GSCI jetzt auch „open end“ oder mit Bonus
Zertifikate: Das Rohstoff-Universum wächst

Ganz oben auf der Agenda von ABN Amro stehen seit einiger Zeit Edelmetalle und andere Rohstoffe. Nach Gold-, Silber, Platin- und Palladium-Zertifikaten sowie einigen Knockout-Produkten auf Agrar-Futures unterstreichen die Niederländer diese Positionierung nun mit dem ersten „Open End“-Zertifikat auf den Goldman Sachs Commodity Index (WKN 886 299), das weltweit führende Rohstoff-Barometer. Das vor einigen Monaten von den „Goldmännern“ selbst lancierte GSCI-Papier (WKN 954 546), dessen Laufzeit leider bis zum 18. Dezember 2006 befristet ist, wird dennoch nicht obsolet.

Der Teufel steckt wieder einmal im Detail, denn während Goldman Sachs den „GSCI Total Return“ abbildet, hat ABN Amro lediglich die „Excess Return“-Variante ins Visier genommen. Der kleine aber feine Unterschied liegt darin, dass der „Total Return“ zusätzlich zu den Veränderungen der Rohstoffpreise und den Erträgen aus dem periodischen Rollen der Futures-Kontrakte auch noch die Zinseinnahmen anrechnet, die mit den bei jedem Futures-Engagement unerlässlichen Kapital-Hinterlegungen (Margins) erzielt werden.

Innerhalb des Index werden diese Erträge mit der jeweils aktuellen Rendite kurzfristiger Schatzanweisungen der US-Regierung („T-Bills“) angesetzt, die momentan bei 1,6 Prozent p.a. liegt. Das mag zunächst recht mickrig klingen, doch bei einem Zinsanstieg kann die Schere zwischen „Total Return“ und dem zinslosen „Excess Return“ schnell auseinandergehen. Kalkulieren wir für die nahe Zukunft einmal vorsichtig mit T-Bill-Renditen von 2,00 Prozent p.a. (2004), 3,00 Prozent p.a. (2005) und 3,50 Prozent p.a. (2006), würde mit dem ABN-Zertifikat innerhalb von drei Jahren unter Berücksichtigung von Zins und Zinseszins schon eine Performance-Lücke von 8,7 Prozent aufklaffen – nicht eingerechnet die Management-Gebühr von bis zu 1 Prozent p.a., die beim Papier aus dem Land der Windmühlen eventuell auch noch abgezogen wird.

Der Vorteil der unbegrenzten Laufzeit, der aufgrund der nur 30-tägigen Kündigungsfrist ohnehin nicht so ganz sicher erscheint, wird also sehr teuer erkauft. Aus der begründeten Hoffnung heraus, dass Goldman Sachs zu gegebener Zeit ein Nachfolgeprodukt auf den GSCI Total Return auflegt (oder vielleicht gar ein lupenreines „Open End“-Zertifikat), bleibt die WKN 954 546 somit unsere „BestBuy“-Empfehlung im Bereich der klassischen Index-Papiere.

Bei den „Commodities“ ist man also gut beraten, genauso zu verfahren wie bei Aktienindizes: Nehmen, was man kriegen kann und auch die scheinbar unwesentlichen Zusatzeinnahmen wie Dividenden oder Finanzierungsmargen nicht in den tiefen Taschen der Emittenten verschwinden lassen. Einen eventuellen Verzicht auf derlei „Goodies“ schreit nach einer fairen Gegenleistung – so, wie ihn das soeben in den Handel gestartete „GSCI Bonus“ von Goldman Sachs bietet.

Auch hier liegt nur der „Excess Return“ zugrunde, doch mit den einbehaltenen Margin-Erträgen wird unser Lieblings-Mechanismus für langfristige Anleger finanziert. Wenn der GSCI (aktueller Stand: 478,95) bis zur Fälligkeit am 20. November 2009 niemals die Schwelle bei 327,51 Punkten berührt, gibt es für das zu Briefkursen um 98,50 Euro angebotene Zertifikat in jedem Fall 140,00 Euro zurück. Das entspricht einer Bonus-Rendite von gut 42 Prozent, wobei man zum Laufzeitende natürlich wie bei den übrigen Ihnen bisher bekannten Bonus-Zertifikaten an darüber hinausgehenden Anstiegen des Index voll beteiligt ist.

Der Abstand zur Bonus-Schwelle beläuft sich momentan auf rund 31 Prozent – ein nicht gerade üppiger Risikopuffer. Das Niveau, bei dessen Erreichen der Bonus-Mechanismus ausgeknockt wird und man mit einem stinknormalen „Excess-Return“-Zertifikat dasteht, hat der hochvolatile GSCI noch im Januar 2002 zuletzt gesehen, so dass die Hoffnung auf die Bonus-Rendite sich überwiegend aus den nach wie vor exzellenten fundamentalen Perspektiven der „Commodities“ speist. Hier könnte es sich als günstig herausstellen, dass der GSCI rechtzeitig vor Fixierung des Referenzpreises kräftig in die Knie gegangen ist, nachdem das im Index hoch gewichtete Rohöl in den vergangenen zehn Tagen rund 10 Prozent eingebüßt hat.

Daraus ergibt sich nun ein attraktives Einstiegsniveau, denn es dürfte wohl bloß eine Frage der Zeit sein, bis das „schwarze Gold“ sich zu neuen Höhen aufschwingt und auch andere „Commodities“ mitzieht. Die leichten Anzeichen für eine Erholung der Weltkonjunktur, der munter steigende Rohstoff-Verbrauch in China sowie das trotz der jüngsten Truthahn-Überraschung immer mehr zum Debakel geratende Irak-Abenteuer George W. Bushs sind die beste Versicherung dafür, dass die Bonus-Schwelle hält bzw. der Risikopuffer bald durch neuerliche Index-Anstiege anwächst.

Überdies bietet das „GSCI Bonus“ einen weiteren revolutionären Vorteil – wo ABN beim „Open End“-Zertifikat schon fleißig abkassiert, legt Goldman Sachs noch eine Währungssicherung obendrauf. Diese bleibt in jedem Fall erhalten, auch wenn der Bonus-Mechanismus irgendwann deaktiviert werden sollte. Insgesamt gelingt den „Goldmännern“ damit erneut ein wegweisendes Produkt, das für jeden Langfrist-Anleger attraktiv ist, der sich „Rohstoffe pur“ ins Depot packen will.

Der Puffer ist zwar nicht allzu groß, sollte aber dennoch geeignet sein, bei risikoaversen Investoren die psychologische Hürde vor einem für sich genommen recht spekulativen, im Kontext eines diversifizierten Portfolios jedoch unverzichtbaren „Commodity“-Investments deutlich herabzusenken. Nicht einmal am mit 0,1 Prozent extrem engen Spread gibt es etwas herumzukritteln, weshalb wir fast schon bedauern, dass unsere „BestBuy“-Skala bei fünf Punkten zuende ist.

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