Geldanlage
Neue Wetten auf Gold und Silber

Die Preise für Edelmetalle wie Gold und Silber erklimmen immer neue Höchststände. Und die Nachfrage bleibt ungebrochen. Nun kommen neue Produkte auf den Markt – für offensiv ausgerichtete Anleger und risikoscheue.
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DÜSSELDORF. Der Preis für Gold hat vergangene Woche bei über 1 429 US-Dollar ein neues Allzeithoch erreicht. Experten begründen den jüngsten Schub mit der Erwartung einer nochmaligen Ausweitung der lockeren US-Geldpolitik, der andauernden europäischen Staatsschuldenkrise und Käufen von Fonds zum Jahresende hin. Auch der Silberpreis hält sich nahe seines kürzlich erklommenen 30-Jahres- Hochs bei über 30 US-Dollar. „Investoren, die taktisch vorgehen, sind für Gold und Silber positiv gestimmt und haben Long-Positionen weiter ausgebaut“, sagt Stefan Graber, Analyst bei Credit Suisse. Kurzfristig sei mit weiteren Käufen zu rechnen, so der Experte in einem am Dienstag veröffentlichten Bericht.

Mit neuen Produkten reagieren Zertifikate-Emittenten auf die aktuelle Marktsituation: Einerseits werden Papiere aufgelegt, die überproportional von einem anhaltenden Gold- und Silberboom profitieren sollen und sich ausschließlich für offensive Investoren eignen. Dazu zählt ein ab Mitte Dezember gehandeltes Sprintzertifikat der HVB mit etwas mehr als zwei Jahren Laufzeit, das bis zum Cap von 120 Prozent die sehr eng am Goldpreis orientierte Entwicklung der „Xetra-Gold-Anleihe“ zweifach hebelt (WKN: HV5CLQ). Aber auch ein neues Silberminen-Basketzertifikat von Vontobel (WKN: VT00SM): Das Papier der Schweizer zeichnet die Aktienkursentwicklung von Minen-Unternehmen nach. Es verfügt über eine zweijährige Laufzeit und kann noch bis zum 17. Dezember gezeichnet werden. Hintergrund: Da die Erträge von Silberminen-Unternehmen stark vom Silberpreis abhängen, folgen auch deren Aktienkurse grundsätzlich dem Edelmetallpreis – oftmals sogar überproportional.

Andere Neuemissionen werden eher auf die Bedürfnisse vorsichtigerer Anleger zugeschnitten, die zwar Edelmetall-Engagements als Depotbeimischung sinnvoll finden, aber vor den Risiken eines Direktinvestments zurückschrecken: Schließlich verzeichnet Gold allein seit Mitte des Jahres einen Preisanstieg von über über 20 Prozent. Silber legte im selben Zeitraum sogar doppelt so stark zu. Rücksetzer sind also jederzeit möglich. Zudem drohen Währungsverluste, falls sich der Euro im Vergleich zum Dollar erholen sollte.

Neuemissionen mit Teilschutz

So kann ebenfalls bis zum 17. Dezember ein spezielles Capped Bonuszertifikat der Credit Suisse gezeichnet werden, das eins zu eins an einem Anstieg des Goldpreises partizipiert – maximal bis zu einem Niveau von 160 Prozent des Startwertes (WKN: CS8AFY). Im Gegensatz zu einem Direktinvestment in das Edelmetall muss hier ein Preisrückgang nicht zwingend zu Verlusten im Depot führen: Notiert Gold am Laufzeitende in rund drei Jahren nicht mit 25 Prozent oder mehr im Minus, erfolgt die Rückzahlung zum Ausgabepreis. Der Verlust beschränkt sich dann auf den einprozentigen Ausgabeaufschlag. Nur falls die Barriere am Bewertungstag durchbrochen ist, erfolgt die Rückzahlung analog zur Wertentwicklung des Goldpreises. Wechselkursbedingte Einflüsse auf die Rückzahlung sind aufgrund einer eingebauten Währungssicherung ausgeschlossen, sodass die maximal erzielbare Rendite des Produktes immerhin 16,30 Prozent p.a. beträgt. Da die Konstruktion zwar das eingesetzte Kapital gegen leichte Verluste des Goldpreises schützt aber keine Bonusrendite aufweist, eignet sich das Zertifikat nur für Anleger, die grundsätzlich mit einer Fortsetzung der Edelmetall-Hausse rechnen.

