Investmentidee
Von der Nervosität der Märkte profitieren

Mit Zertifikaten können Anleger nicht nur auf fallende oder steigende Aktienindizes setzen, sondern auch darauf, wie stark die Märkte schwanken. Doch beim Handel mit dem Faktor Volatilität gibt es Tücken, die zu beachten sind. Die tägliche Investmentidee auf Handelsblatt.com.

DÜSSELDORF. Mit Zertifikaten auf die Schwankungsbreite des deutschen Aktienmarktes können Privatanleger nur selten Geld verdienen. Denn obwohl der VDax New seit Anfang des Jahres um 50 Prozent gestiegen ist, verbuchte beispielsweise das einzig verfügbare Indexzertifikat auf das Börsebarometer im gleichen Zeitraum ein deutliches Minus.

Der VDax New misst die Schwankungsbreite (Volatilität) des deutschen Aktienmarktes auf Basis der an der Terminbörse Eurex gehandelten Optionen.

Zertifikateanleger, die rechtzeitig den Kursanstieg des auch als „Angstbarometer“ bezeichneten Index vorhergesehen haben und mit dem Indexzertifikat von Goldman Sachs auf den VDax New (WKN: GS0DVD) von steigenden Börsenschwankungen profitieren wollten, verzeichnen trotz des steigenden Basiswerts Verluste in Höhe von rund 20 Prozent. (siehe auch Chart links).

Der Grund für die auf den ersten Blick unverständliche Entwicklung des Indexpapiers: Eine 1:1-Abbildung des Volatilitätsindex durch Indexzertifikate ist nicht möglich. Anleger, die in das Indexzertifikat von Goldman Sachs investieren, setzen vielmehr darauf, dass die in Zukunft erwartete Volatilität höher ausfällt, als dies von den Teilnehmern an der Eurex aktuell erwartet wird. Geht die Rechnung nicht auf, rutscht das Papier ins Minus.

Da in den vergangenen Monaten bereits damit gerechnet wurde, dass der Volatilitätsindex weiter ansteigen würde, gab es an den Anpassungsterminen keine Differenz zwischen erwarteter (impliziter) und tatsächlich erreichter Volatilität. Die Folge: Käufer des Indexzertifikats verbuchten Verluste. Bleibt es zumindest mittelfristig dabei, dass der Markt die Entwicklung der Volatilität richtig antizipiert, wird das Indexpapier den Käufern auch weiterhin keine Freude bereiten.

Aussichtsreicher erscheinen dagegen Anlagezertifikate, die Zinskupons zahlen, deren Höhe von der Schwankungintensität der Märkte abhängt oder die die Volatilität als Timinghilfe für die den Zertifikaten unterlegte Strategie verwenden.

Zu der ersten Gruppe gehört beispielsweise das „Vola-Protect“-Zertifikat der Citigroup (WKN: CG0A07). Das kapitalgarantierte Zertifikat notiert derzeit bei 93,90 Euro, so dass allein durch die Rückzahlung zum Nennwert von 100 Euro im Juli 2010 eine Mindestrendite von 2,13 Prozent p.a. sichergestellt ist. Eine höhere Verzinsung des eingesetzten Kapitals wird erreicht, wenn die Schwankungsintensität des Euro Stoxx 50 deutlich anzieht. Denn das Zertifikat münzt bis zum Laufzeitende 2010 die tatsächliche Volatilität des europäischen Standardwerteindex in jährlich gezahlte Zinskupons um.

Die Berechnungsformel für die Kupons: Der Emittent nimmt die realisierte Volatilität des Index im zurückliegenden Zwölfmonatszeitraum zum Quadrat und multipliziert das Ergebnis mit 0,45. Im vergangenen Jahr lag die Volatilität des Euro Stoxx 50 bei rund 12 Prozent. Bleibt dieser Wert konstant, ergibt sich allerdings nur ein Kupon von mageren 0,65 Prozent. Interessanter wird es, falls die Schwankungsintensität deutlich anzieht. Bei einer Volatilität von 20 Prozent steigt der Kupon auf 1,8 Prozent, bei einem Wert von 30 schnellt er auf rund 4 Prozent hoch.

Erfolgreicher als das Vola-Indexzertifikat schlägt sich auch ein Volatilitäts-Strategiezertifikat von ABN Amro: Die Niederländer nutzen für ihr 2004 lanciertes VDax-Rotator-Zertifikat (WKN: ABN1T6) den VDax – den Vorgänger des VDax New - als Timinghilfe. Das Zertifikat unterstellt zu 75 Prozent eine Investition in den Dax und zu 25 Prozent in den Rentenindex Rex. In Zeiten großer Unsicherheit an den Märkten – also hoher Volatilität – wird der Aktienanteil auf bis zu 100 Prozent erhöht – und bei sinkender Volatilität entsprechend zurückgefahren.

Hintergrund: Historisch betrachtet sind Volatilitätsindizes spannende Indikatoren. Meist gehen steigende Volatilitäten zunächst mit fallenden Märkten einher. Erreicht die Nervosität und damit auch die Volatilität ihren Zenit, lohnt es sich oft, Aktienengagements einzugehen. Das war beispielsweise Ende 2002 so, als der VDax kurz vor Beginn der bis jetzt anhaltenden Hausse ein Rekordhoch markierte.

Seit Auflage im Juni 2004 steht beim VDax-Rotator ein Plus von 25 Prozent zu Buche, was einer jährlichen Durchschnittsrendite von 7,6 Prozent entspricht. Anleger kommen für eine Managementgebühr von einem Prozent p.a. in den Genuss aller Zins- und Dividendenausschüttungen.

Georgios Kokologiannis ist Redakteur im Finanzteam des Handelsblatts, mit Sitz in Frankfurt am Main. Er studierte Betriebswirtschaftslehre in Düsseldorf mit Schwerpunkt auf Controlling und Marketingmanagement. Bereits während seiner Studienzeit wirkte der Diplom-Kaufmann erstmals an der Entwicklung des Handelsblatt-Onlineangebots mit. Seinen journalistischen Feinschliff erhielt der Kapitalmarktexperte an der Georg von Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten. Mit Geldanlage-Themen beschäftigt sich der Derivatespezialist für das Handelsblatt seit mehr als 17 Jahren. Dabei wurde er mit dem DDV-Preis für Wirtschaftsjournalisten ausgezeichnet und hat zuletzt vier Jahre lang das Musterportfolio der Redaktion verantwortet.
Georgios Kokologiannis
Handelsblatt / Finanzredakteur
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