Indexzertifikate
Einfach den Index nachbilden

Indexzertifikate sind die älteste Form der Strukturierten Zertifikate und wurden im Jahr 1989 von der Dresdner Bank erstmalig emittiert. Inzwischen sind Indexzertifikate im Produktangebot fast jedes Emittenten zu finden.
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Im Vergleich zu anderen Zertifikatearten ist die Funktionsweise von Indexzertifikaten, auch als Delta-1- oder Tracker-Zertifikate bezeichnet, denkbar einfach. Sie bieten dem Inhaber eine preiswerte und unkomplizierte Möglichkeit, an der Entwicklung eines bestimmten Börsenbarometers zu partizipieren. Dabei sind nicht mehr Produkte auf Standardindizes wie Dax oder Euro Stoxx 50, sondern auch auf eigens von Emittenten entwickelte Indizes zu finden.

Anleger profitieren mithilfe von Indexzertifikaten direkt von der Wertentwicklung eines zugrunde liegenden Index. Kursgewinne des Zertifikats sind auf die Entwicklung des Index begrenzt sind und die Partizipation bei einer negativen Indexentwicklung nicht durch eine Absicherung oder Kapitalgarantien verringert werden kann. Gleichzeitig ist die Preisfeststellung einfach und transparent und kann vom Anleger mit einem Blick auf den Indexstand jederzeit nachvollzogen werden. Durch den fortlaufenden Börsenhandel sind Indexzertifikate sehr liquide Anlagen.

Sollte der zugrundliegende Index nicht in Euro notieren, können sich Anleger gegen ein solches Fremdwährungsrisiko mit dem Kauf sogenannter Quanto-Zertifikate schützen. Diese sorgen dafür, dass der Punktestand des Referenzindex eins zu eins in Euro umgerechnet wird. Die Kosten dieser Währungsabsicherung sind unterschiedlich und werden in der Regel über eine Absicherungs- oder Managementgebühr im Zertifikat abgebildet.

Entscheidende Rolle bei diesen Absicherungskosten spielt der Zinsunterschied zwischen den Währungszonen. Ist das Zinsniveau der Indexwährung höher als das Zinsniveau in der Eurozone, entstehen effektive Kosten für die Währungssicherung. Ist das Zinsniveau niedriger als in der Eurozone entstehen keine Kosten durch die Währungsabsicherung. In der Folge sollte ein solches Indexzertifikat auch keine weiteren Kosten enthalten. Vielmehr müssten Emittenten hier sogar zusätzliche Absicherungsgewinne im Zertifikat widerspiegeln, was aber in der Praxis meist nicht geschieht. In der Regel enthalten die Bedingungen solcher Quanto-Indexzertifikate eine variable Absicherungsgebühr, die an sich verändernde Zinsniveaus angepasst werden kann.

Das Bezugsverhältnis drückt die Höhe der Partizipation an der Indexentwicklung aus. Es gibt an, wie viele Zertifikate das jeweilige Kursbarometer widerspiegeln bzw. mit welchem Bruchteil ein Zertifikat den Basiswert abbildet. Gängige Bezugsverhältnisse sind 1 :1, 10 :1 und 100 :1 oder, je nach Darstellung, 1 :10 und 1 :100. Bei einem Dax-Stand von 10.000 Punkten kostet ein Indexzertifikat 10.000 Euro, wenn das Bezugsverhältnis 1 :1 ist. Bei einem Bezugsverhältnis von 10 :1 beziehungsweise 1:10 kostet es 1000 Euro, und bei einem Bezugsverhältnis von 100 : 1 beziehungsweise 1 : 100 kostet es 100 Euro. Steigt der Dax um 1.000 Punkte, kosten die Zertifikate, je nach Bezugsverhältnis, 10.000 Euro, 1000 Euro oder 100 Euro.

Während die ersten Zertifikate noch eine feste Laufzeitbegrenzung und teilweise eine Option des Emittenten auf Laufzeitverlängerung hatten, hat sich in den letzten Jahren die Variante ohne Laufzeitbegrenzung, sogenannte OpenEnd-Zertifikate, durchgesetzt. Im Fall dieser Open-End-Zertifikate stehen sowohl Inhaber als auch Emittent ein Kündigungs- bzw. Rückgaberecht zu. Endet die Laufzeit eines Indexzertifikats oder wird es durch den Emittenten gekündigt, wird am Fälligkeitstag der dann gültige Indexstand unter Berücksichtigung des Bezugsverhältnisses zurückgezahlt. Es erfolgt also ein Barausgleich und keine Lieferung von anderen Wertpapieren.

Indexzertifikaten haben sich aufgrund ihrer transparenten Berechnung bei Anlegern etabliert. Da Dividendenerträge einen großen Teil des langfristigen Vermögenszuwachses ausmachen, sollten Zertifikate auf Performanceindizes (Total-ReturnIndizes) bevorzugt werden, da diese die von den im Index enthaltenen Aktien ausgeschütteten Dividenden wieder in den Index reinvestieren.

Bei Indexzertifikaten handelt es sich, im Vergleich zu gemanagten Investmentfonds, um eine passive Anlage. Bei schlechten Kursaussichten für den zugrunde liegenden Index sollte deshalb das Zertifikat in eine neue, aussichtsreichere Anlage getauscht werden.

Jürgen Röder
Jürgen Röder
Handelsblatt / Redakteur Finanzzeitung

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