Kunst des Spekulierens
Zocken wie die Profis

Nervenkitzel wie beim Glücksspiel: Privatinvestoren können mit speziellen Produkten auf steigende und fallende Kurse spekulieren. Die Zockerprodukte bergen hohe Risiken. Doch das Interesse an spekulativem Handel steigt.
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FrankfurtWenn es an den Anlagemärkten hektisch zugeht, schlägt die Stunde der Spekulanten. So wie am Aktienmarkt seit dem vergangenen Sommer: Zuerst brach der Dax innerhalb weniger Wochen von knapp 7500 Punkten um rund ein Drittel auf 5072 Zähler ein. Anschließend setzten die Börsen zu einer rasanten, zickzackartigen Gegenbewegung an, die den deutschen Leitindex Anfang dieses Jahres in der Spitze wieder über die 7000er-Marke katapultierte.

Dieses rasante Auf und Ab mag den meisten Anlegern ein Horror sein. Für spekulativere Naturen bietet es dagegen ein willkommenes Fressen: Diesen Investoren geht es weniger um die langfristige Anlage von Vermögen, sondern darum, in möglichst kurzer Zeit viel Geld zu gewinnen. Schon mit dem Handel einfacher Indexfonds- und -Zertifikate, die Kursbewegungen eines Börsenbarometers, einer Währung oder eines Rohstoffs eins zu eins nachvollziehen, können wagemutige Anleger in schwankungsreichen Phasen beachtliche Renditen erzielen.

Wer den richtigen Nervenkitzel sucht, setzt allerdings auf spezielle Derivate wie Optionsscheine und so genannte Knock-Out-Zertifikate. Zum einen kann man damit nicht nur von steigenden Kursen profitieren, sondern auch auf fallende Notierungen setzen. Zum anderen lassen sich Kursbewegungen überproportional in Depotgewinne ummünzen.

Mehr als 40 Prozent der Umsätze am Derivatemarkt gehen in Deutschland auf das Konto solcher spekulativer Produkte - so eine aktuelle Auswertung des Branchenverbandes DDV. Derzeit stellen 27 Emittenten insgesamt rund eine halbe Million dieser Papiere zur Verfügung.

Als Investmentvehikel dienen daneben seit einigen Jahren auch "Contracts for Difference" - kurz CFD. Diese zählen nicht zu herkömmlichen, über eine Börse gehandelten Wertpapieren, sondern sind Geschäfte, die direkt mit einem CFD-Broker getätigt werden. Rund 30 Banken und Broker bieten den Service, CFDs zu handeln.

All diese hochspekulativen Instrumente sind keineswegs nur Profis vorbehalten. Tausende Privatanleger eifern ihnen bereits nach. Und es werden immer mehr: Das zeigen aktuelle Auswertungen der Citigroup: Die Bank befragt seit über einem Jahr regelmäßig professionelle Marktteilnehmer, aber auch private Investoren nach ihrem Anlageverhalten und veröffentlicht die Ergebnisse im Rahmen ihres "Citi-Investmentbarometers". Die jüngsten Daten zeigen: Zu Beginn der Umfrage gaben 60 Prozent an, die kurzfristige Spekulation sei ein wichtiges Motiv beim Investieren - mittlerweile liegt dieser Wert bei nahezu 75 Prozent. "Der Markt für Hebelpapiere ist seit Monaten sehr lebendig", sagt Grégoire Toublanc, Derivateexperte bei der BNP Paribas. "Gerade wenn die Schwankungen an den Anlagemärkten zunehmen, ziehen die Umsätze spürbar an - dann suchen Investoren kurzfristige Trading-Chancen", so der Experte.

Zu beachten ist eine grundlegende Gemeinsamkeit sämtlicher Hebelprodukte: Alle weisen hohe Risiken auf, weil sie durch die Hebelwirkung Schwankungen des Basiswertes - also der zugrunde liegenden Aktie, des Indexes, Rohstoffs oder der Währung - verstärken. Die höheren Gewinnchancen erkaufen sich Anleger mit entsprechend hohen Verlustrisiken. Auch wenn beispielsweise der Dax nur um wenige Punkte zulegt, kann sich bei entsprechend hoch gewähltem Hebel das eingesetzte Kapital schlagartig verdoppeln - im umgekehrten Fall droht aber schnell der Totalverlust. Doch es gibt wichtige Unterschiede zwischen den Instrumenten, die für den Spekulationserfolg ausschlaggebend sein können.

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Zocken wie die Profis

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Der Klassiker: Optionsscheine

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  • Lieber Oliver Stock, liebe Handelsblatt Redaktion,
    es ist ein wenig ermüdend, wie penetrant Sie bei den Hebelprodukten und insbesondere bei den CFDs immer wieder diese Zocker-Argumentation bringen. Was damit bezweckt werden soll, müsste wirklich einmal genauer ausgeleuchtet werden. In der Printausgabe lief das Rahmenthema Spekulieren dann ja auch gleich parallel mit Spielbanken, Rennpferden und Poker. Ich habe den Eindruck, dahinter steckt eine tiefere Ideologie, die der sachlichen Information nicht unbedingt zuträglich ist. Jedenfalls geben Ihre Argumente diese negative Heuristik nicht her. Ich muss leider anmerken, dass Ihre zitierten Studien zum (Miss-)Erfolg der Daytrader (Brad Barber et al) nicht aussagekräftig sind für die vorgestellten (Zocker-)Produkte wie Optionsscheine, Knock-Outs und CFDs. Jedenfalls soweit ich die Studien finden konnte, beziehen sie sich auf Handelsaktivitäten über die Börse von Taiwan der Jahre 1992 bis 2006. Die oben genannten spekulativen Produkte werden aber in der Regel außerbörslich gehandelt - also Over the Counter. Früher sagte man Telefonhandel dazu. Übrigens ist die letzte mir bekannte Studie im Mai 2011 erschienen. Die Daten und Ergebnisse sind also nicht gerade brandheiß. Es könnte vielleicht schon sein, dass die Misserfolgsquoten bspw. bei privaten CFD-Tradern ähnlich sind wie bei den analysierten Börsen-Daytradern in Taiwan bis 2006. Nur, Ihre genannten Studien treffen genau darüber keine Aussagen und ich finde es journalistisch nicht in Ordnung, dass Sie den Unterschied zwischen Daytrading an der Börse und außerhalb der Börse nicht offen gelegt haben. Davon mag jeder halten was er mag.

  • Der Vollständigkeit halber: man kann nicht nur beachtliche Renditen erzielen, sondern auch beachtliche Verluste. Ausgenommen man arbeitet für das Casino.

  • Das Grundproblem von Privatanlegern beim Handel mit CFD's ist der Anleger selbst. Studien belegen, dass 80% nach ca. 3 Monaten handeln entweder pleite oder entnervt sind. Anfängliche Erfolge enden nur allzu häufig in strategielosem Gezocke bis das Depot leergefegt ist. (...)


    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

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