Investmentidee
Dynamischer Kursrutsch verbessert konservative Anlagechance

Die Korrektur am deutschen Aktienmarkt verläuft erheblich dynamischer als 2006 und Anfang 2007. Der Vorteil dadurch: Die wieder hohe Volatilität macht konservative Discountzertifikate auf den Dax mit Zielrenditen von knapp sechs Prozent interessant. Die tägliche Investmentidee auf Handelsblatt.com.

DÜSSELDORF. Auf den ersten Blick mutet die aktuelle Korrektur im Deutschen Aktienindex Dax harmlos an – zumindest, wenn es um die relativen Kursverluste geht: Neun Prozent büßte der Dax seit seinem Allzeithoch ein. Im Frühjahr 2006 waren es knapp 15 Prozent. Auch die durch den zwischenzeitlichen Einbruch der chinesischen Aktienmärkte eingeleiteten Verluste vor gut fünf Monaten fielen mit rund acht Prozent für den Dax vergleichsweise erträglich aus und waren schnell vergessen.

Allerdings gibt es einen gewichtigen Unterschied: Die Korrektur verläuft erheblich dynamischer als 2006 und Anfang 2007. Erst neun Handelstage sind seit dem letzten Kurshoch vergangen. Zum Vergleich: Zwischen dem Kurshoch und Zwischentief der letzten Korrektur im Februar/März vergingen 14 Handelstage, in der Korrektur im Frühjahr 2006 gar 25 Handelstage.

Kein Wunder, das auch die Nervosität der Marktteilnehmer erheblich höher ist als zuvor. Ein guter Gradmesser dafür ist der Volatilitätsindex VDax, der auch als Nervenbarometer der Märkte gilt. Er gibt die von den Marktteilnehmern am Terminmarkt erwartete Schwankungsbreite deutscher Standardwerte für die nächsten 45 Tage an und notiert mit einem Wert von aktuell 25 auf einem Niveau, das er in den vergangenen Jahren nur kurz im Mai 2006 erreicht hatte.

Für Käufer und Halter von Zertifikaten ist ein Blick auf die Volatilität von großer Bedeutung, denn die Volatilität hat aufgrund der den Zertifikaten zugrunde liegenden Optionsstrukturen direkten Einfluss auf die Kursstellungen bereits emittierter und die Ausstattungsmerkmale neuer Zertifikate. Eine einfache Faustregel besagt demnach: Hohe Volatilitäten sorgen für hohe Discounts und damit höhere Maximalrenditen bei den populären Discountzertifikaten.

Vor dem Hintergrund der wieder leicht rückläufigen Renditen am Anleihenmarkt – die Umlaufrendite festverzinslicher Wertpapiere sank in den vergangenen Tagen um 0,25 Prozentpunkte auf zuletzt 4,44 Prozent – bietet sich daher ein Blick auf Discountzertifikate auf den Deutschen Aktienindex Dax an.

Mit ihnen erwerben Anleger quasi den kompletten Aktienindex in einem Papier mit einem Rabatt (Discount). Im Gegenzug sind die maximalen Kurschancen bis zu einem maximalen Auszahlungsbetrag („Cap“) begrenzt. Wer dabei einen „Cap“ wählt, der deutlich unter dem aktuellen Indexstand des Dax von 7 400 Punkten liegt, erzielt also auch dann seine Rendite, sollte der Dax noch weiter nachgeben – solange er zum Laufzeitende mindestens auf dem Niveau des „Caps“ liegt.

Das erlaubt im aktuellen Umfeld selbst für vorsichtige Anleger einige interessante Spekulationen. So kostet ein von der Commerzbank vor rund einem Monat begebenes Discountzertifikat auf den Dax (DE000CB6FYN3) mit Laufzeit bis 2. Juli 2009 derzeit 39,77 Euro. Zum Laufzeitende kommt dabei der Indexstand des Dax mit einem Bezugsverhältnis 100:1 zur Auszahlung, maximal jedoch 44 Euro. Dies wäre also dann der Fall, wenn der Dax zum Laufzeitende bei 4400 Punkten oder höher steht und entspricht – gemessen am aktuellen Kurs von 7400 Punkten – einem erlaubten Kursrückgang von 40 Prozent, ohne dass die Auszahlung von 44 Euro und damit die Rendite von 5,5 Prozent pro Jahr gefährdet wäre. Notiert der Dax tiefer, erhalten Anleger den Indexstand im Verhältnis 1:1 ausgezahlt, also bei einem Indexstand von 3 500 Punkten 35 Euro.

Zwar birgt ein derartiges Discountzertifikat letztlich auch ein Aktienrisiko, sollte sich die Korrektur in den kommenden Monaten fortsetzen. Der üppige Puffer von 40 Prozent zwischen aktuellem Kurs und dem „Cap“ des Discountzertifikats sollten jedoch auch vorsichtige Anleger mit Zielrenditen von gut fünf Prozent und einem Blick auf die Steuerlast ruhig schlafen lassen. Denn im Gegensatz zu festverzinslichen Wertpapieren fallen bei Discountzertifikaten keine steuerschädlichen Zinszahlungen an. Bei einer Haltedauer von mindestens 12 Monaten sind mögliche Gewinne mit dem Dax-Discounter steuerfrei – vorausgesetzt natürlich, der Dax notiert zum Laufzeitende tatsächlich oberhalb von 4400 Punkten und Anleger realisieren mögliche Kursgewinne vor dem Stichtag für Zertifikate am 30.6. 2009.

Christian Kirchner
Christian Kirchner
Handelsblatt / Geschäftsführender Redakteur New Investor
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