Kurse für Zertifikate und Hebelprodukte in Deutschland
Bear Stearns handelt wieder Zertifikate

Die US-Investmentbank Bear Stearns stellt seit Mittwoch wieder Kurse für ihre Zertifikate und Hebelprodukte in Deutschland. Neun Tage, nachdem der Handel ausgesetzt wurde, können Anleger die Produkte damit wieder an der Börse oder im Direktgeschäft mit der Bank handeln.

FRANKFURT. Die Konditionen sind allerdings nach wie vor extrem schlecht. Der Abstand zwischen An- und Verkaufskursen (Spread) liegt bei zahlreichen Zertifikaten bei 15 bis 20 Prozent. Zudem stellt Bear Stearns bis auf Weiteres nur noch von 9 bis 17.30 Uhr Kurse.

"Die Rücknahmepreise sind sicher nicht das, was die Kunden erwarten. Wir sind aber froh, dass wir überhaupt wieder Kurse stellen können", sagt Dirk Winkler, Managing Director bei Bear Stearns in Frankfurt. Die Bank hatte am Montag vergangener Woche den Handel mit ihren rund 350 in Deutschland notierten Zertifikaten und Hebelprodukten eingestellt, weil sie sich im Zuge der Beinahe-Pleite und der Notrettung durch JP Morgan nicht mehr in der Lage sah, reguläre Preise zu stellen.

Grund hierfür ist die Entwicklung der Refinanzierungsbedingungen für Bear Stearns. Am Markt für Kreditausfallswaps (CDS), der anzeigt, wie der Markt die Kreditwürdigkeit eines Emittenten einstufen, waren die Risikoaufschläge für Bear-Stearns-Papiere zeitweise bis auf 14 Prozent hochgeschnellt. Für die Zertifikatekurse ist das relevant, weil viele Produkte eine Anleihekomponente enthalten. "Wir müssen uns bei unseren Kursen auch am CDS-Markt orientieren, um hier Investoren keine Arbitragemöglichkeiten zu bieten", erklärt Winkler.

Inzwischen sind die Risikoaufschläge der CDS wieder gesunken, unter anderem, weil die Ratingagentur Standard &Poor's Bear Stearns von "BBB" auf "AA-" und damit auf das gleiche Niveau wie JP Morgan hochgestuft hat. Auch das von zwei auf zehn Dollar erhöhte Übernahmeangebot von JP Morgan dürfte stabilisierend gewirkt haben. Allerdings liegen die Risikoaufschläge mit 3,9 Prozent immer nach wie vor sehr hoch, was zeigt, dass die Investoren noch unsicher sind. So lange das so ist, dürften Experten zufolge auch die Spreads der Zertifikate hoch bleiben.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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