Messgröße drückt Risiken in Zahlen aus
Der "Value at Risk"-Ansatz

Eine Messgröße für die Risiken von Wertpapieren stellt der Maßstab "Value at Risk“ dar. Er berücksichtigt dabei auch Haltedauer und Risiko-Wahrscheinlichkeit.

Der Value at Risk-Ansatz (VaR) wurde als finanzwirtschaftliche Methode entwickelt, mit der Risiken für die Geldanlage erfasst werden. Die Wertentwicklung von Aktien etwa wird beeinflusst von allgemeinen Marktrisiken, zum Beispiel Änderungen der Inflationsrate oder der Zinsen, Schwankungen der konjunkturellen Entwicklung, Wechselkursschwankungen oder der Volatilität der Märkte.

Der Maßstab VaR wird entweder in Euro-Beträgen oder auch in Prozent angegeben. Dabei wird festgelegt, wie lange das Geld investiert bleiben soll (Haltedauer). Denn einige Geldanlagen schwanken zwar kurzfristig kaum in ihrer Wertentwicklung, langfristig aber durchaus. Üblich sind zehn Handelstage. Außerdem wird das so genannte Konfidenzniveau bestimmt. Es definiert die Wahrscheinlichkeit, mit der ein potenzieller Verlust die Höhe des angegebenen VaR überschreitet.

Beispiel: Der VaR beträgt zwei Prozent, wahlweise 200 Euro (bei einem Anlagebetrag von 10.000 Euro). Das Konfidenzniveau liegt bei 99 Prozent, das heißt: Mit einem Prozent Wahrscheinlichkeit übersteigt der potenzielle Verlust die Höhe des angegebenen Value at Risk von 200 Euro. Anders ausgedrückt: Das Zertifikat wird in den nächsten zehn Tagen mit einer Wahrscheinlichkeit von 99 Prozent nicht mehr als zwei Prozent seines ursprünglichen Wertes von 10.000 Euro verlieren. Neben der Haltedauer von zehn Tagen berechnet die EBS für die Mitglieder des Derivate Forums den VaR auch für eine Haltedauer von einem Jahr.

Da sich Risiken nie zu 100 Prozent vorhersagen lassen, Anleger aber ein möglichst geringes Restrisiko haben wollen, wird meist ein hohes Konfidenzniveau gewählt, etwa besagte 99 Prozent. Der VaR ermöglicht auch eine Einschätzung von Risiko-Änderungen. Steigt etwa der VaR im Beispiel von 200 auf 250 Euro, so ist damit auch das Risiko eindeutig gestiegen.

Bislang wurde der VaR überwiegend von Banken zur Berechnung ihrer Handels- und Kreditrisiken sowie von Versicherungen und institutionellen Asset-Managern eingesetzt. Auch die Derivateverordnung für Institutionelle Anleger fordert den VaR – abgeleitet aus Grundsatz I des KWG – mit eben dem genannten Konfidenzniveau von 99 Prozent und einer Haltedauer von zehn Tagen. Die Banken müssen den VaR ihres aktuellen Portfolios täglich neu berechnen und regelmäßig der Bankenaufsicht melden.

Unter » www.derivate-forum.de können Anleger den VaR von derivativen Wertpapieren berechnen (siehe "Risiko-Barometer“).

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