Investmentidee des Tages
Spekulative Chancen bei Biotech-Discountern

Der drastische Kursverfall bei der Aktie des Biotech-Unternehmens GPC Biotech hat bei den Analysten Wirkung gezeigt. Die Kurziele wurden heruntergestuft, liegen aber noch deutlich über dem derzeitigen Kurs. Aktuell bieten defensive Discountzertifikate attraktive Konditionen. Die tägliche – heute sehr spekulative – Investmentidee auf Handelsblatt.com.

DÜSSELDORF. Um 40 Prozent brach am gestrigen Mittwoch die Aktie des Biotechnologie-Unternehmens GPC ein. Denn im Zulassungsverfahren für das Prostatakrebs-Medikament Orplatna in den USA erlitt die Firma einen herben Rückschlag. Eine Markteinführung des Präparats in den USA dürfte sich damit nun zumindest deutlich verzögern. Das auch als Satraplatin bekannte Krebsmittel, dem GPC rund 500 Mill. Dollar Umsatz im Jahr zutraut, ist der einzige Entwicklungskandidat der Firma, der es in ein Genehmigungsverfahren geschafft hat. Die Chance, dass das Mittel überhaupt zugelassen wird von einigen Experten nur noch auf 50 Prozent eingeschätzt. Dementsprechend fiel die Aktie auf unter zehn Euro.

Analysten haben nach der Meldung über das verzögerte Zulassungsverfahren das Wertpapier herabgestuft und die Kursziele deutlich gesenkt. Diese liegen aber noch deutlich oberhalb von zehn Euro. Die US-Investmentbank hat das Ziel für die GPC-Aktie von 29 auf 12,50 Euro heruntergeschraubt, die Analysten der Deutschen Bank von 30 auf 14,50 Euro. Die Experten von Unicredit sehen noch ein neues Kursziel von 17 Euro.

Der Kursturz hat für attraktive Konditionen bei Disountzertifikaten gesorgt. Denn bei diesen Produkten erwirbt der Anleger die Aktie mit einem Abschlag - dem Discount. Dieser wirkt wie ein Risikopuffer und eröffnet dem Anleger die Chance auf eine Seitwärtsrendite, die es bei einem Direktinvestment nicht gibt. Im Gegenzug partizipieren Investoren nur bis zu einer festgelegten Kursobergrenze - dem Cap - an einem Kursanstieg des Basiswertes.

Möglich macht diese Konstruktion ein einfaches Optionsgeschäft. Wenn der Anleger ein Discountzertifikat erwirbt, kauft der Emittent den Basiswert und verkauft gleichzeitig an einer Terminbörse eine entsprechende Call-Option. Dafür erhält der Emittent eine Optionsprämie - diese Prämie ermöglicht den Discount, von dem wiederum der Anleger in einem Discount-Zertifikat in Form eines Sicherheitspuffers profitiert. Die Höhe des Discounts hängt direkt von der Schwankungsbreite der Aktie ab. Und da sich die Volatilität von GPC verdreifacht hat, ist der Discount entsprechend deutlich höher. Aber: Gestiegene Volatilität bedeutet natürlich auch höheres Risiko.

Anleger, die eine Stabilisierung des GPC-Aktienkurses erwarten, sollten sich entsprechende Discount-Papiere anschauen. Defensive Produkte – mit einem Höchstbetrag von 8 bis zu 10 Euro – bietet derzeit ausschließlich die Commerzbank an (WKN CK4000, CK4001, CK4005 und CK4006). So beträgt die maximale Rendite bei einem Höchstbetrag von acht Euro 25 Prozent p.a. (WKN CK4005). Voraussetzung: Die Aktie notiert zum Laufzeitende 20.3.2008 nicht unter acht Euro. Mit einem Briefkurs von 6,89 Euro liegt der Discount gegenüber dem Kauf der Aktie bei 26 Prozent. Die Laufzeit aller vier Produkte liegt unterhalb eines Jahres, so dass die mögliche Rendite steuerpflichtig ist.

Dabei sollten Anleger berücksichtigen: Einem hohen Discount steht immer ein hohes Risiko gegenüber. GPC Biotech hat derzeit nur ein Medikament zum Entwicklungskandidaten gebracht. Sollte es weitere Schwierigkeiten mit der Zulassung geben, nützt auch der höchste Discount mehr. Dann droht der Totalverlust des Investments.

Jürgen Röder
Jürgen Röder
Handelsblatt / Redakteur Finanzzeitung
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%