Kolumne: Nachgerechnet
Kleine Einsätze bewegen große Summen

Beim Handel mit stark gehebelten Kontrakten geht mehr Geld an die Bank als beim Roulette. Ein Selbstversuch auf der Handelsplattform Comdirect.
  • 1

Vor ein paar Tagen habe ich innerhalb von 24 Stunden über 9000 Euro verloren. Gott sei Dank nur virtuell. Ich bin auf eine Handelsplattform der Comdirect gegangen. Sie bietet, ähnlich wie die Sparkassen, Privatkunden eine neue Möglichkeit, mit Hebelprodukten binnen Minuten und Sekunden tausende Euro zu gewinnen und zu verlieren. Nach dem Motto „Handeln wie die Profis!“ können Privatleute mit sogenannten Differenzkontrakten, CFD's von den Kursschwankungen eines Tages profitieren. Das können Anfänger zunächst auf einem Demo-Konto üben. 50000 Euro Spielgeld bekommt man da, bei mir sind es inzwischen nur noch 41000.

CFDs erlauben es, mit einem minimalen Einsatz große Summen zu bewegen. Ich wählte einen Kontrakt auf den Dax, mit dem Standard-Hebel von hundert. Mit nur 67 Euro kann ein Kunde damit bei einem Dax-Stand von 6?700 Punkten gleich mit 6?700 Euro handeln. Gewinnt der Dax nur ein Prozent, 67 Punkte, verdoppelt sich das eingesetzte Geld, der Investor gewinnt 67 Euro. Verliert der Dax ein Prozent, ist der Einsatz weg.

Die Comdirect bot kostenlose Einführungsveranstaltungen in allen Großstädten. Dort hörte ich, dass es wichtig ist, entspannt zu sein, eine feste Strategie zu haben, und mit kleinen Summen anzufangen. Die Gebührenliste lag im Informationsmaterial. Was dort nicht steht: Manchmal geht mehr an die Bank als beim Roulette.

Entspannt war ich jedenfalls. So nebenbei, während der Arbeit, habe ich 50 CFDs auf den Dax gekauft. Nach der Mittagspause hatte ich schon 850 Euro mehr auf dem Konto. Da habe ich gleich noch mal 300 Stück auf den Dax gewettet und damit über zwei Millionen Euro bewegt. Doch leider geriet ich in eine Delle, und schon rasselte mein Guthaben nach unten. Auch spätere Versuche, das aufzuholen, scheiterten. Ich stieg sogar noch in eine Übernachtposition auf den Nikkei Index.

Kann man so wirklich reich werden? Nur ein Prozent aller Daytrader, also der Investoren, die täglich handeln, schafft es, über mehr als ein Jahr den Markt zu schlagen, ermittelte Brad Barber von der University of California (siehe "Was Daytrader wissen sollten"). Wissenschaftler betonen, dass die Nebenkosten bei den Gewinnchancen eine wichtige Rolle spielen.

Ich zahle schon vor Gebühren drauf. Der Nikkei ist über Nacht zwar gestiegen, hat mich aber nicht gerettet. Noch ein Fehlversuch mit dem Dax: Am Ende sind 9045 Euro weg. Für Provisionen habe ich 61 Euro gezahlt, zeigt eine Liste. Doch ein Posten erscheint dort nicht: Der Spread, die Spanne zwischen Kauf und Verkaufspreis. Beim Dax- Kontrakt beträgt sie zwei Euro. Bezogen auf den Einsatz von 67 Euro je Kontrakt sind das fast drei Prozent. Das ist mehr als beim Roulette: In der Spielbank gehen im Schnitt 2,7 Prozent eines Spieleinsatzes an die Bank. Bei CFDs ist also auch der Spread gehebelt.

„Man muss die Spanne immer in Bezug zu der Position sehen, die der Kunde handelt“, wendet Mario Jessen von Comdirect ein. Im Vergleich zu normalen Transaktionsgebühren sei sie sehr gering.

Ich habe mit gut elf Millionen Euro gehandelt. Für die Spanne gingen dabei 1983 Euro drauf. Der Spread hat also fast ein Viertel zu meinem Gesamtverlust von 9045 Euro beigetragen. „Jedes Hobby kostet“, sagt dazu Kapitalmarktexperte Martin Weber von der Uni Mannheim. Fast alle Trader zahlten am Ende drauf.

Ich persönlich finde die Kapitalmärkte spannender als Roulette. Wenn ich Geld übrig hätte, würde ich es dennoch machen wie in der Spielbank: Einen festen Einsatz nehmen. Und sollte der am Ende weg sein: Aufhören.


Kommentare zu " Kolumne: Nachgerechnet: Kleine Einsätze bewegen große Summen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Bevor so ein oberflächlicher, unqualifizierter Artikel hier zum Druck frei gegeben wird, sollte die Verfasserin sich erst einmal mit dem Thema "Money Management" befassen und daraus lernen!(Schlag nach bei Wikipedia!) und siehe
    z.B. ISBN 978-3-89879-252-3

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%