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Der Bevölkerungswandel gilt nicht nur aus poltitischer, sondern auch aus Sicht des Finanzmarktes als sogenannter Megatrend. Privatanleger sollen davon profitieren können – wie, das will nach der Westdeutschen Landesbank nun auch das US-Institut Bear Stearns für den Anleger herausgefunden haben.Die tägliche Investmentidee auf Handelsblatt.com.

DÜSSELDORF. Die Daten des Statistischen Bundesamtes scheinen beängstigend: Im Jahre 2030 wird jeder Dritte Deutsche älter sein als 60 Jahre. In Zeitungen ist von „Zeitenwende“, „demographischer Zeitbombe“ oder „Vergreisung“ zu lesen. Ncht viel besser sehen die Prognosen der Statistiker für die USA aus . Eine perfekte Vorlage für die Strategieabteilungen der Banken und Fondsgesellschaften. Von dort ist zu hören, dass der demographische Wandel trotz aller Probleme für die Industrienationen durchaus seine guten Seiten haben wird. Der „kluge“ Anleger solle gar von diesem „Megatrend“ profitieren können – schon heute.

Die Idee ist denkbar simpel: Man investiere sein Geld in Unternehmen, deren Produkte perfekt auf die neue Kundengruppe abgestimmt sind. In Firmen etwa, die ihr Geld mit Anti-Aging-Cremes, Kreuzfahrten oder dem Verkauf von Hörgeräten verdienen. Vorausgesetzt wird, dass die betagten Kunden von morgen auch gut betuchte Kunden sind. Sie sparen ihr Geld nicht, sondern geben es größtenteils für die Freuden des Lebens aus – soweit die Theorie. Aber wie könnte ein sinnvolles Investment für den Anleger von heute aussehen?

Die Westdeutsche Landesbank ist mit ihrem Golden-Age-Active-Basket-Zertifikat (WKN: WLB5CL) auf dem deutschen Markt vor anderthalb Jahren vorgeprescht. Das Zertifikat bildet über einen Aktienkorb zehn internationale Unternehmen aus den verschiedensten Branchen ab, die aufgrund ihrer Produkte von einer wachsenden Zahl Senioren profitieren dürften. Im Korb liegen etwa Papiere der US-amerikanischen Kreuzfahrtreederei Royal Caribbean Cruises oder des belgischen Verlagshauses Roularta. Letzteres verdient seine Brötchen unter anderem mit Zeitschriften für ältere Herrschaften. Aus dem Hause Roularta erscheint in Deutschland die Monatszeitschrift „Lenz“ für Senioren.

Die Zusammenstellung des Baskets wird halbjährlich überprüft. Den Anleger kostet dieser Service eine Gebühr von jährlich 1 Prozent abzüglich drei Viertel der jährlichen Dividendenausschüttung der Einzelwerte. Ist die Dividendenrendite größer als 1 Prozent, wird der Rest den Zertifikaten gutgeschrieben. Der Anleger nimmt eins zu eins an der Entwicklung des Baskets teil. Als Schönheitsfehler könnte sich jedoch die Laufzeit der Papiere bis 2014 erweisen. Die „demographische Zeitenwende“, wie der Bevölkerungswissenschaftler Herwig Birg die Vergreisung bezeichnet, wird erst in gut 20 Jahren voll durchschlagen. Seit Laufzeitbeginn hat das Zertifikat rund 18 Prozent verloren.

Bear Stearns legt nun ein Golden-Age-Active-Basket-Zertifikat (WKN: BS0323), das noch bis zum 7. Dezember gezeichnet werden kann, auf. Das Laufzeitende der Papiere ist auf den 17.12.2012 terminiert. Damit gilt wie für das Zertifikat der Westdeutschen Landesbank: Ob sich der Bevölkerungswandel bis zu diesem relativ nahe liegenden Zeitpunkt tatsächlich nachhaltig wirtschaftlich für im Basket liegenden Unternehmen auswirken wird, ist fraglich.

Bear Stearns legt den Anlageschwerpunkt eindeutig auf Unternehmen aus den USA, 15 von insgesamt 20 Werten stammen von dort. Der Nachteil dabei: Das Zertifikat ist sehr stark von der Entwicklung an der Wall Street abhängig. Zudem wird der Aktienkorb während der Laufzeit nicht angepasst, was das Klumpenrisiko eindeutig erhöht. Dafür ist das Zertifikat aber mit Währungssicherung und Kapitalgarantie ausgestattet. Der Anleger bezahlt dies mit einem Aufgeld von zwei Prozent und bei der Berechnung der Zertifikate-Performance. Diese wird an zehn Beobachtungstagen als Durchschnitt ermittelt.

Christian Panster
Christian Panster
Handelsblatt Online / Ressortleiter Finanzen
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