Wer dagegen auch bei einer Seitwärtsbewegung oder leicht rückläufigen Preisen für Gold und Silber Gewinne erzielen möchte, kann auf ein Multi-Expresszertifikat der Société Générale setzen, das noch bis zum 23.12. gezeichnet werden kann (WKN: SG1XEG) und ebenfalls währungsgesichert ist. Die Neuemission richtet sich an Anleger, die eine Schwächephase der beiden Edelmetalle nicht ausschließen, aber dennoch davon ausgehen, dass die Rohstoffe in drei Jahren jeweils nicht mehr als 30 Prozent verlieren werden. Dann besteht Aussicht auf eine Kuponzahlung von jährlich acht Prozent.

Außerdem können Anleger von einer vorzeitigen Rückzahlung profitieren (abzüglich 1,5 Prozent Ausgabeaufschlag), falls die Edelmetall-Kurse am jährlichen Bewertungstag bei mindestens hundert Prozent notieren. Sollte hingegen die 70-Prozent-Schwelle an einem der Bewertungstage doch von mindestens einem der beiden Notierungen unterschritten worden sein, wird für diese Periode zwar kein Kupon gezahlt – ein eingebauter „Memory-Mechanismus“ sorgt aber dafür, dass der Kupon nicht unwiderruflich verloren geht: Falls die Preise von Gold und Silber an einem der folgenden Beobachtungsperioden wieder auf oder oberhalb der Memory-Schwelle gestiegen sind, werden alle bis dahin ausgefallenen Kupons nachgeholt. Zum Verlustbringer kann das Teilschutzprodukt der Franzosen werden, falls Gold oder Silber am finalen Bewertungstag im Dezember 2013 immer noch unter 70 Prozent ihres Ausgangsniveaus notieren – dann erfolgt die Rückzahlung analog zur Entwicklung des schwächeren Edelmetalls. In diesem Fall erfolgt auch keine Kuponzahlung mehr.

Georgios Kokologiannis ist Redakteur im Finanzteam des Handelsblatts, mit Sitz in Frankfurt am Main. Er studierte Betriebswirtschaftslehre in Düsseldorf mit Schwerpunkt auf Controlling und Marketingmanagement. Bereits während seiner Studienzeit wirkte der Diplom-Kaufmann erstmals an der Entwicklung des Handelsblatt-Onlineangebots mit. Seinen journalistischen Feinschliff erhielt der Kapitalmarktexperte an der Georg von Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten. Mit Geldanlage-Themen beschäftigt sich der Derivatespezialist für das Handelsblatt seit mehr als 17 Jahren. Dabei wurde er mit dem DDV-Preis für Wirtschaftsjournalisten ausgezeichnet und hat zuletzt vier Jahre lang das Musterportfolio der Redaktion verantwortet.
Georgios Kokologiannis
Handelsblatt / Finanzredakteur

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  • Wer Gold- oder Silberzertifikate erwirbt oder physisches Gold oder Silber in ein bankschließfach legt, kann sein Geld auch genauso gut aus dem Fenster werfen.

    m Notfall sind die Zertifikat wertlos und der Zugang zu den Tresoren entweder gar nicht oder nur im beisein eines Finanzbeamten möglich, der gemäß Gesetz die Ablieferung des Edelmetalls begehrt.

    Wie Aruba richtig sagte, unter die Matratze neben der Schrotflinte.

  • Wer GOLD oder sein Kapital derzeit nicht "physisch in besitz nimmt", der sollte strafrechtlich verfolgt werden,wegen Unzurechnungsfähigkeit. Auf jegliches Unternehmen (banken), welches insolvent wird, hat kein Kunde mehr ein Zugriffsrecht (weder auf Konten, noch auf Schliesfächer!)und bleibt bis zum Ende der Abwicklung unerreichbar!! Rette sich wer kann ! !

  • und es ist gut so! (Wowereit)
    Oder machen Gold und Silber nicht satt!

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