Lehman-Pleite
Neue Klagewelle in den USA

Verluste mit Lehman-Zertifikaten sind nicht nur in Deutschland ein heißes Thema. Erstmals muss jetzt auch in den USA eine Hausbank für Verluste des Kunden geradestehen. Das Urteil eines Schiedsgerichts hat zwar keine Präzendenzwirkung. Experten erwarten dennoch eine Flut weiterer Klagen.
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NEW YORK. US-Anleger können sich offenbar Hoffnung auf Schadensersatz durch ihre Hausbank für ihre Verluste aus der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers machen. Einem Privatinvestor wurden Ende vergangener Woche 200 000 Dollar von einer Schiedsstelle zugesprochen. Zahlen muss die Hausbank UBS, die ihm zwei Zertifikate von Lehman verkauft hatte. Die Papiere seien für einen Privatanleger nicht geeignet gewesen, hieß es zur Begründung.

Erwartet wird, dass nun viele Anleger dem Beispiel des Geschädigten folgen werden und ihre Hausbanken verklagen. Lehman Brothers war im Herbst 2008 wegen der Finanzkrise zusammengebrochen. In Deutschland schwelen ähnliche Konflikte zwischen Anlegern und ihren Hausbanken. Zuletzt hatten einige Institute, wie etwa die Frankfurter Sparkasse (Fraspa), den Kunden von sich aus ein Rückkaufangebot unterbreitet.

Schiedsspruch liefert weiteren Klägern Argumentationshilfe

Der nun in den USA entschiedene Fall war einer der ersten, der von der Aufsichtsbehörde Finra untersucht worden war. Nach US-Recht stellt der Schiedsspruch allerdings keinen Präzedenzfall dar. Entsprechend können sich andere Anleger darauf formaljuristisch nicht berufen. Trotzdem gibt die Entscheidung anderen Geschädigten eine Argumentationshilfe für künftige Klagen.

Erwartet werden nun weitere Klagen dieser Art. "Es sind viele ähnliche Fälle anhängig", sagte Jacob Zamansky, Anwalt bei Zamansky & Associates, der den ersten Fall durchgefochten hat. Er selbst vertritt noch ein Dutzend Lehman-Geschädigte. Steven Caruso, Anwalt bei Maddox, Hargett & Caruso, sagte dem "Wall Street Journal", er erwarte "Hunderttausende" von Fällen aus der Lehman-Pleite.

Die in diesem Fall betroffene type="unknownISIN" value="UBS AG">UBS erklärte, sie sei "enttäuscht" von der Entscheidung. Sie hatte argumentiert, die Verluste ihres Kunden seien einzig auf die Insolvenz von Lehman Brothers zurückzuführen gewesen, die alle Gläubiger getroffen habe. Zertifikate sind technisch betrachtet nichts anderes als Kredite mit exotischen Rückzahlungsbedingungen.

Kommentare zu " Lehman-Pleite: Neue Klagewelle in den USA"

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  • Dass es als Erstes die UbS trifft ist fast schon wieder lustig, da werden im Moment wohl all die schönen Gesetze tatsächlich angewandt, die man den heimischen Finanzinstituten und bundesstaaten wie Delaware bisher nicht zumuten wollte.

  • bisher hieß es immer der Verkauf von Zertifikaten dieser Art an Privatanleger war in den USA verboten. ich frage mich : Wurden in den USA also doch Zertifikate verkauft ?

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