Kooperation beendet
Scoach geht künftig zwei Wege

Die Derivateplattform Scoach wird künftig nicht mehr gemeinsam von der Deutschen und der Schweizer Börse betreiben. Zwei Unternehmen werden künftig die beiden Märkte unabhängig von einander bedienen.
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Zürich/FrankfurtDie Schweizer Börse SIX kündigt die Zusammenarbeit mit der Deutschen Börse bei der Derivateplattform Scoach auf. Die Kooperation ende im Juni 2013, wie die beiden Börsenbetreiber am Mittwoch bekanntgaben. Die Schweizer hatten zuletzt deutlich mehr zum Umsatz des Gemeinschaftsunternehmens beigetragen und wollen nun eigene Wege gehen. Im vergangenen Jahr hatten SIX und Deutsche Börse bereits die Zusammenarbeit bei der Derivatebörse Eurex beendet. Hier waren die Frankfurter der tonangebende Partner und haben das lukrative Geschäft vollständig übernommen.

Bei der Scoach werden die zwei Unternehmen das Geschäft mit strukturierten Produkten künftig in ihren eigenen Märkten unabhängig voneinander weiterführen. Für Anleger und Emittenten wird sich damit wenig ändern. Die beiden Handelsplätze werden bereits heute weitgehend unabhängig voneinander betrieben und laufen auf technisch unterschiedlichen Plattformen. Die Deutsche Börse wird den Handel mit Zertifikaten und Optionsscheinen in Deutschland am Standort Frankfurt weiter betreiben, die SIX von Zürich aus für die Schweiz. Ob der Name Scoach fortgeführt wird, steht noch nicht fest.

Die Scoach hatte den Handel 2007 aufgenommen. Mit einem Volumen von rund 43 Milliarden Euro ist sie eigenen Angaben zufolge nach Hong Kong und Seoul die weltweit drittgrößte Börse für strukturierte Produkte. Mit rund 32 Milliarden Euro ist das Geschäft in Zürich rund doppelt so groß wie in Frankfurt. Branchenkreisen zufolge ist Zürich auch deutlich profitabler. Am Gemeinschaftsunternehmen sind die beiden Börsen zu jeweils 50 Prozent beteiligt. Die Schweizer wollen sich nun auf ihren eigenen Markt konzentrieren. „Wir wollen künftig noch konsequenter auf die Bedürfnisse der Emittenten und des gesamten Schweizer Marktes eingehen“, erklärte Christian Katz, Chef der Schweizer Börse.

In der Schweiz dominiert die Scoach den Markt, in Deutschland steht sie in scharfem Wettbewerb mit der Euwax der Börse Stuttgart. Der Zertifikatemarkt in Deutschland durchläuft seit längerem eine Durststrecke. Das ausstehende Volumen entfernte sich zuletzt immer deutlicher von der 100-Milliarden-Euro-Marke. Im vergangenen Jahr fiel das Handelsvolumen an der Scoach in Frankfurt und Zürich im Vergleich zu 2011 um mehr als 30 Prozent. Zwar legte der Handelsumsatz im Januar gegenüber dem Vormonat dann um 62 Prozent zu, im Jahresvergleich war das aber nur ein Plus von 3,3 Prozent.

Der Scoach macht zudem zu schaffen, dass immer mehr Anleger außerbörslich (OTC) handeln. Die G20-Länder wollen den OTC-Handel regulieren und über sogenannte Clearinghäuser laufen lassen, die Einführung der neuen Regeln lässt aber noch auf sich warten. Scoach-Chef Christian Reuss geht davon aus, dass der OTC-Handel 60 bis 70 Prozent des deutschen Derivatemarktes ausmache, wie er kürzlich im Reuters-Interview sagte.

Aber auch in der Schweiz war die Scoach zuletzt unter Zugzwang geraten. Die Berner Börse BX Berne eXchange (BX) arbeitet zusammen mit mehreren Banken an einer eigenen Derivate-Handelsplattform, wie Reuters im vergangenen Monat berichtete. Die Banken stören sich vor allem an den ihrer Ansicht nach zu hohen Gebühren an der Scoach. Die Scoach hat denn auch angedeutet, die Preise im ersten Halbjahr zu senken.

Die Börsen der beiden Länder, die in der Vergangenheit immer wieder als Fusionskandidaten gehandelt wurden, bewegen sich mit dem Ende der Scoach immer weiter voneinander weg. Nach der Trennung bei Scoach arbeiten die beiden Unternehmen nur noch bei den Index-Firmen Stoxx und Indexium zusammen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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