund 45 US-Dollar. Doch gerade bei Rohstoff-Zertifikaten ist das Wissen über Eigenheiten einzelner Produkte sowie der unterlegten Basiswerte entscheidend. Denn selbst bei steigenden Preisen können Zertifikate-Anlegern Verluste drohen.

Der Hintergrund: Rohstoff-Zertifikate bilden nicht den aktuellen Rohstoffpreis (Spotkurs) eins zu eins ab, sondern sie basieren auf Terminkontrakten (Futures). Unerwartet herbe Verlust könnten entstehen, denn "Renditeeinbußen durch Rollverluste werden von vielen Anlegern noch unterschätzt", sagt Jochen Fischer vom Derivateteam von Goldman Sachs. Als Rollverluste bezeichnen Emittenten die Mehrkosten beim Wechsel in einen neuen, teureren Futureskontrakt. Diesen muss der Emittent im monatlichen Rhythmus verkaufen und einen neuen erwerben, was im Branchenjargon "rollen" genannt wird.

Im Fall von Öl steigen die Future-Preise jedoch exponentiell, je weiter der Kontrakt in der Zukunft liegt. Experten bezeichnen dieses Phänomen als Contango-Kurve. Bei Öl ist diese derzeit extrem ausgeprägt, ein so genanntes Super-Contango. Dies wirkt sich immens auf die Renditen der Zertifikate aus, denn beispielsweise kostet ein neuer WTI-Öl-Future für April aktuell sechs Prozent mehr als im Vormonat.

Liegt der Future-Preis unter dem Spot-Preis - Experten nennen das "Backwardation" -, profitieren Zertifikate durch den Rollvorgang. Der Emittent "rollt" dann den teuren Kontrakt in einen billigeren. Bei vielen Rohstoffen sind solche zyklischen Future-Preisschwankungen stark ausgeprägt. Um diesen Effekt auszugleichen, haben einige Zertifikate-Anbieter "rolloptimierte" Produkte entwickelt. Der bisher statische Rollvorgang wird abgelöst von einem dynamischen Prozess, der den Kontraktwechsel zum günstigsten Zeitpunkt berechnet. "Diese optimierten Produkte können Rollverluste zwar nicht völlig ausschließen, jedoch deutlich mindern", meint Fischer.

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