Garantiezertifikate: Teures Verlangen nach Vollkasko-Schutz

Garantiezertifikate
Teures Verlangen nach Vollkasko-Schutz

Gerne werden derzeit beispielsweise Garantiezertifikate mit Cap verkauft. "Mittlerweile hat jedes sechste Garantiezertifikat in unserer Datenbank solch eine Gewinnbegrenzung", sagt Sasa Perovic von der Rating-Agentur Scope. Ein Beispiel dafür ist die Rohstoffselect Safe-Anleihe von der Landesbank Baden-Württemberg (WKN: LBW4BU). Basiswert ist ein Rohstoffindex, der zu gleichen Teilen aus Futures auf Rohöl, Kakao, Nickel, Platin und Sojabohnen besteht. Der Gewinn ist auf 140 Prozent begrenzt. Das bedeutet für Anleger, die das Papier bis zum 28. November mit einem Ausgabeaufschlag von zwei Prozent zeichnen können, eine maximale Jahresrendite von 6,30 Prozent.

Rund zwei Prozentpunkte mehr maximale Rendite p.a. kann mit einem etwas weniger bunt gemischten Rohstoff-Index von Barclays erzielt werden (WKN: BC0AJ5). Der Cap liegt hier bei 150 Prozent, und die Laufzeit endet ein halbes Jahr früher. Garantiezertifikate, die trotz Cap zweistellige Jahresrenditen zulassen, haben bis zur garantierten Rückzahlung oft auch eine größere potenzielle Fallhöhe bei Kursstürzen. Beispiele sind zwei Zertifikate von Goldman Sachs auf den Euro Stoxx 50. Immerhin: Die beiden Zertifikate haben eine überschaubare Restlaufzeit. Und das Euro Stoxx 50 Garantiezertifikat mit der WKN GS1QUZ wird derzeit mit einem Abgeld angeboten. Würde sich der Kurs des Index bis Dezember 2010 nicht mehr verändern, bliebe dem Anleger ein Plus von 3,47 Prozent. Das Euro Stoxx 50 Garantie Capped Zertifikat mit Cap von der LBBW (WKN: LBW0DR) verspricht sogar eine Mindestverzinsung von 1,13 Prozent p.a. Denn am Laufzeitende werden garantiert 1060 Euro pro Zertifikat ausgezahlt. Doch es gibt auch eine Wahrscheinlichkeit, dass es kein Cent mehr wird. Sollte der Index während der Laufzeit mindestens einmal mehr als 40 Prozent seines Wertes verlieren, den er zum Emissionszeitpunkt hatte, werden die 1 060 Euro Rückzahlung fix eingeloggt.

Eine weniger offene Methode, die Auszahlungshöhe zu begrenzen, besteht darin, am Laufzeitende als Berechnungsgrundlage nicht den Kurs eines Basiswerts, sondern dessen Durchschnittswert über die zurückliegenden Jahre zu betrachten. So werden beispielsweise bei einem Garantiezertifikat auf den Euro Stoxx 50 von der DZ Bank (WKN: DZ0RQ2) an 20 im Voraus festgelegten Bewertungstagen die jeweiligen Schlusskurse des Index ermittelt. Der Durchschnitt dieser 20 Schlusskurse bildet die Grundlage zur Berechnung der Wertentwicklung. Der Effekt: Durch die Durchschnittsbildung über fünf Jahre hinweg wird verhindert, dass eine Hausse am Laufzeitende für eine zu hohe Auszahlung sorgen kann. In der Verkaufsbroschüre liest sich das natürlich anders. Dort wird erklärt, diese Methode habe den Vorteil, "?die negativen Auswirkungen eventueller Kursabschwünge während der Laufzeit des Zertifikates zu minimieren". Diese jedoch sollten Anlegern, die sich Garantieprodukte ins Depot legen, eigentlich völlig egal sein. Denn neben dem Kurs des Basiswerts spielt vor allem die Zinsentwicklung eine tragende Rolle bei der Preisstellung von Garantiezertifikaten. Erst am Laufzeitende wird abgerechnet. Verluste sind da ohnehin begrenzt, und jede Durchschnittsbildung wirkt im Nachhinein wie eine Performancebremse. Wie stark die wirkt, lässt sich zwar noch nicht prognostizieren, doch gerade das ist ein Problem dieser Papiere. "Es ist nahezu unmöglich, für solche Zertifikate eine Vorhersage über ihre Wertentwicklung zu treffen", sagt Sasa Perovic von Scope. Garantiezertifikate mit Durchschnittswert-Ermittlung sind also im wahrsten Sinne des Wortes unberechenbar in ihrer Wirkung.

Ein Garantiezertifikat mit einer Durchschnittsermittlung ganz anderer Art hat die RBS auf den Weg geschickt (WKN: AA04M4). Das Average In Garant Zertifikat speichert in den ersten beiden Jahren jeweils am Zwölften eines Monats den Stand des Euro Stoxx 50. Der daraus resultierende Durchschnittswert wird als Startwert für die Berechnung der Auszahlungshöhe herangezogen. Vorteil: Da der Euro Stoxx seit Emission des Zertifikats vor einem Jahr zwischenzeitlich stark gefallen war, liegt der bisher ermittelte Durchschnittswert deutlich unter dem Emissionskurs. Das könnte am Laufzeitende für eine positive Überraschung sorgen. "Die Börsenweisheit ´Kaufe billig und verkaufe teuer´ ist in der Praxis nur schwer umzusetzen. Mit solch einer Konstruktion kommt man dem Ideal aber schon ein wenig näher", sagt IZA-Geschäftsführer Florian Roebbeling. Risiko des Zertifikats: Auch diese Art von Durchschnittsbildung kann die Performance ausbremsen. Dann nämlich, wenn der nach 24 Monaten ermittelte Durchschnittswert oberhalb des Emissionskurses liegt.

Fazit: Wertpapier-Depots sollten so strukturiert sein, dass sie Schwankungen des Kapitalmarktes weitestgehend auffangen. Garantiezertifikate sind in gut aufgestellten Portfolios deshalb eigentlich überflüssig. Anleger, die ohne Portfolio-Strategie agieren, sich aber mehr Sicherheit durch Garantie-Produkte erhoffen, sollten bei den Konditionen genau auf die Auszahlungsmodi achten. Sie sollten außerdem nur in solche Produkte investieren, die das Chance-Risiko-Profil sehr transparent machen und eine ansprechende Renditechance bieten. Als Vergleichswert lohnt dabei immer ein Blick zur Bond-Front: Auch Bundesanleihen bieten risikofreien Zins, allerdings ohne Emittenten-Risiko und komplizierte Performanceformeln. Vermutlich ist es auch kein Zufall, dass um sechs Uhr abends aus den meisten Bürofenstern der Bundesbank kein Licht mehr dringt.

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