Kurzläufer
Zertifikate locken mit schnellen Renditen

Seit Anfang des Jahres ist es aus steuerlicher Sicht egal, wie lange Anleger ihre Wertpapiere halten. Die Zertifikatebranche hat hierauf reagiert und ihr Sortiment an kurz laufenden Produkten deutlich ausgeweitet. Viele Papiere locken mit für die kurze Anlagedauer attraktiven Renditen. Allerdings hat die Jagd nach dem schnellen Euro auch einige Haken.

DÜSSELDORF. Für die Emittenten am deutschen Zertifikatemarkt haben die ersten Wochen des Jahres auf den ersten Blick keine Veränderungen gebracht. Die Branche tut sich weiter extrem schwer, die durch die Finanzkrise und die Lehman-Pleite im Speziellen verunsicherten Investoren zurückzugewinnen. Unisono hört man aus den Banken Klagen über dünne Umsätze.

Wenn überhaupt, kaufen Anleger Discount-Zertifikate oder Hebelprodukte. Auf den noch vor Jahresfrist stark gefragten Bonuszertifikaten bleiben die Emittenten hingegen sitzen. Zu tief sitzen bei den Anlegern noch die Eindrücke von reihenweise gerissenen Sicherheitsbarrieren, die ihnen hohe Verluste einbrachten. In einigen Bereichen gibt es allerdings doch Verschiebungen in der Nachfrage der Kunden: So berichten Emittentenvertreter von einem - wenn auch auf niedrigem Niveau - wachsenden Interesse an Aktienanleihen, die durch die seit 1. Januar geltende Abgeltungsteuer besser gestellt werden.

Darüber hinaus werden auch kurz laufende Zertifikate mit einer Laufzeit unter einem Jahr verstärkt nachgefragt. Auslöser für den Umsatzschub ist auch hier die Abgeltungsteuer: Bis Ende 2008 mussten Anleger Gewinne aus den meisten Zertifikaten - ausgenommen Garantiepapiere - ebenso wie die aus Aktien mit ihrem individuellen Steuersatz versteuern, wenn sie die Papiere kürzer als ein Jahr hielten. Außerhalb dieser Spekulationsfrist waren die Erträge hingegen steuerfrei. Unter dem neuen Steuersystem entfällt diese Diskriminierung kurzfristiger Anlagen: Investoren zahlen nun auf Kursgewinne stets den einheitlichen Pauschalsatz von 25 Prozent zuzüglich Soli-Zuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer - unabhängig davon, wie lange sie ein Wertpapier vor dem Verkauf im Depot hatten.

Anleger komme die neue Regelung entgegen, ist Gregoire Toublanc, Zertifikateexperte bei BNP Paribas, überzeugt: "Es ist sehr schwer, sich für einen Zeitraum von einem Jahr und länger eine Meinung zu den Märkten zu bilden - erst recht in volatilen Zeiten wie aktuell", sagt er. "Wenn ich nur für wenige Monate investiere, brauche ich zwar auch eine Marktmeinung. Diese muss aber nicht so zugespitzt sein", fügt Toublanc hinzu.

Anziehende Umsätze bei Kurzläufern in den ersten Handelswochen zeigen, dass Anleger die Vorteile der Produkte zu schätzen wissen. Vor allem kurz laufende Discount-Zertifikate kommen gut an, berichtet Mathias Schölzel, Derivate-Experte der Deutschen Bank. In diesem Segment haben die Emittenten ihre Produktpalette auch bereits am stärksten ausgebaut. Waren früher März, Juni, September und Dezember typische Stichtage, an denen Zertifikate ausliefen, bieten einige Banken inzwischen bei Discountern Produkte mit Fälligkeit in jedem Monat an.

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