Indexzertifikate gegen Exchange Traded Funds
Ungleiche Zwillinge für passive Strategien

Passive Anlageformen erfreuen sich bei Investoren wachsender Beliebtheit. Für Anleger, die indexorientierte Anlagestrategien umsetzen möchten, bieten sich Indexzertifikate und Exchange Traded Funds (ETFs) an. Doch wer die Wahl hat, hat die Qual und daher lohnt es sich, einen Blick auf die Unterschiede in der Ausgestaltung der ungleichen Zwillinge zu werfen.

ETFs der Indexchange Investment AG werden als einzige ETFs nach § 8 c Abs. 3 des Gesetzes über Kapitalanlagegesellschaften (KAGG) aufgelegt. Das erlaubt ihnen eine exakte Abbildung der Indexstruktur. Der zugrunde liegende Index kann ganzheitlich und ausschießlich durch Originalaktien repliziert werden. Die Höhe der prozentualen Gewichtung von Einzeltiteln spielt keine Rolle. Die genaue Indexabbildung ist eines der entscheidenden Qualitätsmerkmale von ETFs. Klassische Indexfonds dagegen sind verpflichtet, bestimmte Investitionsgrenzen einzuhalten. So darf beispielsweise eine Aktie einen 10 %-Anteil am Fondsvermögen nicht überschreiten. Dies führt immer wieder zu einer deutlichen Abweichung der Wertentwicklung von der Indexperformance.

Investoren können dieses Problem mit dem Kauf von Indexzertifikaten oder ETFs umgehen, denn diese Produkte bilden einen Index exakt ab. Indexzertifikate unterliegen in der Art der Indexabbildung keinen Reglementarien. Um eine exakte Abbildung des Aktienindex zu gewährleisten, erfolgt die Absicherung hier in Form von Direktinvestments oder Futures in die im Index enthaltenen Aktien.

Indexzertifikate beziehen sich zwar in den meisten Fällen auf Aktienindizes, sind aber vom Grundsatz her von Emissionsbanken begebene Anleihen, genauer gesagt Inhaberschuldverschreibungen. Anleger erwerben einen Zahlungsanspruch gegenüber der emittierenden Bank auf Rückzahlung eines bestimmten Geldbetrages, der von der Entwicklung eines zu Grunde liegenden Index abhängt. Zertifikate verbriefen keine Eigentumsrechte an den im Index enthaltenen Unternehmen. Der Verbriefung des Zertifikats in Form einer Inhaberschuldverschreibung ist jedoch inhärent, dass eine Rückzahlung an die Zahlungsfähigkeit des Emittenten gekoppelt ist.

Da ETFs von Rechtswegen als Fonds einzuordnen sind, profitieren sie von den gesetzlichen Regelungen zugunsten des Anlegerschutzes. Das Aktienportfolio wird als Sondervermögen getrennt vom Gesellschaftsvermögen verwaltet. Für Investoren besteht somit kein Emittenten-Risiko.

Ebenfalls fondstypisch ist die unbeschränkte Laufzeit von ETFs. Langfristig orientierte Anleger können sich so Transaktionskosten sparen, die bei laufzeitbegrenzten Produkten bei einer Wiederanlage zum Laufzeiteinde anfallen würden. Während die ersten Indexzertifikate noch diese Laufzeitkomponente aufwiesen, werden mittlerweile fast ausschliesslich "Open End"-Zertifikate emittiert. Alle Open End Zertifikate müssen aus bilanziellen Gesichtspunkten eine Kündigungsmöglichkeit seitens des Emittenten aufweisen.

Das Ziel ist, einen Index möglichst exakt abzubilden, während die Zusammensetzung aktiv gemanagter Fonds nur selten veröffentlicht wird. Dieser wird während der Börsenhandelszeit indikativ aus den Börsenkursen der Einzelwerte berechnet und veröffentlicht. Investoren können somit den tatsächlichen Wert eines Anteils mit den aktuellen Kursstellungen eines ETF an der Börse vergleichen.

Exchange Traded Funds und Indexzertifikate stehen in keinem Widerspruch zueinander. Aufgrund ihrer Konstruktion und Rechtsform sind sie in vielen Merkmalen unterschiedlich, mal mehr, mal weniger offensichtlich. In der Summe schenken sich Indexzertifikate und Exchange Traded Funds im direkten Vergleich nicht viel. Eine Bewertung des einzelnen Produktes ist deshalb unerlässlich.

Susann Cudok, Equity Linked Sales Germany / Austria, Bayerische Hypo- und Vereinsbank AG.

Quelle: Handelsblatt Nr. 108 vom 06.06.03

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