Griechenland
Der Grexit rückt näher

Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras hat immer versprochen, alle Verpflichtungen gegenüber den Gläubigern zu erfüllen. Doch der Markt sieht das anders – und stuft die Grexit-Wahrscheinlichkeit nun höher ein.
  • 41

DüsseldorfWährend der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras bei seinen Gesprächen mit Gläubigern über die Bedingungen für Rettungskredite nicht vorankommt, erklärte ein Vertreter seiner Regierung am Freitag, Griechenland werde seine Schulden nicht mehr bedienen, falls die Kreditgeber die Mittel nicht freigeben.

Griechenland schlägt eine Restrukturierung vor, bei der bestimmte Zahlungen an das Wirtschaftswachstum gebunden sind; das Land fordert zudem niedrigere Zinsen und mehr Zeit für die Rückzahlungen. Zwar sollen private Anleihegläubiger davon nicht betroffen sein - doch es besteht die Gefahr, dass die Gespräche scheitern, Griechenland aus dem Euroraum austritt und alle Beteiligten Verluste erleiden.

„Die größte Angst ist im Moment ein Austritt Griechenlands aus Versehen“, sagte Padhraic Garvey, Leiter Zinsstrategie weltweit bei ING Groep NV in London. „Im absoluten Extremfall wäre die einzige praktikable Lösung, alle staatlichen Schulden in eine ewige Anleihe ohne Laufzeitbegrenzung zu packen, die dann niemals zurückgezahlt würde.“

Dem Land geht allmählich das Geld aus. Laut CMA zeigen Kreditausfall-Swaps eine 72-prozentige Wahrscheinlichkeit dafür an, dass Griechenland innerhalb von fünf Jahren Kreditverpflichtungen nicht bedient. Anfang März hatte dieser Wert noch bei 67 Prozent gelegen.

Die Verzinsung zehnjähriger Papiere kletterte am heutigen Montag (30.3.) leicht auf 11,10 Prozent. Griechenland versucht derzeit fieberhaft, die Staatspleite abzuwenden. Auf die Stimmung der Anleger drückte zudem, dass die Ratingagentur Fitch die Bonitätsnote des Euro-Staates herabgestuft hat. Die Kreditwürdigkeit wird nun mit CCC bewertet, bislang stand Griechenland bei Fitch auf B. „Wir warten weiter ab, doch die Uhr tickt immer lauter“, schrieben die Analysten der Metzler Bank in einem Kommentar.

Die Renditen dreijähriger Anleihen liegen fast zehn Prozentpunkte höher als die der zehnjährigen Papiere. Üblicherweise erhalten Investoren mehr, wenn sie für einen längeren Zeitraum Geld verleihen, um sie für die Inflation zu entschädigen.

Im Falle Griechenlands aber ist die unmittelbare Sorge die, ob man überhaupt sein Geld zurückbekommt. So ist die Notierung der fünfjährigen Anleihen auf 68 Prozent vom Nominalwert gefallen, von knapp hundert Prozent vor einem Jahr, als die Papiere begeben wurden.

Kommentare zu " Griechenland: Der Grexit rückt näher"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Griechenland verdient den GREXIT, obgleich dadurch die lang ersehnte Vision von "United States of Europe" immer ferner wird. Als dass der sture Norden Europas nicht schon Hindernis genug ist, allem voran England.

  • Das ist Politik und das sind Beamte. Deswegen dauert alles und alles wird nach hinten geschoben und gehofft und verdrängt und sich den Realitäten zu stellen. In der Wirtschaft wäre das Griechenland schon längst aus dem Euroraum verbannt worden. Stattdessen wird das Risiko und die Nachteile auf die Bevölkerung übertragen. Die Politiker selbt haben ja nichst zu befürchten und sowieso ihre hohen Pensionen sicher. Die brauchen daher keine zusätzlichen Altersversorgungsprodukte. Diese sind bis auf fasr null gesenkt. Rendite gleich null. Tagesgeld ebenso. Diese Sparer bluten seit Jahren aus. Meine eigene Altersversorgungsprodukte sind um 6-stellig gesunken. Diese Probleme haben Politiker weniger bis gar nicht. Deshalb handeln sie zum Wohle des Volkes oder wie soll man das nennen. Das deutsche Volke zahlt seit Jahren die Zeche, zumindest der einzelne Sparer. Und es wird noch Jahre dauern. Und der USA Urlaub oder die Schweiz ist nur noch für Priviligierte zahlbar. Das will man doch, oder? Und der deutschd Michel freut sixh auf seine zwischenzeitlich 50 oder 60 Stundenwoche und die Firma freut sich zum Exportweltmeidte. Nur die Rente wird such weniger, Da kann man (n) sich bewegen wie man will. Für 1200 bis 1500 Euro Höchstrente sich die A..... aufreißen und ggf.seine Gesundheit ruinieren. Ich weiß nicht, ob dies der richtige Weg ist. Für viele bestimmt nicht. Soetwas kann man mit dem deutschen Michel machen. Er kümmert sich nicht, ist dahingend dumm und unaufgeklärt.
    Die Politik schert sich um solche Dinge nicht, die den einzelnen bewegen. Wenn soetwas wie Pegida auf die Strasse geht wird der Spiegel vom letzen Jahrtaussend hervorgeholt und vorgezeigt. Diese Poltiker sind nicht besser als die hier lebenden "Personen mit Migrationshintergrund" den dann bei Problemen oder einer Konfrontstion nur einfällt "Du Nazi, du...." Das ist trivial, wenn man sich nicht den eigentlichen Problemen der Bürger stellt und diesen mit anderen Argumenten ausweicht.

  • Dass Griechenland und ein Großteil der Griechen ein gespaltenes Verhältnis zur Realität haben, konnte man seit Jahrzehnten wissen. Europa steht nicht mit dem Euro auf dem Spiel, sondern Europa steht durch den Euro auf dem Spiel. Es gehört nicht zusammen was nicht zusammenpasst: Die krass unterschiedliche Wirtschaftskraft, die krass unterschiedliche Mentalität zwischen Süd und Nord.
    Warum wohl gewinnen die europakritischen Parteien in Straßburg und in den Nationalstaaten immer mehr Zulauf? Von Juncker bis Draghi wird der europäische Gedanke der Verträge von Rom konterkariert. Europa kommt nur voran, wenn man sich darauf besinnt, was man gemeinsam will. - Und da muss jedes Mitglied was dazugeben wollen. Das jetzige Europa wird an der selbst verursachten Asymetrie scheitern. Wer Europa nur als Kasse sieht, sich die selbst verschuldete Misswirtschaft in Politik und Ökonomie dauerhaft finanzieren zu lassen, der muss raus, aus Euro und aus EU!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%