Investment-Idee
Auf den starken Euro setzen

DÜSSELDORF. Auf rund 1,50 Dollar könnte der Euro noch steigen, sagt Norbert Walter, der Chefvolkswirt der Deutschen Bank. Andere Experten sind vorsichtiger. Die Citigroup glaubt eher, dass die Währung wieder etwas schwächer – sie hat ja auch kurzfristig Rückschläge erlitten. Diese argumentiert allerdings bei ihrer Prognose rein charttechnisch. Volkswirtschaftlich spricht schon einiges dafür, dass der Aufwärtsdruck erhalten bleibt: Die USA verbrauchen mehr, als sie produzieren. Jahre lang haben internationale Anleger, vor allem aus Asien, die Differenz finanziert. Aber jetzt scheint die Bereitschaft dazu zu sinken: Das setzt den Dollar unter Abwertungsdruck. Hinzu kommt, dass der US-Regierung, auch wenn sie das nicht zugibt, ein schwächerer Dollar ganz recht ist.

Anleger können über Zertifikate direkt auf Währungsverschiebungen setzen. Es gibt eine Vielzahl von Produktvarianten. Ein Beispiel sind die „Mini-Futures“. Sie bilden Kursbewegungen des Euros gegenüber dem Dollar vergrößert – zum Beispiel mit zehnfachem Hebe – ab. Sollte der Kurs allerdings unter eine bestimmte Schwelle – die irgendwo zwischen 1,20 und 1,30 liegt, fallen, dann ist das Papier wertlos. Also eine schnelle, risikoreiche Nummer.

Einer dieser Scheine, von Goldman Sachs, mit einer relativ niedrigen Schwelle, ist unter der Isin D000GSOMRZ7 zu bestellen. Ganz ähnliche Produkte gibt es auch bei anderen Anbietern. Unter der WKN ABN2RF etwa ist ein „Mini/Long“ von ABN Amro auf den Euro-Dollar-Kurs zu kaufen (Long heißt, dass sich der Schein die gleiche Richtung wie der Basiswert bewegt). Es gibt eine Vielzahl ähnlicher Zertifikate, die sich vor allem durch die jeweilige unter Schwelle, aber der sie wertlos werden, unterscheiden. Wer es etwas solider liebt, kann aber auch indirekt über Aktien auf den starken Euro setzen. Der Vorteil hier: Wenn der Euro nicht noch weiter steigt, können bestimmte Unternehmen auch schon von dem heutigen höheren Niveau profitieren.

In den letzten Jahren hat die Bedeutung der Währungskurse für Aktien zwar abgenommen. Viele Konzerne sichern sich ab oder produzieren international vor Ort. Außerdem spielt sich ohnehin ein großer Teil des europäischen Handels im Euroraum ab. Hinzu kommt: Gegenüber osteuropäischen und lateinamerikanischen Währungen ist der Euro gar nicht gestiegen. Gewichtet man alle Währungskurs nach den Anteilen der jeweiligen Länder am Export, dann fällt die Steigerung nicht mehr dramatisch aus. Jedenfalls nicht so dramatisch, wie einige Politiker, vor allem der französische Präsident Nicolas Sarkozy, darüber reden.

Dennoch gibt es Branchen, auf die die der Kurs starken Einfluss hat. Der belgische Notenbankchef Guy Quaden nannte neulich die europäische Luftfahrtindustrie als Verliererin des starken Euros – er verwies aber darauf, dass manche Unternehmen auch profitieren. Fondsmanager Christoph Niesel von Union Investment sagt: „Die Flugzeugindustrie und die Halbleiterhersteller spüren den schwachen Dollar am deutlichsten“. Auf der anderen Seite betont er aber: „Dagegen profitieren vor allem die Hersteller von Textilien, die in Fernost produzieren - in Ländern, deren Währungen mit dem Dollar verknüpft sind.“

Flugzeugindustrie – das ist vor allem die EADS, deren Tochter Airbus zu den ganz großen Herstellern gehört. Auf ihrem Markt wird in Dollar gerechnet, die Kosten fallen aber vor allem in Euro an. Weil es um riesige Volumina und lange Laufzeiten geht, ist hier an eine Währungsabsicherung gar nicht zu denken. EADS hat allerdings auch intern so viele Probleme, dass der schwache Dollar dagegen gar nicht mehr so stark ins Gewicht fällt – die Aktie ist schon stark gefallen.

Interessanter ist der Blick auf die Gewinner. Beispiele sind zwei deutsche Perlen: Adidas (WKN 500340) und Puma (WKN 696960); wobei letzte gerade von dem französischen Konzern RPR übernommen wird, was für die Aktie im Moment die wichtigsten Impulse liefert. Ein drittes Beispiel wäre Hennes & Mauritz (WKN 872318) – bei den Schweden kommt für den Anleger freilich noch ein Währungsrisiko extra hinzu. Alle drei Unternehmen produzieren viel in Fernost und verkaufen viel in der Eurozone. So lange die chinesische Währung mehr oder minder an den Dollar geknüpft ist, ergibt sich so aus einem starken Euro-Dollar-Kurs rechnerisch ein Vorteil.

Ein Blick auf den Analystencheck von Handelsblatt.com, der über die Suchfunktion für jede einzelne Aktie erreicht werden kann, zeigt für Adidas sieben Kauf-Empfehlungen, zehn neutrale Einstufungen und keine Verkaufsempfehlung. Besser liegt Puma mit neunmal „Kauf“, siebenmal „neutral“ und kein „Verkauf“. Bei H&M sind es dreimal „Kauf“, fünfmal „neutral“ und einmal „Verkauf“. Anleger können auch über Zertifikate an Kurssteigerungen bei diesen Aktien teilnehmen und sie über „Zertifikate suchen“ bei Handelsblatt.com finden. Für Adidas gibt es zum Beispiel mit der WKN CB5JHV ein Discount-Zertifikat der Commerzbank mit einer Laufzeit bis Ende 2008, durch das sich auf einen leicht steigenden Trend setzen lässt. Bei Discount-Zertifikaten kauft der Anleger die Aktie billiger als im Original, nimmt aber auch nur begrenzt an Kurssteigerungen teil. Angesichts der wackeligen Börsensituation keine schlechte Idee.

Aus Sicht amerikanischer Anleger ist der starke Euro auch eine Chance. Konzerne wie Cola, Pepsi und Mac Donald's, die hohe Gewinnanteile in Euro erzielen, profitieren davon. Für europäische Anleger steht das Risiko dagegen, durch eine weitere Schwächung des Dollars zu verlieren. Wer aber glaubt, dass der Dollar auf seinem schwächeren Niveau verharrt, hat dieses Problem nicht. Ähnliches gilt für Anleger, die ohnehin grundsätzlich einen Teil des Vermögens in US-Aktien halten will: Für sie lohnt sich ein Blick auf die großen Konsumtitel, die auch in Europa viel verkaufen.

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