Kreditpakete

Volkswagen bietet Airbag gegen Negativzinsen

Autokonzerne verkaufen gerne Fahrzeugfinanzierungen an professionelle Anleger weiter. Die Papiere sind eigentlich begehrt – doch Käufer könnten jetzt Zinsen zahlen müssen statt zu kassieren. VW und BMW steuern gegen.
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Nicht nur Autofahrern, auch Investoren muss Volkswagen einen Schutzmechanismus bieten. Quelle: PR
Airbags in einem VW

Nicht nur Autofahrern, auch Investoren muss Volkswagen einen Schutzmechanismus bieten.

(Foto: PR)

FrankfurtAn den europäischen Anleihemärkten fordern Investoren neuerdings Klauseln, die sie davor schützen, Zinsen bezahlen zu müssen. Grund dafür ist, dass der Referenzzins Euribor inzwischen negativ geworden ist. Am Euribor orientieren sich die Preise für viele Wertpapiere.

Emittenten von Volkswagen bis zu einer Tochter der Rabobank fügen daher Klauseln in ihre Anleihebedingungen ein, um Investoren vor Zinszahlungen zu schützen, sollte der Zins für ihre Investments unter null sinken. Der Euribor ist Bezugsgröße für Schuldverschreibungen im Nominalwert von über 180 Billionen Dollar und umfasst forderungsunterlegte Anleihen (ABS), variabel verzinsliche Anleihen (FRN), börsennotierte Derivate und Unternehmenskredite, wie aus Angaben des European Money Markets Institute hervorgeht.

Die beispiellose geldpolitische Lockerung der Europäischen Zentralbank hat zu Störungen am Anleihemarkt und Verwirrung bei den Investoren geführt. Während Gläubiger der ABS-Papiere der Banco Popular im April nicht zu Kuponzahlungen aufgefordert wurden, nachdem die Zinsen unter null gefallen waren, hat die schwedische Nordea Bank in diesem Monat angekündigt, sie habe vor, den Investoren bei einigen neuen Hypothekenanleihen Kosten aufzuerlegen, sollte dies geschehen.

Von null auf hundert und zurück
09. Januar 2012
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Negativ verzinste deutsche Staatspapiere: Erstmals gelingt es Deutschland, kurzfristige Geldmarktpapiere  mit Gewinn zu verkaufen. Wer an diesem Tag Anleihen mit einer Laufzeit von sechs Monaten kauft, bekommt am Ende der Laufzeit weniger vom Fiskus überwiesen, als er am Anfang investiert hat.

Die Gründe sind vielfältig: Weil die Anleihen der Krisenstaaten vom Ausfall bedroht sind, flüchten alle in deutsche Titel. Gleichzeitig pumpt die EZB über großzügige Sonder-Kredite an die Banken frisches Geld in die Märkte, das die Unternehmen gar nicht ausleihen wollen. Die Nachfrage nach Krediten ist klein, das Angebot an Geld groß. Das drückt auf die Renditen. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe liegt zu diesem Zeitpunkt bei 1,85 Prozent.

26. Juli 2012
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„Whatever it takes.” Investoren sind wenige Monate nach dem griechischen Schuldenschnitt in Panik. Die Kurse der Anleihen aller Euro-Randländer fallen, ihre Renditen steigen. Da spricht EZB-Chef Mario Draghi bei einer Konferenz in London ein Machtwort. „Die EZB wird innerhalb ihres Mandats alles Notwendige tun, um den Euro zu erhalten. Und glauben Sie mir, es wird ausreichen.“ Damit leitet Draghi eine Erholung der Anleihen der Euro-Randländer ein. Doch auch Bundesanleihen bleiben gefragt. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe liegt bei 1,32 Prozent – und sinkt immer weiter.

11. Juni 2014
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Zentralbankzins für Einlagen unter null: Die Euro-Zone kommt wirtschaftlich noch immer nicht vom Fleck. Obwohl die EZB die Leitzinsen immer weiter gesenkt hat, bleibt die Kreditvergabe schwach. Die Notenbank geht also noch einen Schritt weiter: Sie senkt den Leitzins auf 0,05 Prozent, der Einlagezins fällt auf minus 0,1 Prozent. Geschäftsbanken, die ihr Geld bei der EZB parken und nicht verleihen wollen, zahlen jetzt Strafe. Im September 2014 erhöht die EZB diesen „Strafzins“ auf 0,2 Prozent.

