Investitionen in die Finanzbranche
Bankentitel sind derzeit (k)eine sichere Bank

Nach dem Crash ist vor der Hausse: Die Finanzbranche könnte dank staatlicher Subventionen weltweit die erste Branche sein, die wieder nachhaltig schwarze Zahlen schreibt. Andererseits weiß niemand genau, welche Leichen sich noch in den Bankenkellern verbergen. Ob Worst-Case-Szenario oder Aufwärtstrend - je nach Stimmungsbild können Anleger das passende Zertifikat kaufen.

Kurz nach Ostern überraschten die angeschlagenen US-Banken Citigroup, Goldman Sachs, Morgan Stanley, JP Morgan Chase, Bank of America und Wells Fargo die weltweite Analystengemeinde mit außergewöhnlich positiven Meldungen. Goldman beispielsweise meldete einen Quartalsgewinn von 1,66 Milliarden US-Dollar. Das zweitgrößte amerikanische Geldhaus JP Morgan Chase verbuchte im ersten Quartal einen Nettogewinn von 2,14 Milliarden Dollar. Die Bank of America und Wells Fargo erwirtschafteten jeweils rund drei Milliarden Dollar. Andere US-Institute glänzten ebenfalls mit schwarzen Zahlen. Auch in Deutschland helllen sich die Mienen auf - zumindest teilweise. Kürzlich vermeldete die Deutsche Bank einen überraschend hohen Gewinn für das erste Quartal 2009 von 1,2 Milliarden Euro.

Europäischen Finanzinstitute können ebenfalls auf ein gelungenes erstes Quartal zurückblicken. "Das Emissionsgeschäft mit Unternehmensanleihen lief in den ersten drei Monaten dieses Jahres außergewöhnlich gut", sagt Guido Hoymann, Analyst beim Bankhaus Metzler. Grund für den Anleihen-Boom: "Auf Emittenten-Seite kamen zwei wichtige Faktoren zusammen. Zum einen mussten viele bereits bestehende Finanzierungen verlängert werden.

Zum anderen verschafften sich viele Unternehmen über die Börse dringend benötigte frische Liquidität, auch weil klassische Bankfinanzierungen schwieriger geworden sind", so Hoymann. Dazu kam die gestiegene Nachfrage auf der Anlegerseite. Unternehmensanleihen bieten derzeit deutlich höhere Renditen als Staatsanleihen - und scheinen fast genauso sicher. Wenn selbst marode Unternehmen wie Opel oder Arcandor plötzlich von Politikern als "systemrelevant" eingestuft und mit entsprechenden Hilfszusagen am Leben gehalten werden, schwindet die Angst, geliehenes Geld nicht wiederzusehen.

So griffen Investoren nicht nur bei Unternehmensanleihen in den vergangenen Monaten kräftig zu, sondern auch bei den Aktien der Finanzinstitute, die am Anleihen-Emissionsgeschäft verdienen. Der Branchenindex DJ Stoxx 600 Banks, in dem derzeit 55 europäische Bankentitel vertreten sind, hat von Anfang März bis Mitte April rund 60 Prozent an Wert zugelegt. Der Daxsector Banks Index verdoppelte sich sogar. Zum Vergleich: Der Dax schaffte im selben Zeitraum keine 22 Prozent Wertzuwachs.

Trickreiche Bank-Bilanzen

Droht den Bank-Aktien jetzt der Absturz? - Die Frage, ist, ob Banken-Aktien weiterhin überproportional an Wert gewinnen können. Das erfolgreiche Anfangsquartal wird sich in diesem Jahr wohl kaum in dieser Form fortschreiben lassen. "Der Liquiditätsbedarf ist nicht unbegrenzt. Schätzungsweise 45 Prozent des in diesem Jahr anstehenden Emissionsvolumens ist bereits in den ersten Monaten abgewickelt worden", rechnet Guido Hoymann vor.

Und die Bilanzen der US-Banken sind mit Vorsicht zu genießen. Denn dort konnten die Finanzinstitute aufgrund einer schlichten Formalität tricksen: Einige Banken wie beispielsweise Goldman Sachs oder Morgan Stanley haben ihre Bilanzierung zum Jahreswechsel dem Kalenderjahr angepasst. Das erste Abrechnungsquartal endet nun erstmals Ende März statt Ende Februar. Der Nebeneffekt: Der Dezember gehört weder zum Schluss-Vierteljahr 2008 noch zum ersten Dreimonatsabschnitt von 2009. So lassen sich Verluste wie in einer Art Zeitloch verstecken. Goldman Sachs beispielsweise meldete einen Dezember-Verlust von stattlichen 1,03 Milliarden US-Dollar. Ohne vergleichbare Kennzahlen aus der Vergangenheit lässt sich diese Nachricht jedoch nicht einordnen.

Auch die Quartalszahlen des US-Finanzinstituts Bank of America sehen nur auf den ersten Blick gut aus. Das Unternehmen hatte Anfang vergangener Woche zwar einen überraschend hohen Quartalsgewinn von 4,2 Milliarden US-Dollar gemeldet, dafür aber auch von "extrem schweren Herausforderungen" gesprochen. Die Kreditqualität habe sich in allen Geschäftsfeldern verschlechtert, erklärte das Institut. Das weltweite Kartengeschäft sei in die Verlustzone gerutscht und habe ein Minus von 1,8 Milliarden verursacht. Der Konzern stockte deshalb seine Vorsorge für Kreditausfälle um 6,4 Milliarden US-Dollar auf. Prompt rutschte der Aktienkurs ins Minus und riss auch die Kurse europäischer und deutscher Geldhäuser nach unten. Die Titel der Deutschen Bank verloren innerhalb weniger Stunden 8,6 Prozent an Wert, bei der Commerzbank waren es 7,8 Prozent.

Teures Short-Zertifikat

Die Reaktionen der Anleger machen deutlich, wie viel Unsicherheit noch im Markt ist. Niemand weiß, welche Leichen sich noch in den Bankenkellern verbergen und wie sich nach der Subprime- und der Interbanken-Krise nun die dritte Welle, nämlich die weltweite Schrumpfung der Realwirtschaft, auf die Banken auswirken wird. Gelingt es der Politik und den Zentralbanken nicht, das Ruder herumzureißen und die globale Wirtschaft von ihrem Rezessionskurs abzubringen, dann werden das auch die Banken verschärft zu spüren bekommen.

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