Grundlagenwissen: Mit Rohöl Rendite fließen lassen

Grundlagenwissen
Mit Rohöl Rendite fließen lassen

Auch konservativen Anlegern bietet Rohöl trotz der Rekordpreise lukrative Renditechancen. Wer in den Energieträger investieren will, muss aber Besonderheiten bei Rohstoffanlagen kennen, um auf die richtigen Papiere setzen zu können. Eine Einführung in die Welt der Erdöl-Anlage mit Zertifikaten.

DÜSSELDORF. Der amerikanische Rohölhändler Richard Arens an der New York Mercantile Exchange hat sich Anfang Januar seinen Platz in den Geschichtsbüchern gesichert. Er war die erste Person überhaupt, die für ein Barrel (159 Liter) US-Rohöl WTI (Western Texas Intermediate) 100 Dollar gezahlt hat - mit einer Mindestorder von 1 000 Barrel, deren Preis fast 60 Cent über dem Marktpreis lag. Auch der Preis für die Nordseesorte Brent sprang auf den Rekordwert von 98 Dollar.

Ausgelöst wurde die jüngste Aufwärtsbewegung der Ölpreise durch erneut wachsende Versorgungsängste. Geopolitische Spannungen in Algerien und vor allem Nigeria, dem weltweit achtgrößten Ölexporteur schürten diese Sorgen. Zusätzlich wurden die Notierungen durch rückläufige US-Ölbestände getrieben. Am ersten Handelstag des neuen Jahres hätten zudem Fonds-Investoren in großem Stil technische Käufe getätigt und damit ihre Kaufpositionen beim Öl untermauert, beobachtete Glen Ward, Energie-Experte beim Brokerhaus ODL Securities.

Und obwohl es nur ein einzelner Händler mit einer Minimal-Bestellung war, der den magischen Preis bezahlte und die Öl-Notierungen seitdem wieder deutlich nachgegeben haben, überbieten sich nun einige Experten mit ihren Preisprognosen für den bedeutendsten Energieträger der Weltwirtschaft: 150 Dollar je Barrel bis 2030 sieht der Direktor der Internationalen Energie-Agentur, Nobuo Tanaka, kommen. 200 Dollar schon 2020 hält Claudia Kemfert, Energieexpertin des Konjunkturforschungsinstituts DIW, für möglich.

Es gibt auch Marktteilnehmer, die bereits wesentlich früher die nächste Hundertermarke fallen sehen. Dies zeigt ein Blick auf die an der New Yorker Warenterminbörse gehandelten Ölkontrakte. Die spektakulärste Wette dort dreht sich um die Frage, ob der Rohölpreis bis Jahresende eine Verdoppelung hinlegt. Die Optionen auf Ölkontrakte für 200 Dollar sind dort in den vergangenen beiden Monaten um das Zehnfache gestiegen gering ist. Der Wert der Ölkontrakte legte seit Anfang Dezember um rund ein Drittel zu.

Auch nach Einschätzung der US-amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs bleibt die Lage am Ölmarkt im laufenden Jahr angespannt. Angesichts einer anhaltend hohen Nachfrage nach Rohöl und zugleich begrenzten freien Förderkapazitäten sollten sich die Preise in der Nähe der 100-Dollar-Marke bewegen, sagte David Greely, Rohstoffexperte bei Goldman Sachs. Zum Jahresende 2008 sehen die Volkswirte der Investmentbank den Preis für WTI-Rohöl bei etwa 105 Dollar.

Zumindest für die kurzfristige Preisentwicklung mangelt es aber auch nicht an vorsichtigeren Markteinschätzungen. Nach Ansicht der Commerzbank befinden sich die Ölpreise aktuell „am Scheideweg“. Aufgrund vieler technisch orientierter Händler könnten die jüngsten Kursverluste eine Korrektur bis auf 80 Dollar einleiten, schätzt Commerzbank-Rohstoffexperte Eugen Weinberg. Auch der von Bloomberg erhobene Konsens zur Entwicklung des Ölpreises in 2008 sieht mit einem durchschnittlichen Preis von 78 Dollar je Barrel eher fallende Kurse voraus.

Im vergangenen Jahr trieb unter anderem der Atomstreit zwischen den USA und Iran die Ölpreise um rund 50 Dollar hoch. Mitte November waren die Notierungen noch knapp an der Hürde von 100 Dollar gescheitert. Im Dezember hatte die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) zudem Forderungen der Industriestaaten abgelehnt, ihre Fördermengen zu erhöhen.

Dass das Kartell auch jetzt keinen Anlass sieht, die Ölhähne weiter aufzudrehen, ließ der katarische Öl-Minister Abdullah al-Attija Anfang vergangener Woche erkennen. Es sei falsch, „auf Dauer mit einem Ölpreis von 100 Dollar zu kalkulieren“. Die Opec sei momentan nicht in der Lage, etwas gegen die hohen Preise zu unternehmen, weil diese nicht das Ergebnis einer gestiegenen Nachfrage seien, sondern „das Ergebnis von Spekulation“. Viele Investoren hätten das Vertrauen in Aktien und Immobilien verloren und spekulierten deshalb auf hohe Energiepreise.

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