Kapitalschutz-Zertifikate
Sichere Zertifikate - zumindest relativ

Kapitalschutzzertifikate versprechen auch in schweren Zeiten Gewinne ohne Risiko. Wenn die Börsenkurse fallen, dann steigt das Sicherheitsbedürfnis der Anleger.
  • 0

Frankfurt"Rund 20 Prozent des Geldes, das Anleger in Zertifikate investiert haben, steckt derzeit in Kapitalschutzzertifikaten", sagt Lars Brandau, Geschäftsführer des Deutschen Derivate Verbandes (DDV). Etwa 42 Prozent ist in sogenannte strukturierte Anleihen investiert, die mit einer Rückzahlgarantie von unter 100 Prozent ausgestattet sind. Kein Wunder: Kapitalschutzzertifikate und strukturierte Anleihen versprechen zum Laufzeitende mindestens die Rückzahlung eines Teils oder sogar 100 Prozent des Emissionspreises. Das ist an sich schon viel wert in Zeiten kollabierender Aktienkurse. Wer jetzt zugreift, kann also risikofreie Renditen generieren. Jedenfalls auf den ersten Blick.

Es gibt verschiedene Arten von Kapitalschutzzertifikaten. Manche garantieren die Rückzahlung des Emissionspreises, manche knüpfen die Rückzahlungshöhe an Bedingungen, und wiederum andere passen die Rückzahlungshöhe nach und nach an. Klassische Kapitalschutz-Zertifikate locken mit einem Renditeversprechen: Voller Gewinn, wenn alles gutgeht. Und wenn es nicht so läuft, gibt es am Ende der Laufzeit das eingesetzte Kapital zurück. Konkretes Beispiel: Ein Zertifikat auf den Euro Stoxx 50 wird zum Preis von 100 Euro ausgegeben. Die Laufzeit beträgt fünf Jahre. Am Ende wird abgerechnet: Ist der Index gestiegen, gewinnt auch der Zertifikate-Inhaber. Ist der Index gefallen, gibt es 100 Euro zurück. Das Verlustrisiko ist also ausgeschlossen.

Doch ein Ruhekissen für schlechte Börsenzeiten sind Kapitalschutz-Papiere nicht. Denn bei fallenden Kursen gibt es auch keinen Gewinn. Im schlimmsten Fall verhindern die Zertifikate zwar den Depot-GAU, die ausschließliche Rückzahlung des Anfangskapitals schmerzt aber im Vergleich zu einer Sparbuch-Anlage immer noch: Denn schmiert die Börse ab, bleibt der Anleger auf den Kaufkosten sitzen. Das sind meistens etwa ein bis zwei Prozent Ausgabeaufschlag plus Courtage. Hinzu kommt die Inflation.

Doch Anleger kaufen Kapitalschutzzertifikate nicht, um wenig Verlust zu machen, sondern um im Fall der Trendwende an den Kursanstiegen an der Börse voll zu partizipieren. Das ist zwar im Prinzip möglich. Anleger müssen aber in diesem Fall Geduld bewahren. Denn läuft die Börse gut, dann sehen sie mit Kapitalschutzpapieren den Gewinnen lang Zeit hinterher.

Denn um das Rückzahlungs-Versprechen halten zu können, legen die Emittenten den Großteil des Kapitals in sogenannten Zero-Bonds an und einen kleinen Teil in Optionen. Zero-Bonds sind Zinspapiere, die keine Erträge ausschütten, am Ende der Laufzeit zu 100 Prozent zurückgezahlt werden, während der Laufzeit aber auf jeden Fall weniger als 100 Prozent kosten.

Kommentare zu " Kapitalschutz-Zertifikate: Sichere Zertifikate - zumindest relativ"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%