Marktsituation mit niedriger Volatilität erlaubt attraktive Konstruktionen
Anleger greifen zu Bonuszertifikaten

Ein Sicherheitspuffer nach unten und volle Gewinnchancen nach oben – dieses Konzept lässt viele Anleger zu Bonuszertifikaten greifen. Im Mai zog das investierte Volumen der Papiere bei den fünf Emittenten, die Mitglieder des Lobbyverbandes Derivate Forum sind, um 8,8 Prozent an. Weil die Kursschwankungen (Volatilität) an den Aktienmärkten seit einiger Zeit auf einem historischen Tiefstand rangierten, lohnen sich die Papiere jetzt besonders.

DÜSSELDORF. Der Volatilitätsindex VDax notiert seit gut sechs Woche um 11,60 Punkte – weit entfernt von seinem 52-Wochen-Hoch von 23 Punkten im August 2004. Die Volatilität ist ein wesentlicher Einflussfaktor für den Preis von Optionen. Bei den aktuell geringen Schwankungen ist die Optionskomponente der Papiere (siehe Kasten) deswegen besonders günstig zu haben.

Zusätzlich sind die Dividenden im vergangenen Jahr kräftig gestiegen. Bei der Konstruktion von Bonuszertifikaten können Emittenten daher mit höheren erwarteten Dividenden und günstigeren Optionen kalkulieren. Die Folge: Die ausgebenden Banken statten ihre Bonuspapiere mit großzügigen Puffern nach unten oder einem stattlichen Renditeversprechen aus.

Eine Variante sind beispielsweise die „Deep Bonus“-Papiere von ABN Amro. Sie sind gegen Kursstürze des Basiswerts um 50 Prozent und mehr abgesichert. Diese Sicherheit geht allerdings zu Lasten der Performance: Beim aktuellen Kursniveau bieten von 14 Zertifikaten nur noch zwei einen Bonus. Steigen die Basiswerte, dann verdient der Anleger mit den Papieren nur noch am Kurs und verschenkt die Dividende.

Für Anleger, die stärker auf Rendite setzen wollen, lohnen sich generell Zertifikate mit kurzer Restlaufzeit, deren Basiswert in der Spanne zwischen Bonusschwelle und Knock-Out-Schwelle liegen. Beispielsweise bietet die französische Bank BNP Paribas zwei Zertifikate auf den EuroStoxx 50, die noch bis September 2007 laufen: In der dynamischeren Variante liegt das Absicherungsniveau bei 2 500 Punkten, den Bonus gibt es auf 3 600 Punkte (ISIN DE000BNP38U2), weniger Risiko und Bonus stecken in der Variante mit Puffer bei 2 300 Punkten und einem Bonus bei 3 400 Punkten (ISIN DE000BNP38V0).

„Es gibt momentan sehr gute Bonusstrukturen. Solche attraktiven Papiere sind nur auf Grund der aktuell niedrigen Volatilität darstellbar“, sagt Rune Hoffmann, Produktexperte der Stuttgarter Derivatebörse Euwax. Folge: Viele Anleger würden jetzt ihre Depots durchforsten und Aktien durch Bonuszertifikate austauschen. Besonders beliebt seien dabei die Zertifikate auf die Aktie von DaimlerChrysler. An der Euwax beziehen sich 123 Bonuspapiere unterschiedlicher Emittenten auf den Automobilhersteller.

Auch innerhalb reiner Zertifikate-Portfolios sind die Bonuspapiere auf dem Vormarsch. Matthias Wesseling, Geschäftsführer der Gelsenkirchener Sparkassen Private-Banking-Tochter hat in den Depots seiner Kunden von Discount- auf Bonuszertifikate umgeschichtet. „Gerade in den letzten Tagen haben wir Bonuszertifikate bei der Vermögensverwaltung stark genutzt“, sagt er.Die Gelsenkirchener liegen im Trend: Unter den Emittenten, die entsprechende Zahlen veröffentlichen, beträgt der Marktanteil von Bonus- und Teilschutzpapieren fast 14 Prozent. Mehr als fünf Mrd. Euro haben Anleger in die Papiere investiert.

Für Wesseling ist jetzt der richtige Zeitpunkt zum Einsteigen: Dass die Volatilität noch weiter fällt ist kaum wahrscheinlich, schon zeigten sich erste Anzeichen unruhigerer Börsen. Der Vermögensverwalter geht mittelfristig von Seitwärtsmärkten aus – „angesichts dieses Szenarios bieten die Papiere einen attraktiven Mehrwert für die Kunden. Entwickelt sich die Börse aber anders, dann bergen auch komfortabel ausgestattete Bonustitel Risiken. „Wenn es schief geht, dann gleich doppelt: Neben dem Kursverlust ist auch die Dividende weg.“

Für kurzfristig orientierte Anleger sind Discounter bei niedriger Volatilität die unattraktivere Anlageform. „Wer bei einem Discounter aber auf Endfälligkeit setzt, für den ist die Volatilität nicht so wichtig“, sagt Hoffmann. Im vergangenen Jahr seien die Papiere das Instrument der Stunde gewesen, weil die Märkte seitwärts liefen. In konservativen Portfolios seien sie auch weiterhin ein attraktiver Bestandteil.

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