Investoren wollen sichere Geldanlagen
Zertifikate: Schlechtes Image trotz guter Produkte

Zertifikate sind in Verruf geraten, weil sie vielen Investoren ein dickes Minus bescherten. Dabei können die Papiere durchaus interessante Möglichkeiten zur Anlage bieten - gerade in wirtschaftlich schwierigen Situationen.

FRANKFURT. Kein Anlageinstrument will mehr ein Zertifikat sein. Das Wort allein lässt Bankkunden abwinken und treibt Anlageberatern den Angstschweiß auf die Stirn. Denn die strukturierten Produkte verursachten in den vergangenen Monaten ein dickes Minus in vielen Depots. Dabei könnten die Papiere gerade in der aktuellen Marktsituation auch für ein ordentliches Plus sorgen. Denn je nach Auszahlungsstruktur und Basiswert bescheren sie ihren Besitzern eine positive Wertentwicklung auch unabhängig vom Börsengeschehen.

"Der Bedarf der Bundesbürger, Geld neu anzulegen, steigt - auch in Zeiten der Finanzkrise", sagt Stefan Heinisch von Psychonomics. Er veröffentlichte Anfang März eine Studie zum Absatzpotenzial von Geldanlagen. Besonderen Wert legen Investoren bei ihren Kaufentscheidungen demnach auf die Sicherheit der Produkte. Zertifikate stehen laut Studie allerdings nicht auf der Wunschliste der Anleger.

"Die einfachen Strukturen werden auch weiterhin interessant sein", sagt Grégoire Toublanc von der BNP Paribas. Allerdings fast ausschließlich für Selbstentscheider. "Discount-Zertifikate zum Beispiel bieten dem informierten Investor in schwierigen Marktphasen einen strukturellen Renditevorteil gegenüber dem Direktinvestment." Eine aktuelle Umfrage des Deutschen Derivate Verbands (DDV) unter 19 hiesigen Emittenten bestätigt: Die Nachfrage nach einfach strukturierten Zertifikaten wird 2009 noch zunehmen. 42 Prozent der befragten Finanzinstitute erwarten eine hohe Nachfrage nach Discount-Zertifikaten. Auf Platz eins stehen mit 47 Prozent immer noch die Garantiestrukturen.

Den Bedarf der Investoren nach einer sicheren Geldanlage bestätigt auch die Psychonomics-Studie: "Die wenigsten Kunden sind gegenwärtig bereit, sich bei der Geldanlage auf riskante Experimente einzulassen. Was aktuell vor allem zählt, ist Sicherheit", sagt Heinisch. Für ihn zählen Zertifikate jedoch gerade nicht zu den sicheren Anlagen. Seiner Studie zufolge präferieren die deutschen Investoren derzeit zu 50 beziehungsweise 34 Prozent Tages- und Festgeldkonten sowie zu 31 Prozent Spareinlagen. Zertifikate und Fonds landeten hingegen abgeschlagen auf den hinteren Rängen. Nur sieben Prozent der von Psychonomics befragten Personen ziehen den Kauf von Zertifikaten in den kommenden drei Monaten in Betracht.

Der Zertifikateexperte von der BNP Paribas bleibt dennoch optimistisch: "Für den Selbstentscheider ist der Markt das Problem, nicht das Produkt." Generell herrsche zur Zeit ein Investitionsstreik seitens der Anleger. "Aber wenn die Börsen wieder steigen, fragen auch die Schalterkunden wieder verbriefte Strukturen nach", hofft Toublanc.

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