Inflationszertifikate
Banken sorgen für Inflation vor

Bereits vor einem Jahr zählten Inflationszertifikate zu Lieblingsprodukten der Anleger. Diese Derivate sollten Anlegern im Falle steigender Preise höhere Nominalrenditen bringen. Doch von steigenden Preisen keine Spur. Nun bringen die Emittenten neue Produkte mit Schutz gegen Geldentwertung auf den Markt.

Die jährliche Teuerungsrate im Eurogebiet ist im Juni erstmals seit Euro-Einführung unter Null gefallen. Dennoch haben sich Inflationszertifikate achtbar geschlagen. Viele Inflationszertifikate sind mit einer Kapitalgarantie ausgestattet. Daneben können Anleger oftmals von jährlichen Ausschüttungen profitieren, die zumeist im ersten Laufzeitjahr fest sind und danach von der Entwicklung des Inflationsindex abhängen

Eine neue Variante bringt die BNP Paribas mit ihrer "Inflation und Öl-Anleihe" auf den Markt (WKN BN3QBN). Garantiert ist im ersten Jahr ein Kupon in Höhe von sieben Prozent, die restlichen Zahlungen einschließlich der Rückzahlung zum Laufzeitende hängen vom Ölpreis ab. Im zweiten bis fünften Jahr gibt es einen jährlichen Kupon von vier Prozent plus der jährlichen Inflationsrate, falls der Ölpreis (US-Sorte WTI) 60 Prozent auf oder über seines Startwertes notiert. Die 60 Prozent-Barriere bestimmt auch die Rückzahlung des Nennwertes nach fünf Jahren. Falls Öl über der Barriere notiert, fließen das investierte Geld komplett zurück. Im anderen Falle orientiert sich die Rückzahlung nach der tatsächlichen Wertentwicklung des Öls.

"Wenn der Ölpreis anzieht, kann das durchaus zu einer steigenden Inflation führen wie zum Beispiel 2008", sagt Christine Dillinger, Zertifikateexpertin bei der BNP Paribas. Anleger können dieses Produkt auch als ein "indirektes" Investment auf einen steigenden Ölpreis ansehen. Schließlich sind Öl-Indexproduke mit Terminkontrakten als Basiswert keine gute Wahl, weil aktuell die langfristigen Kontrakte aufgrund der Markterwartungen teuer sind.

Die hohe Volatilität am Ölmarkt ermöglicht den hohen Zinssatz von sieben Prozent, der verhindern dürfte, dass der Kurs anfangs deutlich unter den Nennwert fällt.

Schlecht für das Produkt der BNP Paribas wäre Deflation. Denn diese Rate der fallenden Preise wird von dem jährlichen Zins in Höhe von vier Prozent abgezogen - bis hin zum kompletten Ausfall des jährlichen Zinses. Und auch der Ölpreis dürfte durch deflationäre Tendenzen fallen.

Anders geht die Citigroup mit Ihrer "2 x Inflationsanleihe" (WKN A1AH12) , die im ersten Jahr einen Zins in Höhe von vier Prozent bietet, danach drei weitere Jahre den Inflationsindex mit Faktor zwei hebelt. Wer eine kürzere Laufzeit bevorzugt, kann sich auch den Index mit dem Faktor drei hebeln lassen (WKN A0QZFK). Anleger sollten die Citi-Bonität berücksichtigen. Mit einem Credit Default Swaps (CDS) von aktuell rund 385 wird die Bank derzeit mit dem höchsten Ausfallrisiko bewertet.

Basiswert für fast alle Inflationszertifikate ist der harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) der EU-Statistikbehörde Eurostat, der einmal monatlich die Entwicklung der Konsumentenpreise in den 15 Mitgliedstaaten der Währungsunion misst. Tabakwaren werden außen vor gelassen.

Ob es tatsächlich zu einer hohen Inflationsrate kommt, ist nicht sicher. Es spielen viele Faktoren ein Rolle - auch das Verhalten von Politikern und Notenbanken. Das Inflationsrisiko ist aber gestiegen.

Jürgen Röder
Jürgen Röder
Handelsblatt / Redakteur Finanzzeitung
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