Goldman Sachs bringt Optionsscheine auf Immobilienpreise
Aktienbaisse fördert Alternativ-Investments

Anleger sollten aus der Baisse der vergangenen dreieinhalb Jahre ihre Lehren gezogen haben. Eine wichtige Erkenntnis ist, dass die Konzentration auf eine Anlageklasse - in diesem Fall die Aktie - große Risiken birgt. So verwundert es nicht, wenn alternative Investments wie Hedge Funds, Private Equity, Rohstoffe und Immobilien zuletzt kräftigen Zulauf erfuhren.

FRANKFURT/M. Zugang zu diesen in der Vergangenheit oft nur institutionellen Investoren geöffneten Märkten erhielten private Anleger durch deutsche Banken. Diese schnitten strukturierte Produkte (Optionsscheine, Zertifikate, spezielle Anleihen usw.) auf die Bedürfnisse der Kleinanleger zu.

Deutsche Großbanken sammelten mit der Emission von Hedge-Fund-Zertifikaten in den letzten zwei Jahren von Privatinvestoren mehr als 5 Mrd. $ ein. Das Emissionsgeschäft auf diesem recht neuen Gebiet ist im Vorfeld der für Anfang 2004 erwarteten Öffnung des deutschen Hedge-Fund-Marktes weiter sehr rege. Die Deutsche Bank hat ein Zertifikat auf den von Feri errechneten Arix-Hedge-Fund-Index emittiert. Dieser Index reflektiere die Wertentwicklung acht aktienbezogener Hedge-Funds-Strategien, sagt Dirk Söhnholz von Feri in Bad Homburg. Für den Index kommen nur Hedge Funds in Betracht, die auf Basis so genannter Managed- Account-Strukturen verwaltet werden und so eine hohe Transparenz bieten. Die Commerzbank hat kürzlich ein weiteres Hedge-Fund-Zertifikat ihrer Comas-Reihe emittiert, das an die Entwicklung des Comas- 25-Absolute-Return-Index gekoppelt ist, der acht verschiedene Hedge-Fund-Strategien abbildet.

Neben Hedge Funds gelten vor allem auch Rohstoffe als interessantes Alternativ-Investment. Als Folge des Preisaufschwungs an den Rohstoffmärkten wurden vielfältige strukturierte Produkte auf Rohstoffe und Rohstoffindizes emittiert. Diese fanden hohen Absatz, wobei sich das Interesse anfangs vor allem auf Gold und Rohöl konzentrierte. In jüngster Zeit kam es aber auch hier zu einer Verbreiterung des Angebots. Die ABN Amro brachte zuletzt Warrants auf Kaffee, Kakao und Zucker auf den Markt. Die Macquarie Bank emittierte zudem ein Kupfer-Zertifikat.

Das nächste neue Rohstoff-Produkt von ABN Amro wird dem Vernehmen nach eine Note (Anleihe) auf den Basiswert Aluminium sein. Die Zinszahlung dieser Anleihe soll aus dem Ertrag gespeist werden, den das Aluminium-Leihegeschäft am internationalen Metall-Terminhandel abwirft. Derzeit liegen die kurzfristigen Zinsen für die Aluminium- Leihe noch immer bei rund 8 %, nachdem sie noch vor einigen Wochen rund 15 % betragen hatten.

Das jüngste Kind in der Produktpalette von Alternativ-Investments sind Optionsscheine und Zertifikate von Goldman Sachs, mit denen Spekulanten und Hausbesitzer auf steigende oder fallende Immobilienpreise in Großbritannien setzen können. Als Basis für die Warrants und Zertifikate hat der Emittent den von der Bausparkasse Halifax errechneten "Halifax Average House Price" für Großbritannien und für die Region Greater London gewählt. Zum einen wird für diese Produkte der gesamtbritische Index für den Monat Juni 2004 und zum anderen der Londoner Index für das zweite Quartal des Jahres 2004 zugrunde gelegt.

Diese Finanzinnovationen eignen sich nicht nur für Spekulanten, sondern auch für Hauseigentümer. Befürchtet z.B. ein Eigentümer in London, dass die in der Vergangenheit stark gestiegenen Preise seiner Immobilie von durchschnittlich 220 525 Pfund Sterling sinken, kann er sich über den Kauf eines Put-Warrants (Verkaufs-Optionsscheins) absichern. Sinkt der Halifax- Average-House-Price-Index tatsächlich, steigt der Wert des Warrants. Auf diese Weise wird der Wertverlust des eigenen Hauses durch die Wertsteigerung im Optionsschein teilweise oder ganz ausgeglichen. Bei Goldman Sachs erwägt man, diese Produkte auf andere Länder auszuweiten.

Quelle: Handelsblatt Nr. 093 vom 15.05.03, Seite 31

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