Hohe Erwartungen
Afrika zieht Investoren an

Die Volksrepublik China investiert massiv in den riesigen Rohstoffreichtum Afrikas. Doch noch immer liegen Chancen und Risiken auf dem schwarzen Kontinent eng beieinander. Bisher konnten die hochgesteckte Erwartungen mancher Anleger nicht erfüllt werden.
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FRANKFURT. Immer mehr Ökonomen sprechen vom Wachstumsmarkt Afrika. Und in der Tat rückt der schwarze Kontinent zunehmend in den Fokus von Anlegern. Der mutige Schritt deutscher Investoren bei der Gründung eines ambitionierten Solarenergieprojekts in der Sahara zeigt, dass die westliche Welt den afrikanischen Kontinent inzwischen mehr als Chance, denn als Risiko betrachtet. Und dies trotz aller politischen, strukturellen und ökonomischen Unwägbarkeiten.

Festzustellen ist, dass sich hochgesteckte Erwartungen mancher Afrika-Fans bisher nicht erfüllt haben. Vor dem Hintergrund der ärgsten Weltwirtschaftskrise seit rund acht Dekaden überrascht das nicht; denn Kapitalanleger suchen in solchen Phasen eher sichere Investments. Der schwarze Kontinent ist gerade für private Investoren jedoch weiter ein unsicherer Kandidat. Politische Stabilität und Rechtstaatlichkeit sind wichtige Grundlage für Investitionen - in vielen Ländern Afrikas mangelt es daran jedoch noch immer. So lockt die Region Sub-Sahara-Afrika weltweit weiterhin die wenigsten privaten Investitionen an.

Die zahlreichen Schwächen des Kontinents kommen auch darin zum Ausdruck, dass der Aktienindex MSCI EFM Africa, der die Wertentwicklung der Aktienbörsen des Kontinents reflektiert, seit Jahresanfang gerade einmal 38,4 Prozent zugelegt hat. Dies nimmt sich bescheiden aus im Vergleich zum 69,5-prozentigen Plus des MSCI BRIC-Aktienindex, der die Performance von Börsen in Brasilien, Russland, Indien und China abbildet. Allerdings weisen Afrikas Börsen eine bessere Entwicklung als der MSCI-Weltindex auf, der in den ersten neun Monaten dieses Jahres rund 22,5 Prozent zugelegt hat.

Dass der Kursaufschwung Afrikas hinter anderen Schwellenländer-Regionen zurückgeblieben ist, hat seine Ursache unter anderem darin, dass viele Länder weit von demokratischen Strukturen westlichen Standards entfernt sind. "Afrikas Aktienbörsen sind auch nicht gerade billig", sagt Dirk Harbecke, Vorstandschef der zur Frankfurter Altira-Gruppe gehörenden Private-Equity-Gesellschaft ADC African Development Corporation.

Nicht nur die politischen Schwächen, sondern auch der riesige Nachholbedarf bei der Schaffung marktwirtschaftlicher Grundordnungen sowie beim Aufbau einer funktionierenden Finanzmarkt-Infrastruktur lässt viele Investoren zurückschrecken. Und dies, obwohl in den vergangenen Jahren sowohl zahlreiche neue Aktienbörsen als auch Terminbörsen in Afrika entstanden sind. "Die meisten Kapitalmärkte der Region sind noch immer unterentwickelt", so Harbecke. Anleger werden neben diesen Risiken in Afrika auch mit anderen Gefahren konfrontiert. So mangelt es weiterhin an Transparenz und an verlässlichen Informationen. Neben den unzähligen politischen Risiken, die immer wieder in regionalen Kriegen münden, sollte auch das Währungsrisiko nicht unterschätzt werden.

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