Mit V-Dax-Zertifikaten spekulieren Anleger auf steigende Aktienkursschwankungen
Von zunehmender Nervosität profitieren

Bislang waren stark schwankende Aktienkurse die erklärten Feinde der Anleger. Denn je höher die so genannte Volatilität, desto größer das Risiko für das eigene Investment. Mit dem Volatilitätszertifikat von Merrill Lynch können Anleger den Spieß nun umdrehen.

FRANKFURT/M. Es setzt auf Kursschwankungen deutscher Aktien – steigt die so genannte Vola zum Laufzeitende des Papiers, macht es Gewinn. Da höhere Kursschwankungen meist von fallenden Aktienkursen begleitet werden, soll das Zertifikat auch Verluste im Depot abfedern.

Und so funktioniert es: Der Anleger kauft ein Zertifikat auf den V-Dax. Das ist ein vom Terminmarkt abgeleitetes Messinstrument für die erwartete Schwankungsbreite deutscher Aktien. Am Ende der Laufzeit des Zertifikats bekommt sein Besitzer den dann aktuellen Stand des V-Dax ausbezahlt. Steigt das Vola-Barometer beispielsweise auf dann 30 Prozent, was ziemlich genau dem Durchschnitt der vergangenen drei Jahre entspricht, erhalten Investoren pro Zertifikat 30 Euro. Von Merrill Lynch und der Société Générale gibt es weitere V-Dax-Zertifikate, die sich allesamt nur in ihrer Laufzeit unterscheiden.

Eine Wette auf steigende Volatilität wirkt attraktiv, denn mit aktuell knapp 17 Prozent notiert der V-Dax extrem niedrig – normal sind Werte zwischen 20 und 30, nach Katastrophen oder Terroranschlägen steigt das Nervositätsbarometer auch schon mal über 50.

„Anleger müssen beachten, dass sie mit diesem Zertifikat nicht direkt den V-Dax kaufen. Von einer höheren Volatilität profitieren sie nur am Laufzeitende. Vorher tritt das Papier zuweilen auf der Stelle, auch wenn der V-Dax steigt“, warnt Pascal Seppelfricke von der auf Zertifikate spezialisierten Vermögensverwaltung Rhein Asset Management AG. Der Grund: Das Zertifikat orientiert sich während der Laufzeit nicht am V-Dax, sondern an dessen Unterindizes. Dadurch macht es kurzfristige Schwankungen des V-Dax nicht so stark mit.

Sylvianne Heinemann vom Emittenten Merrill Lynch unterstreicht denn auch die Möglichkeit, mit V-Dax-Zertifikaten sein Depot breiter aufzustellen und Dax-Werte gegen Kursverluste abzusichern. „Wer in den letzten zwölf Jahren 90 Prozent in den Dax und zehn Prozent in den V-Dax gesteckt hat, hat 2,13 Prozent jährlich mehr im Depot als wenn er nur in den Aktienindex investiert hätte“, zitiert sie eine Studie. Außerdem ergebe sich ein vermindertes Risiko um 23,5 Prozent, wenn man einem Dax-Portfolio einen zehnprozentigen Anteil an V-Dax-Zertifikaten beimischte.

Vermögensverwalter Seppelfricke sieht das Absicherungsargument kritischer: Mit Dax-Verkaufsoptionsscheinen (Puts) sichern sich Anleger seiner Meinung nach umfangreicher und effektiver gegen nachgebende deutsche Aktien ab. Dennoch haben Volazertifikate Konjunktur: Bei der Citigroup können Anleger noch bis 5. Juli solch ein Produkt auf den Euro-Stoxx-50 zeichnen.

Quelle: Heike Herbertz
Petra Hoffknecht
Handelsblatt / Redakteurin
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