Garantiezertifikate: Teures Verlangen nach Vollkasko-Schutz

Garantiezertifikate
Teures Verlangen nach Vollkasko-Schutz

Kapitalgarantie - das klingt in unsicheren Börsenzeiten wie ein Zauberwort. Gerade deshalb sind Garantiezertifikate derzeit wahre Renner, verkaufen sich blendend. Doch wer jetzt bei diesen Papieren einsteigt, erwischt leider genau den falschen Zeitpunkt.

"DÜSSELDORF. Klar, dass die Zukunft beides bringt: Chancen und Misserfolge. Unser Trick sollte darin bestehen, die Chancen wahrzunehmen, die Niederlagen zu vermeiden und pünktlich um sechs Uhr Feierabend zu machen", hat Woody Allen einmal gesagt.

Es könnte sein, dass es an der Börse gerade kurz vor sechs Uhr ist. Weltweit sind die Kurse in den vergangenen Monaten gestiegen. Gleichzeitig sind auch die Preise für Anleihen, Edelmetalle, Agrar- und Industrie-Rohstoffe in die Höhe geschossen - das ist ungewöhnlich und riecht förmlich nach einer erneuten Blase an den Finanzmärkten. Da beschleicht zunehmend viele Anleger die Angst, der Trend könnte bald wieder kippen. Zu frisch sind die Erinnerungen an den rasanten Kurssturz im vergangenen Jahr. Was also tun? Beim Thema Geld gibt es keinen Feierabend. Wer seine Anlagen komplett verkauft und unters Kopfkissen legt, kann ab diesem Zeitpunkt nur noch dem Wertverfall seines Kapitals zusehen. Je nach Inflationsrate geht das schneller oder langsamer.

Deshalb greifen Anleger zunehmend bei Zertifikaten zu, die gleichzeitig Performance und viel Sicherheit versprechen. Der Trend ist unübersehbar: "Fast zwei Drittel des Geldes, das Anleger in Zertifikate investiert haben, steckt derzeit in Garantiezertifikaten. Vor einem Jahr waren es nur 37,6 Prozent, also etwas mehr als ein Drittel", sagt Lars Brandau, Geschäftsführer des Deutschen Derivate Verbandes (DDV). Kein Wunder, dass ausgerechnet Garantie-Produkte die Top-Seller bei Anlagezertifikaten sind: Garantiezertifikate oder auch Garantie-Anleihen, wie sie seit einiger Zeit aus Marketinggründen wieder vermehrt genannt werden, versprechen in der Regel zum Laufzeitende die Rückzahlung von 100 Prozent des Emissionspreises - manchmal auch etwas mehr. Gleichzeitig werben viele Garantiezertifikate damit, am Ende der Laufzeit von einer positiven Kursentwicklung des jeweiligen Basiswertes zu profitieren.

Volle Partizipation bei steigenden Kursen und null Risiko suchen Anleger im Moment jedoch vergebens. Fast alle Garantiezertifikate, die schon länger auf dem Markt sind, notieren oberhalb ihres Emissionspreises. Somit ist in der Regel keine hundertprozentige Risikoabsicherung mehr möglich. Denn die Kapitalgarantie gilt in der Mehrzahl der Fälle nur für die Höhe des Emissionspreises. Und auch bei neuen Produkten reiben sich Anleger die Augen: Garantiezertifikate mit 100 Prozent Kapitalschutz und voller Partizipation nach oben gibt es kaum. "Die klassischen Produkte sind für die Emittenten derzeit kaum finanzierbar. Denn das Marktumfeld für die beiden Komponenten, aus denen sich Garantiezertifikate zusammensetzen, ist derzeit äußerst ungünstig", erklärt Florian Roebbeling vom Institut für Zertifikate-Analyse (IZA). Hintergrund: Die beiden Komponenten, aus denen Garantiezertifikate bestehen, sind jeweils ein Zero-Bond und eine Call-Option auf den Basiswert.

Während der Zero-Bond die Kapitalgarantie am Laufzeitende sicherstellt, sorgt die Call-Option für die Partizipation an steigenden Kursen. Besonders gute Produkte können die Emittenten dann bauen, wenn sie den Zero-Bond und die Call-Optionen günstig einkaufen können. Das ist der Fall, wenn einerseits das Zinsniveau hoch ist - das sorgt für niedrige Bond-Preise - und andererseits die Volatilität niedrig ist. Denn je niedriger die Schwankungsintensität der Kurse ist, desto preiswerter sind die Aufgelder für Optionen. "Im Moment haben wir aber ein niedriges Zinsniveau und eine relativ hohe Volatilität. Zero-Bonds und Optionen sind teuer. Da bleibt kaum Spielraum, um gleichzeitig Garantie und genügend Performance in den Zertifikaten unterzubringen", so Roebbeling. Deshalb weichen die Emittenten auf andere Konstruktionen aus und sorgen mit mehr oder weniger offen kommunizierten Zusatzeigenschaften für eine Gewinnbegrenzung bei ihren Garantieprodukten.

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