Inflationszertifikate
Das Geschäft mit der Inflation

Die Regierungen rund um den Globus greifen der Wirtschaft mit Billionenbeträgen unter die Arme. Deshalb wächst die Angst vor einer Hyper-Inflation. Die Zertifikate-Industrie verspricht Anlegern die entsprechenden Produkt-Lösungen, die sie vor der Geldentwertung schützen sollen.

DÜSSELDORF. Das Wort "Hyper-Inflation" geisterte im vergangenen Jahr durch die Medien. Die Anleger waren entsprechend alarmiert, und die Zertifikate-Industrie hat schnell reagiert. Flugs brachten einige Emittenten eine Reihe von Inflationszertifikaten auf den Markt. War das vielleicht etwas verfrüht? Fast scheint es so. Denn plötzlich ist allerorten von Deflation statt Inflation die Rede. Der US-Verbraucherpreisindex (CPI) sank im Juni 2009 gegenüber dem Vorjahr um 1,2 Prozent. Das war der stärkste Preisrückgang seit 1950. Und im Juli wurde zum ersten Mal seit Beginn der Berechnung des Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) für Deutschland eine negative Teuerungsrate ermittelt. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Preise für Konsumgüter wie Nahrung, Bekleidung und Energie im Durchschnitt um 0,7 Prozent gesunken - ebenso wie in den anderen großen Volkswirtschaften der Euro-Zone.

Nach Einschätzung von Sam Hill, Anleihenmanager bei Threadneedle, könnte auch in England eine Konjunkturphase beginnen, in der Deflation droht. "Wenn man dem letzten vierteljährlichen Inflationsbericht der Bank of England glauben darf, bleibt die Inflation in den kommenden zwei Jahren meist unter zwei Prozent", sagt Sam Hill. "Die Überschusskapazitäten in der Wirtschaft sind dabei das Zünglein an der Waage - wenn der Arbeitsmarkt instabil bleibt und der Wirtschaft auch künftig attraktive Finanzierungen fehlen, ist durchaus denkbar, dass die Inflation nicht wie erwartet steigt, sondern sinkt", so Hill.

Keiner wünscht sich Deflation

Hielte der Trend zu sinkenden Preisen in den kommenden Monaten an, wäre dies ein gefährlicher Zustand für die betroffenen Volkswirtschaften: Konsumenten wie Unternehmen könnten in Erwartung weiter sinkender Preise ihre Konsum- und Investitionspläne aufschieben und dadurch die Rezessionstendenzen verstärken - ein Teufelskreis. "Jedem Notenbanker ist eine Inflation deshalb lieber als eine Deflation", erklärt Jochen Fischer von Goldman Sachs.

Tatsächlich steuern Regierungen und Zentralbanken mit Konjunktur- und Stützungsmaßnahmen bislang erfolgreich Deflationstendenzen entgegen. Dass die Entwicklung auch aus dem Ruder laufen könnte, wird dabei allerdings in Kauf genommen: "Bei all dem Geld, das in den vergangenen Monaten in die Märkte gepumpt worden ist, wird uns vor allem die Frage beschäftigen: Wie kriegen wir die Zahnpasta zurück in die Tube? Gelingt es den Zentralbanken, die Liquidität wieder aus dem Markt zu nehmen?" fragte kürzlich Bundesfinanzminister Peer Steinbrück.

Als Basiswert aller drei Produkte dient der HICP ex Tobacco. Dieser vom europäischen Statistikamt Eurostat berechnete Index misst den Preisanstieg für einen definierten Waren- und Dienstleistungskorb in der Euro-Zone. Tabakprodukte sind dabei ausgenommen, da ihr Preis in den verschiedenen Ländern zu stark von Steuern beeinflusst wird.

Das Citi-Zertifikat schüttet im ersten Jahr einen Kupon von sechs Prozent aus. Danach wird die jeweilige europäische Inflationsrate mit dem Faktor Drei multipliziert und als Zinskupon ausgezahlt. Bei einem Anstieg des Inflations-Index im Folgejahr nach der ersten Ausschüttung um zwei Prozent, würden sechs Prozent ausgezahlt.

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