Marktanalyse
Discountzertifikate werden unattraktiver

Nicht nur die Volatilität an den Aktienmärkten ist gesunken, auch das Bonitätsrisiko der Banken. Als Konsequenz daraus gibt es geringe Renditen bei Discountpapieren. Das lässt sich aus einer aktuellen Marktanalyse entnehmen.

Immer weniger kurzlaufende Discountzertifikte auf den Dax bieten im aktuellen Marktumfeld noch attraktive Konditionen. Nachdem der Dax fast zwei Wochen lang nahezu kontinuierlich zugelegt und einen neuen Jahreshöchsstand erreicht hat, sind die erzielbaren Renditen der Rabattpapiere deutlich zurückgegangen.

Das lässt sich aus der aktuellen Marktanalyse entnehmen, die wir seit Anfang des Jahres regelmäßig zur Verfügung stellen: Alle zwei Wochen veröffentlichen wir in Zusammenarbeit mit der Ratingagentur Scope und der European Derivatives Group die attraktivsten Discountzertifikate auf den deutschen Leitindex mit einer kurzen Restlaufzeit von maximal vier Monaten.

In jeweils zwei Tabellen führen wir die Discountzertifikate auf den Dax auf, die von Scope bzw. EDG mit besonders guten Ratingergebnissen bewertet werden (mindestens drei bzw. vier Sterne) - jeweils unterteilt nach Mindestdiscountklassen.

In der ersten Tabelle stammen die Rabattpapiere aus der Grundmenge aller in Deutschland gehandelten Discountzertifikate. In die zweite Tabelle schaffen es dagegen nur Papiere, deren Emittenten - gemessen an ihrem CDS-Wert - über eine deutlich überdurchschnittliche Bonität verfügen.

Im Vergleich zur vergangenen Auswertung sind die erzielbaren Seitwärtsrenditen der besten Produkte um bis zu 2,4 Prozentpunkte gesunken. So bietet das laut EDG attraktivste Produkt in der Klasse mit Discounts von mindestens zehn Prozent aktuell eine annualisierte Seitwärtsrendite von rund 10,5 Prozent (WKN: GS1185). Vor zwei Wochen lag diese Kennzahl des Zertifikats von Goldman Sachs noch bei 12,93 Prozent.

Neben der weiter gefallenen Volatilität an den Aktienmärkten schlagen sich auch weiter abnehmende Ausfallrisiken der Emittenten in den gestiegenen Kursen der Discountzertifikate nieder. Kein Emittent der zum Drittel mit den geringsten CDS-Werten - also Ausfallrisiken - gehört, überschreitet mittlerweile die Schwelle von 90 Punkten.

Weniger Sterne für Kurzläufer

Während der schwersten Marktturbulenzen im Zuge der Finanzkrise konnte dagegen kein einziges Kreditinstitut einen zweistelligen CDS-Wert vorweisen. Allein in den vergangen zwei Wochen verbesserten sich die CDS-Werte der Banken im Schnitt um mehr als zehn Prozent.

Weiteres Indiz dafür, dass Kurzläufer an Attraktivität eingebüßt haben: Kein Zertifikat mit einem Discount von mindestens 30 Prozent erreicht ein Scope-Rating von drei oder mehr Sternen - die entsprechenden Felder in der Tabelle bleiben in der aktuellen Auswertung leer.

Zertifikate-Ratings und Emittenten-Bonität

Scope-Rating

Scope errechnet auf Basis historischer Volatilitäten für jedes Zertifikat eine Renditeerwartung und bildet daraus ein Chance-Risiko-Verhältnis. Daneben gehen auch die Preisstellung des Emittenten sowie dessen Bonität in die Noten ein. Die Gesamtbenotung richtet sich nach einem Fünf-Sterne-Ranking und wird unter www.scope-zertifikate.de veröffentlicht.

EDG-Rating

Die European Derivatives Group bewertet Zertifikate zweistufig. Im ersten Schritt werden die Zertifikate auf ihre Eignung für verschiedene Anlegertypen untersucht. Grundlage hierfür ist die im Wertpapierhandelsgesetzes verankerte Risikoklassifizierung. Für jede Klasse bekommt ein Zertifikat eine gesonderte Rating-Note. Die andere Hälfte des Rating-Urteils basiert auf den vier Kategorien Bonität, Kosten, Handel und Informationsbereitstellung.

www.derivatives-group.com

CDS

Credit Default Swaps, kurz CDS, sind zentraler Maßstab für die Sicherheit der Emittenten. Sie stellen Finanzinstrumente dar, mit deren Hilfe sich Gläubiger auf den Finanzmärkten gegen den Ausfall von Krediten absichern können. Je höher die CDS-Werte für Kredite und Schuldverschreibungen (z.B. Zertifikate) eines Instituts, desto größer schätzt der Markt das Risiko ein, dass die Schuldnerbank pleite geht.

Georgios Kokologiannis ist Redakteur im Finanzteam des Handelsblatts, mit Sitz in Frankfurt am Main. Er studierte Betriebswirtschaftslehre in Düsseldorf mit Schwerpunkt auf Controlling und Marketingmanagement. Bereits während seiner Studienzeit wirkte der Diplom-Kaufmann erstmals an der Entwicklung des Handelsblatt-Onlineangebots mit. Seinen journalistischen Feinschliff erhielt der Kapitalmarktexperte an der Georg von Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten. Mit Geldanlage-Themen beschäftigt sich der Derivatespezialist für das Handelsblatt seit mehr als 17 Jahren. Dabei wurde er mit dem DDV-Preis für Wirtschaftsjournalisten ausgezeichnet und hat zuletzt vier Jahre lang das Musterportfolio der Redaktion verantwortet.
Georgios Kokologiannis
Handelsblatt / Finanzredakteur
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