Handelsexperte im Interview
Wenn Orderfehler Anleger um den Verstand bringen

Einige Anleger verlieren nicht nur Geld, wenn die Kurse fallen, sondern bereits beim Kauf. Ein kleiner Fehler, und sie ordern Papiere nicht wie geplant für 500 Euro, sondern für 50.000 Euro. Ein Insider erzählt.
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Pro Monat werden an der Börse Stuttgart Hunderttausende Orders im Euwax-Segment abgewickelt. Zwar unterstützen Computer an der Börse die Ausführung der Transaktionen, doch zunächst geben Anleger oder Bankberater die notwendigen Daten wie Stückzahl, WKN oder den gewünschten Kaufpreis ein. Und weil Menschen Fehler machen, verlieren manche Anleger durch falsche Eingaben viel Geld, wie Norbert Paul, Handelsexperte an der Börse Stuttgart, aus langjähriger Erfahrung weiß.

Herr Paul, was sind die typischen Anlegerfehler bei der Orderaufgabe?
Alle möglichen Angaben werden vertauscht, das erleben wir fast täglich. Um einige Beispiele zu nennen: Da wird eine Stückzahl von 1000 geordert und beim Limit ebenfalls 1000 Euro eingegeben, obwohl das Papier viel günstiger ist. Ein Anleger oder Bankberater kauft Zertifikate für drei Euro und stellt sie sofort für 2,50 Euro wieder zum Verkauf. Dabei wollte er eigentlich ein Stopp-Loss-Limit von 2,50 Euro angeben, um bei eventuellen Kursrückgängen die Verluste zu begrenzen.

Was passiert dann?
Bei solch offensichtlichen Fehlern greifen wir Handelsexperten ein und rufen sofort die Bank an. Das ist der Vorteil, wenn wie hier an der Börse Stuttgart verbriefte Derivate nicht vollautomatisch gehandelt werden, sondern noch Menschen vor dem Computer sitzen. Was die Bank nach unserem Hinweis unternimmt, wissen wir natürlich nicht. Auch nicht, ob der Anleger oder der Bankberater den Fehler begangen hat. Aber mehr können wir als Börse nicht tun.

Mit welchen Produkten machen denn Anleger die meisten Fehler?
Das sind sicherlich Optionsscheine. Bei dieser risikoreichen Anlageform gibt es Put- und Call-Varianten, mit denen Anleger auf fallende (Put) oder steigende Kurse (Call) setzen. Mit Call-Optionsscheinen erwerben Anleger das Recht, eine Aktie oder einen Index an einem Termin zu einem vorher festgelegten Preis zu kaufen. Falls die Aktie oder der Index zu dem Termin unterhalb des Preises notiert, verfällt der Schein wertlos. Doch manche Anleger stört dieses Risiko offenbar nicht. Sie kaufen Optionsscheine, obwohl kaum eine Aussicht besteht, das investierte Geld wieder zurückzubekommen. Von einem Gewinn ganz zu schweigen.

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Was nichts kostet, ist auch nichts

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2000 Euro Ordergebühr gespart

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