Hohe Umsätze an der Börse
Zertifikate: Das riskante Spiel mit dem Hebel

Am einarmigen Banditen ist das Spiel mit dem Hebel reine Glückssache. An den Aktienmärkten dagegen ist die Spekulation mit Hebelzertifikaten meist rationales Kalkül. Vor allem Börsenexperten wie Daytrader und Charttechniker nutzen die seit 2001 am deutschen Markt gehandelten Papiere.

FRANKFURT. Sie setzen mit ihnen kurzfristig und mit hoher Hebelwirkung auf steigende oder fallende Kurse - etwa bei Aktien, Anleihen, Rohstoffen oder Währungen. Die Wette mit Hebelzertifikaten verlangt allerdings viel Erfahrung und Risikobereitschaft. Investoren müssen täglich mit Verlusten rechnen. Und die Papiere lohnen nur in Marktphasen mit eindeutigen Kurstrends. Für Seitwärtsmärkte sind Hebelzertifikate nicht geeignet.

Was Hebelzertifikate bei Investoren beliebt macht, ist, dass sie im Vergleich zu anderen spekulativen Produkten vergleichsweise einfach funktionieren. Die Papiere - die auch Turbos und Mini-Futures genannt werden - bieten die Partizipation an der Kursentwicklung eines Basiswertes und darüber hinaus einen zusätzlichen Hebel. Der Hebeleffekt kommt dadurch zustande, dass die Zertifikate immer nur einen Bruchteil des eigentlichen Basiswerts kosten. Entscheidend dafür ist das Bezugsverhältnis.

"Die Anleger ziehen Turbos und Mini-Futures eindeutig den Optionsscheinen vor", sagt Grégoire Toublanc von der BNP Paribas. Denn im Vergleich zu klassischen Optionsscheinen können sie das Rendite-Risiko-Profil von Hebelzertifikaten leichter bestimmen. "Für viele Anleger ist die Preisberechnung mit Volatilitäts- und Zinseinfluss zu kompliziert", sagt der Derivateexperte. Für den Wert von Hebelzertifikaten ist nur die künftige Kursentwicklung des Basiswertes wichtig. Etwaige Kursschwankungen spielen für die Auszahlung keine Rolle.

Im Vergleich zu anderen Derivaten stecken Anleger zwar vergleichsweise wenig Geld in Hebelzertifikate. Der Deutsche Derivate Verband (DDV) weist für alle Hebelprodukte lediglich einen Marktanteil von einem Prozent aus. Insgesamt seien in Deutschland per Ende Mai rund 77 Mrd. Euro in Derivaten investiert; davon 750 Mio. Euro in Hebelprodukten. Doch der tägliche Börsenumsatz mit den Hebelprodukten ist weit größer als deren Anteil am Anlagevolumen. Das liegt daran, dass die Papiere zwar nicht lange gehalten, aber umso öfter börslich gehandelt werden. So liegt der Umsatzanteil von Turbos und Mini-Futures an den deutschen Börsen bei rund 45 Prozent. Fast die Hälfte aller Derivate-Transaktionen in Deutschland entfällt also auf die Hebelprodukte.

"Die Anleger handeln mehr Hebelzertifikate als alle anderen Derivatearten, dafür aber mit einem geringeren Volumen", bestätigt ein Sprecher von Scoach, der Frankfurter Derivatebörse. Bei den meisten Zertifikaten müssen Anleger auf das Emittentenrisiko achten. Damit ist die Gefahr gemeint, dass die Papiere durch eine Pleite des Emittenten - also der Bank, die das Zertifikat ausgibt -, wertlos werden. Beim Handel mit Hebelzertifikaten spielt dieses Risiko kaum eine Rolle, weil die Papiere nur kurz gehalten werden. Mit anderen Worten: Kauft ein Anleger morgens ein Hebelzertifikat und verkauft es abends wieder, ist es unwahrscheinlich, dass die Bank ausgerechnet an dem Tag Pleite geht.

Seite 1:

Zertifikate: Das riskante Spiel mit dem Hebel

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%