17. September 2014
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Der Bund verdient Geld mit Anleihen. Die Negativzinsen fressen sich bei Bundeswertpapieren weiter durch. Deutschland stockt erstmals eine Anleihe mit zwei Jahren Laufzeit zu einer Minusrendite auf. Diese liegt bei minus 0,07 Prozent. Aufgestockt wird die Anleihe um 3,3 Milliarden Euro. Begeben worden war sie am 20. August 2014 mit einem historisch niedrigen Zinsschein von null Prozent und einer Rendite von ebenfalls null Prozent.

16. Januar 2015
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Die Schweiz schreibt Geschichte am Anleihemarkt: Erstmals sinkt in einem Land  die Rendite einer Anleihe mit der Laufzeit von zehn Jahren unter null Prozent. Grund dafür war die überraschende Entscheidung der Schweizer Notenbank vom Vortag, den Euro-Mindestkurs zum Franken aufzuheben. Die Folge: Der Franken wertet drastisch auf, die Aktienkurse brechen ein – und Anleger fliehen in Anleihen. 

Am 9. April profitieren die Schweizer Steuerzahler von den Minuszinsen. Die Schweiz stockt die die zehnjährige Anleihe, die einen Zinsschein von 1,5 Prozent hat, zu einem Kurs von 116 Prozent auf. Daraus errechnet sich bei der Auktion eine negative Rendite von minus 0,055 Prozent. Anleger versuchen damit, den Strafzins von 0,75 Prozent zu umgehen, den die Schweizer Notenbank für kurzfristige Einlagen von Banken  festgelegt hat.

22. Januar 2015
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Die EZB macht Ernst. Die Notenbank kündigt ein massives Kaufprogramm für Wertpapiere – vor allem Staatsanleihen an. Bis mindestens September 2016 will sie öffentliche Anleihen – sprich Staatsanleihen, Anleihen von nationalen Förderbanken sowie supranationalen Institutionen kaufen. Dazu kommen die schon länger laufenden Programme für gedeckte Bankenanleihen (Covered Bonds) und Verbriefungen (ABS). Insgesamt wollen die EZB und vor allem die nationalen Notenbanken monatlich Wertpapiere über 60 Milliarden Euro erwerben – also insgesamt 1,14 Billionen Euro. Die zehnjährige Bundesanleihe wirft für Neueinsteiger nur noch 0,45 Prozent Rendite ab.

25. Februar 2015
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Der Bund verdient jetzt Geld mit einer Fünfjahres-Anleihe. Deutschland stockt erstmals eine Anleihe mit fünf Jahren auf, für die das Land von Anlegern Gebühren bekommt, statt Zinsen zu zahlen. Eingenommen werden zu einer Rendite von minus 0,08 Prozent 3,3 Milliarden Euro. Seit der Emission am 21. Januar hat auch diese fünfjährige Anleihe einen Kupon von null Prozent.

„Das Konzept, dass sein Investor bezahlt, statt einen Kupon zu erhalten, ist beispiellos und unlogisch“, sagt Tracy Chen, Vermögensverwalterin bei Brandywine Global Investment Management in Philadelphia. „Investoren wollen wissen, ob sie Geld beschaffen müssen, um diese Zahlung zu leisten.“

Volkswagen legt seit 19 Jahren Anleihen auf, die mit den Leasingraten auf Autos des Konzerns unterlegt sind. Im vergangenen Monat wurde bei ABS-Papieren im Volumen von 1,03 Milliarden Euro erstmals eine Klausel zum Schutz der Anleger eingeführt.

„Wir wollen den Investoren Sicherheit geben, was passieren wird“, sagte Stefan Rolf, Leiter forderungsunterlegte Wertpapiere bei Volkswagen Financial Services. „Deshalb haben wir erstmals eine Klausel in die Anleihebedingungen eingefügt, um klarzustellen, dass wir Investoren niemals bitten werden, für uns Zinsen zu bezahlen.“

Ohne Untergrenze finden sich keine Käufer
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