Gewinne sind jedoch begrenzt
Sprint-Zertifikate laufen Aktien davon

Schnell eine hohe Rendite zu erzielen, wenn es an der Börse nur mäßig läuft, das ist das Ziel von Sprint-Zertifikaten. Innerhalb einer relativ schmalen Bandbreite – zwischen Basispreis und Cap – profitieren sie in doppelter Höhe von positiven Kursentwicklungen des zugrundeliegenden Basiswertes – meist einer einzelnen Aktie.

„In Anlehnung an die Leichtathletik könnte man sagen, das Zertifikat sprintet der Aktie bei leicht steigenden Kursen doppelt so schnell davon,“ beschreibt Frank Burkhardt, Derivate Experte bei der Société Générale (SG) in Frankfurt, den wesentlichen Vorzug dieser Papiere. Allerdings darf das Adverb „schnell“ nicht wörtlich genommen werden. Sprint-Zertifikate haben in der Regel eine Laufzeit von 15 Monaten, – damit die Erträge nicht in die Spekulationsfrist fallen – und sie sind so ausgerichtet, dass der Anleger erst bei Fälligkeit des Papiers vom Doppelten-Performance-Effekt profitieren kann.

„Seit Ende des Sommers erleben wir bei Sprint-Zertifikaten geradezu einen Boom,“ sagt Burkhardt. Das liege ganz wesentlich an der aktuellen Finanzmarktlage, die einfach keinen klaren Trend zeige. „Die wenigsten Anleger sind wirklich bullish eingestellt, sonst würden sie ja direkt in Aktien investieren. Andererseits sind die meisten Marktteilnehmer aber doch positiv gestimmt und erwarten zumindest moderate Kurszuwächse an den Börsen,“ sagt Burkhardt. Da seien Sprint-Zertifikate das ideale Investment. Dass diese Papiere zunehmend von Privatanlegern nachgefragt würden, liege aber auch daran, dass verwandte Produkte wie Discount- oder Bonuszertifikate sich etabliert hätten. „Die Anleger haben die Scheu verloren und gemerkt, dass sich mit Derivaten Gewinne mit einem Rendite-Risiko-Profil erwirtschaften lassen, das mit Aktien alleine nicht darstellbar ist.“

Sprint-Zertifikate sind keine neue Erfindung. Möglicherweise haben einige Anleger sie in der Vergangenheit als Double-Chance-, Katapult-, Kick-Start-, Runner-, oder Speed-Zertifikat erworben. „Beinahe jeder Emittent hat dieses Produkt bis vor kurzem anders genannt,“ sagt Wolfgang Gerhardt, Derivate-Experte bei Sal. Oppenheim. Mittlerweile haben sich aber zumindest die im Deutschen Derivate Institut vertretenen Mitgliedsbanken darauf verständigt, dieses Wertpapierkonstrukt einheitlich „Sprint-Zertifikat" zu nennen.

Was genau sich dahinter verbirgt, lässt sich am besten an einem Beispiel erläutern. Ausgangspunkt sei ein Sprint-Zertifikat, das sich auf die Aktie XY (Basiswert/ Underlying) im Verhältnis eins zu eins bezieht. Der Basispreis des Zertifikats liegt bei 46 Euro. In gleicher Höhe notiert die Aktie. Der Zielkurs (Cap) ist auf 51,50 Euro festgesetzt. In dieser Spanne profitiert das Derivat von Kurserhöhungen doppelt. Klettert die Aktie am Ende der Laufzeit beispielsweise auf 48 Euro und steigt damit um 4,3 Prozent, macht das Zertifikat ein Plus von gut 8,6 Prozent. Erreicht der Aktienkurs bei Fälligkeit sogar die Marke von 51,50 Euro (plus 12 Prozent), bringt es das Zertifikat mit einem Wertzuwachs von rund 24 Prozent auf seinen maximalen Gewinn. „In Zeiten seitwärts strebender Börsen ist das keine schlechte Performance. Das muss der Basiswert erst einmal erreichen,“ sagt Tobias Wilke von der BNP Paribas in Frankfurt.

Seite 1:

Sprint-Zertifikate laufen Aktien davon

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%