Inflation
Wie Anleger der Geldentwertung trotzen

Die Risiken für Inflation steigen. Viele Finanzpapiere sollen den Kunden vor der Geldentwertung schützen. Doch häufig trügt das Verkaufsargument. Was Anleger zur drohenden Inflation wissen sollten.
  • 10

DüsseldorfDie Gelddruckmaschinen laufen auf Hochtouren, die Inflationsgefahr nimmt zu – seit der Italiener Mario Draghi den Franzosen Jean-Claude Trichet als Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) abgelöst hat nicht nur in Übersee, sondern auch hierzulande. Die Staatsschuldenkrise zwingt die Notenbanker, Unsummen billigen Geldes in den Markt zu pumpen. Anders als sein amerikanischer Amtskollege Ben Bernanke lehnt Draghi es zwar ab, Staatsanleihen aufzukaufen. Durch die Hintertür hat er aber mehr oder weniger dasselbe erreicht.

Auf die Ankündigung, man werde unbegrenzt Kredite an private Banken vergeben und als Sicherheit europäische Staatsanleihen akzeptieren, folgten Taten: Im Dezember und Februar hat die EZB den Geschäftsbanken extrem billiges Geld für bis zu drei Jahre angeboten. Die Institute liehen sich insgesamt gut eine Billion Euro – und investierten es in Staatstitel. Zusätzlich zu dieser Geldflut liegt der Leitzins auf dem Rekordtief von einem Prozent. Experten sind davon überzeugt, dass das über kurz oder lang zu steigenden Preisen führen wird.

Schon jetzt verharrt die Inflationsrate seit fast anderthalb Jahren über dem Zielwert der EZB von knapp zwei Prozent: Im März lag die Teuerung nach Angaben der europäische Statistikbehörde Eurostat bei 2,7 Prozent. Und das dürfte nach Ansicht von Experten erst der Anfang sein.

So warnte der Chefvolkswirt der Dekabank, Ulrich Kater, in einem Interview mit dem Handelsblatt davor, dass die Inflationsrate auf absehbare Zeit Risiken nach oben ausgesetzt sei. „Preissteigerungen von bis zu vier Prozent werden bei uns die Regel sein.“ Sein Kollege Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, stimmt dem zu: Die Inflation sei nur deshalb noch nicht weiter gestiegen, weil sie im Euro-Raum von hoher Arbeitslosigkeit in Schach gehalten werde. „Aber wenn die Staatsschuldenkrise irgendwann ausgeschwitzt ist und die Arbeitslosigkeit nicht nur in Deutschland, sondern auch im Rest des Euro- Raums fällt, wird die Inflation anziehen", so Krämer. Drei bis vier Prozent seien realistisch.

Alarmiert sind auch die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute: In ihrem Frühjahrsgutachten für die Bundesregierung warnen sie davor, dass die EZB mit dem Öffnen der Geldschleusen bei der Inflationsbekämpfung in die Bredouille kommen könnte – mit negativen Folgen für die Preisstabilität.

Kommentare zu " Inflation: Wie Anleger der Geldentwertung trotzen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • deutsche post kaufen

  • Eine Unze Gold hat vor ein paar Jahren 87 Milliarden Reichsmark gekostet und wird in ein paar Jahren 87 Milliarden Euro kosten falls es den Euro dann noch geben sollte. Es ist aber nicht das Gold was im Wert steigt. Es ist der Euro der seine Kaufkraft verliert! Wer das weiß der kann auch noch in der Eurokrise und der bald kommenden Euro-Hyperinflation Nachts sehr gut schlafen.

  • Der Euro wird weiterhin existieren - dem Namen nach! Ansonsten ist's billiges Spielgeld. Sicherheit? Eigenes Haus, eigener Garten, der groß genug ist um Gemüse und Kartoffeln anbauen zu können, Edelmetalle im Tresor anstatt Euros auf den Nullzinskonto.
    Absichern geht schon, Mann muss es auch durchführen!
    Wer klug denkt, der spart sich den teuren Urlaub ein, verbringt in diesem Jahr die freien Tage auf Balkonien und legt das gesparte Geld in ein paar Unzen Gold an.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%