Lehman-Zertifikate
Fraspa entschädigt jeden zehnten Lehman-Anleger

Die Frankfurter Sparkasse reagiert auf die Lehman-Pleite. Die Bank hat zehn Mio. Euro zurückgelegt, um Anleger zu entschädigen. Allerdings bekommt längst nicht jeder sein Geld.

FRANKFURT. Die Frankfurter Sparkasse (Fraspa) kommt die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers teuer zu stehen. Wie aus dem Umfeld der Sparkasse verlautete, entstehen ihr aus der Lehman-Insolvenz insgesamt Belastungen von rund 25 Mio. Euro. Zehn Mio. Euro habe die Fraspa für Entschädigungszahlungen an Anleger zurückgestellt, die in Lehman-Zertifikate investiert hatten. Zudem habe das Institut selbst 14,5 Mio. Euro mit Anleihen der amerikanischen Bank verloren.

Auf eine Entschädigung können insgesamt gut zehn Prozent der rund 5 000 betroffenen Fraspa-Kunden hoffen. In den Fällen, in denen Berater offensichtlich Fehler gemacht haben, weil sie die Anleger nicht ausreichend über die Strukturen der Produkte aufgeklärt haben oder Papiere verkauften, die nicht der Risikoklasse des jeweiligen Kunden entsprechen, zahlt die Fraspa nach Informationen aus Sparkassenkreisen den vollständigen Kapitaleinsatz zurück. Hinzu kommen 570 Anleger, bei denen sich die Haspa an den Verlusten beteiligt, um besondere wirtschaftliche Härten abzufedern. Wie hoch die Zahlungen an diese Gruppe sind, unterscheidet sich von Fall zu Fall.

Ein Sprecher der Fraspa wollte die Zahlen auf Anfrage nicht kommentieren. In den vergangenen Wochen hatte die Sparkasse angekündigt, dass sie einen Teil der Anleger entschädigen werde, gleichzeitig aber betont, dass die Masse der Kunden angemessen beraten worden sei. Weder habe man die Insolvenz von Lehman Brothers absehbar gewesen, noch seien die Zertifikate für die Anleger zu komplex gewesen, hieß es stets.

Da längst nicht alle für ihre Verluste von den Banken kompensiert werden, wird das Thema Lehman in den kommenden Monaten auch zunehmend die Gerichte beschäftigen. Eine Hand voll Urteile hat es bereits gegeben. Da es hier allerdings um sehr spezifische Fälle ging, haben die Urteile, die teils zu Gunsten der Banken, teils zu Gunsten der Anleger ausfielen, allerdings keinerlei Vorbildcharakter für die anstehende Prozessflut.

Einen kleinen juristischen Rückschlag mussten Lehman-Anleger diese Woche vor dem Hamburger Landgericht hinnehmen. Das Gericht vertagte die Entscheidung in einem Prozess gegen die Haspa. Ein 64-Jähriger, der 10 000 Euro in Lehman-Zertifikate investiert hatte, wirft der Bank Falschberatung vor und fordert Schadenersatz. Während der Vorsitzende Richter ursprünglich erklärt hatte, dass er eine Beweisaufnahme nicht für nötig halte und der Klage gute Erfolgschancen gebe, nahm er die mündliche Verhandlung nun wieder auf und regte gleichzeitig einen Vergleich zwischen den Parteien an.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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