Investmentidee des Tages
Die Ungeliebten

Doppelte Kursgewinne bei vergleichsweise geringem Risiko – was nach einer Mär aus einem dubiosen Anlegerkettenbrief klingt, gibt es wirklich. Nur ist besagtes Anlageinstrument bei den Anlegern in Ungnade gefallen. Dabei wäre es bei der derzeitigen Marktlage eine gute Anlagealternative. Die tägliche Investmentidee auf Handelsblatt.com.

DÜSSELDORF. Sprintzertifikate waren einst Anlegers Liebling. Doch das hat sich geändert. Im Moment gibt es lediglich 900 von ihnen auf dem Markt. Zum Vergleich: Wer sein Geld in Bonuszertifikate investieren möchte, kann unter knapp 26 000 wählen; bei Discountern ist das Angebot noch deutlich größer. Laut der aktuellen Monatsstatistik des Deutschen Derivate-Instituts (DDI) machte der Umsatz mit Sprintzertifikaten lediglich zwei Prozent des gesamten Derivatevolumens aus.

Dabei bieten die Sprinter Anlegern eine doppelte Kurschance – und funktionieren zudem relativ einfach. Die Emittentin legt eine Kursspanne fest, innerhalb der Investoren doppelt verdienen. Beispiel: Die X-Bank bringt Sprinzertifikate auf den Markt; Basiswert – auch Underlying genannt – ist die Y-Aktie, deren Basispreis 100 Euro beträgt. Als Cap (Gewinnobergrenze) legt die X-Bank 120 Euro fest. Kurssteigerungen innerhalb der Spanne zwischen Basiswert und Cap werden doppelt vergütet. Notiert die Y-Aktie am Laufzeitende des Zertifikats bei 110 Euro, kassiert der Anleger nicht zehn-, sondern zwanzig Euro.

Das Gute daran: Das Verdopplungsprinzip gilt nur bei Kurssteigerungen. Sollte die Y-Aktie an Wert verlieren, wird der Zertifikateinhaber dem Aktionär gleichgestellt und erhält gemäß dem Bezugsverhältnis Y-Aktien. Als Trost kann er auf diesem Weg zumindest die Dividende einstreichen. Der Nachteil bei Sprintern: Bei einem sehr starken Kursanstieg über den Cap hinaus verdient der Aktionär mehr als der Zertifikateinhaber.

Das sollten Anleger mit Blick auf die derzeitige Situation am Aktienmarkt aber verschmerzen können. Allzu große Kussprünge trauen Experten dem Dax auf kurze Sicht nicht zu, wohl aber moderate Zugewinne. Und bei einem solchen Szenario eignen sich die Sprinter als sinnvolle Anlagealternative – bei kleineren Kursgewinnen, doppelt kassieren.

Dass die Wertpapiere auch in mäßigen Börsenzeiten geeignet sind, hängt mit ihrer Konstruktion zusammen. Wie bei anderen Zertifikaten auch weicht der Kursverlauf bei Sprintern während der Laufzeit zum Teil deutlich vom Auszahlungsprofil am Fälligkeitstag ab. Die im Zertifikat eingebauten Optionen entfalten ihre Wirkung erst gegen Ende der Laufzeit.

Anleger sollten bei der Auswahl der Sprinter darauf achten, dass der Kaufpreis des Zertifikats in etwa dem Kurs des Basiswertes entspricht. So ist sichergestellt, dass die Risiken nicht höher ausfallen als beim Basiswert selbst. Die Commerzbank etwa bietet ein Sprinzertifikat auf die BMW-Aktie an (WKN:CB5YQJ). Auf dem Markt wurde das Papier am 12. Juni gebracht zu 46 Euro; der Basiswert liegt bei 48 Euro, der Cap bei 58 Euro; fällig wird der Sprinter am 18. Juni 2009.

Christian Panster
Christian Panster
Handelsblatt Online / Ressortleiter Finanzen
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