Handel mit Wasser
Das blaue Gold gewinnt an Wert

Trinkwasser wird knapp und der Handel mit dem lebensnotwendigen Urstoff hat längst begonnen. Börsen, Banken und Anleger setzen auf an den globalen Finanzmärkten auf Investmentprodukte, die mit dem blauen Gold handeln. Kostenloses Wasser könnte bald der Geschichte angehören.

FRANKFURT. Die Warnungen vor einer weltweiten Krise um den Urstoff Wasser werden lauter. Rund um den Globus sind auf Grund der wachsenden Weltbevölkerung in den kommenden Jahren riesige Investitionen notwendig, um eine reibungslose Versorgung mit Frisch- und Trinkwasser zu gewährleisten. „Die Welt muss umgehend handeln, um eine solche Krise zu vermeiden", sagt zum Beispiel Koichiro Matsuura, der bei der Unesco den Bereich Ausbildung, Wissenschaft und Kultur leitet. Der Experte befürchtet, dass im Jahr 2030 etwa die Hälfte der Weltbevölkerung in Regionen mit akuter Trinkwasser-Knappheit leben wird.

Bekanntlich hat vor allem China als bevölkerungsreichstes Land der Erde seit vielen Jahren Probleme mit der Wasserversorgung. Xianbin Yao, Ökonom der Asiatischen Entwicklungsbank (ADB), bestätigt im Handelsblatt-Gespräch diese Aussagen. „Chinas latente Wasserknappheit stellt eine Gefahr für den dortigen Konjunkturaufschwung dar", sagt er. Vor diesem Hintergrund nennt er unter anderem zwei Lösungsansätze. „Wasser muss weltweit ein Preis gegeben werden, damit die Menschen die Bedeutung dieses Edel-Rohstoffs erkennen“, sagt er. In vielen Ländern stehe Wasser noch kostenlos zur Verfügung, werde daher als reichlich verfügbar und wenig wertvoll betrachtet und dementsprechend verschwendet.

Darüber hinaus seien, so sagt Yao, massive Investitionen zum Beispiel in die Wasser-Infrastruktur notwendig. Ähnlich sieht das auch David Paterson; denn der Gouverneur von New York spricht davon, dass allein in diesem US-Bundesstaat in den kommenden 20 Jahren Investitionen in Höhe von 50 Mrd. Dollar notwendig sind, um die Wasserversorgung zu gewährleisten. Dies sind „Peanuts“ im Vergleich zu jener Summe von 700 bis 800 Mrd. Dollar, die in den kommenden beiden Dekaden nach Meinung von Experten der UNO weltweit investiert werden müssen.

Die Fakten sprechen für sich und sie sprechen zweifellos für Kapitalanlagen im Bereich Wasser – und zwar sowohl in die Infrastruktur als auch in die Aufbereitung dieses Urstoffs. Gerade im US-Bundesstaat Kalifornien, der in weiten Teilen des Landes im dritten Jahr in Folge von einer Trockenheit heimgesucht wird, spürt man in diesen Tagen die Bedeutung einer ausreichenden Wasserversorgung. Ähnliche Erfahrungen haben auch die Akteure der Landwirtschaft in Australien machen müssen, deren Ernteerträge sehr stark von der Wasser-Verfügbarkeit abhängig sind. Im vergangenen Jahr schossen zum Beispiel die Getreidepreise – vor allem die Notierungen am Reismarkt – wegen der Dürrekatastrophe auf dem Fünften Kontinent kräftig in die Höhe.

Bei einem Blick auf den Globus könnte der Betrachter zu der Überzeugung gelangen, dass Wasser reichlich zur Verfügung stehen sollte; denn schließlich ist die Erde überwiegend von Wasser bedeckt. Davon entfallen jedoch rund 97 Prozent der globalen Wasserreserven auf Salzwasser. Für den menschlichen Gebrauch allerdings ist ausschließlich Süßwasser geeignet.

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