Investoren sollten bei Emerging-Markets-Anlagen langfristig denken
Inflation an China-Zertifikaten

Wie prozyklisch Emittenten und Anleger häufig denken, zeigt momentan das Beispiel China: Im vergangenen Jahr, als die Aktien im „Reich der Mitte“ eine aberwitzige 100 Prozent-Rallye aufs Parkett legten, überboten sich die Banken mit Neuemissionen von Index-Zertifikaten, heißen „Turbo“-Produkten und sonstigen Instrumenten für steigende Märkte. Dann kam im ersten Halbjahr 2004 der große Einbruch, im Mai war der Hang Seng China Enterprises Index (HSCEI) gut 30 Prozent unter seinen Höchststand abgetaucht – und nun machen plötzlich Kapitalschutz-Papiere die Runde.

Beispiel Deutsche Bank: Mit dem währungsgesicherten „China Protection 100 Plus“ hat der Marktführer gerade ein Garantie-Zertifikat lanciert, das bei Fälligkeit im Juni 2009 auf jeden Fall zum Emissionspreis von 100 Euro zurückgezahlt wird. Gleichzeitig wartet das Papier mit einer 100prozentigen Partizipation an den Gewinnen des HSCEI auf. Maßgeblich dafür ist wieder einmal eine Durchschnittsbildung, die sich allerdings erfreulicherweise nur auf die letzten beiden Fünftel der Laufzeit erstreckt. Beginnend mit dem 24. August notieren die „Blauen“ jeden Monat, insgesamt also 24 Mal, den aktuellen Index-Stand; die Rendite des Anlegers ergibt sich dann aus der prozentualen Differenz zwischen dem Mittelwert der Stichtags-Betrachtungen und dem Referenzstand, der am 28. Juli 2004 bei 4.310,34 Index-Punkten fixiert wurde.

Damit wäre das Produkt eigentlich ein reizvolles Investment für defensive Anleger, die nun zunächst drei Jahre warten möchten, bis die chinesischen Aktien wieder „Fett“ ansetzen, um dann einen optimierten Ausstieg zu erhalten. Doch so einfach funktioniert’s leider nicht – die Deutsche Bank hat nämlich dreimal das Recht zur vorzeitigen Kündigung. Im Juli 2005 kann das „China Protection 100 Plus“ erstmals zu 107,50 Euro vom Markt genommen werden; ein Jahr später würde die Vorfälligkeits-Entschädigung 115,00 Euro betragen und im Sommer 2007 könnte der Anleger mit 122,50 Euro abgefunden werden. Unter welchen Bedingungen der Branchenprimus das Spiel vorzeitig abpfeift, lässt sich nicht exakt voraussagen, doch klar ist: Wenn der HSCEI in den nächsten drei Jahren weit nach oben durchschießt, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Kündigungs-Option gezogen wird. Von der schönen Durchschnittsbildung hat man dann nichts mehr. Wirklich Spaß macht das Papier also nur, wenn der Index zunächst 36 Monate vor sich hin dümpelt und dann pünktlich zum Beginn der monatlichen Stichtags-Betrachtung zum Höhenflug ansetzt. Keine Unmöglichkeit, aber doch eine sehr zugespitzte Markterwartung…

Das "China Protection 100 Plus"-Zertifikat von der Deutschen Bank (ISIN DE 000 DB0 91F 3) hat eine Laufzeit bis 31.07.09, einen Spread von einem Prozent und die Gerantie beläuft sich auf 100 Euro.

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