Interview
„Da brach alles zusammen“

Poker-Experte Michael Keiner war in nur sechs Monaten pleite. Er hat viel Geld an der Börse verzockt und rät nun zur Vorsicht bei Spekulationen.
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Handelsblatt: Herr Keiner, Sie sind ein richtig bunter Hund…

Keiner: Ich habe schon viele Dinge gemacht in meinem Leben.

Handelsblatt: Die wichtigsten Lebensthemen waren wohl Sport und Geld…

Keiner: Ich habe 1997 praktisch aus dem Stand die Europameisterschaft im Poker (Potlimit 7-Card Stud) gewonnen. Seitdem habe ich an vielen Turnieren teilgenommen und auch eine ganze Reihe von Siegen mitgenommen, zum Beispiel die Weltmeisterschaft 7-Card Stud 2007 in Las Vegas.

Handelsblatt: Das war Ihnen ja nicht in die Wiege gelegt…

Keiner: Kann man nicht sagen. Ich habe nach der Schule eine Offiziersausbildung bei der Bundeswehr gemacht. Aber dann reizte mich das Medizinstudium.

Handelsblatt: Woher kam die Verbindung zum Geld?
Keiner: Anfang der achtziger Jahre habe ich bei Hoechst meine Doktorarbeit vorbereitet. Es ging um Nuklearmedizin, um das carcinoembryonale Antigen, ein spezielles Protein zur Tumorerkennung. Dabei musste ich 1200 Krebspatienten der Uni Gießen testen. Auswertungen waren damals noch viel aufwendiger als heute. Es gab keine Computer. Eine Fax-Übermittleung dauerte zehn Minuten und war enorm teuer.

Handelsblatt: Und die Verbindung zur Börse?

Keiner: Ich verwendete damals spezielle statistische Methoden. Ich fragte mich: Kann man das auch für Aktien verwenden? Sogenannte Korrelationen spielten in meinen Tests eine Rolle. Es ging also darum, ob man nicht auch Abhängigkeiten zwischen Kursentwicklungen von Aktien entdecken und daraus Gewinne machen könnte.

Handelsblatt: Und es hat geklappt?

Keiner: Ja, und es lief so gut, dass ich zeitweise die größte private Vermögensverwaltung für japanische Anlagen besaß. Wir haben alles mit japanischen Optionsscheinen gemacht. Ich habe ein Fax und einen Computer gekauft, ließ mir jeden Morgen die Kurse aus Tokio schicken. Eine Studentin gab die Kurse ins System ein. Ich hatte extra ein Programm für die Auswertung in Basic geschrieben – das war zu den Zeiten eine Revolution. Nach den Ergebnissen kaufte ich die Scheine.

Handelsblatt: Das war dann wohl in den Boom-Zeiten?

Keiner: Es war in der Blüte der Japan-Hausse Ende der achtziger Jahre. In der Spitze besaß ich 64 Millionen Dollar. Aber es waren ganz heiße Geschäfte. Die Optionsscheine hatten Hebel von bis zu 300. Manche Scheine verdoppelten sich in einer oder in zwei Wochen. Ich erinnere mich zum Beispiel an den Schein von Hanwa: Der stieg von 400 auf 40000 D-Mark.

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