Möglichkeit für Beraterhaftungsklagen
Anwälte prüfen Ansprüche bei Lehman-Zertifikaten

Für Anleger, die in Zertifikate von Lehman Brothers investiert haben, geht die Zitterpartie weiter. Informationen, ob und in welchem Umfang Gelder, die in den Produkten angelegt sind, zurückgezahlt werden können, gibt es nach wie vor nicht. Ein Sprecher der Bank konnte nicht sagen, wann es konkrete Ergebnisse gebe. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz hat eine Hotline eingerichtet.

FRANKFURT. Lehman Brothers zählt in Deutschland mit einem Marktanteil von deutlich unter einem Prozent zu den kleinen Emittenten von Zertifikaten. Die Bank hat rund 170 Papiere ausstehen. Neben den selbst vertriebenen Emissionen hat sie auch in Kooperation mit Sparkassen, Volksbanken oder Privatbanken Zertifikate an den Mann gebracht.

Als Inhaberschuldverschreibung bieten Zertifikate im Insolvenzfall keinen Einlagenschutz. Sie werden allerdings wie alle nicht vorrangigen Verbindlichkeiten behandelt, sodass zumindest eine Teilrückzahlung realistisch erscheint. Eine komplette Kompensation schließt Carsten Heise, Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) hingegen zurzeit aus. Die Anlegerschutzorganisation rät Besitzern von Lehman-Zertifikaten, mögliche Ansprüche schon jetzt zu prüfen und bietet unter der Hotline 0211/669702 Unterstützung an, unter anderem stünden Juristen für Einzelfallprüfungen zur Verfügung.

Auch andere Juristen haben den Fall Lehman Brothers für sich entdeckt. So sehen die Anwälte von Nieding + Barth die Möglichkeit für Beraterhaftungsklagen. Sie empfehlen Anlegern, die ab März dieses Jahres auf Empfehlung ihrer Bank oder eines Vermögensverwalters Anlageprodukte von Lehman gekauft haben, mögliche Schadenersatzansprüche genau zu prüfen. "Wem nach März 2008 ein Lehman Brothers Investment angeraten wurde, den hat man ins fallende Messer greifen lassen", erklärt Rechtsanwalt Klaus Nieding.

Der mögliche Ausfall von Lehman Brothers als Gläubiger wirft auch ein Schlaglicht auf die gesamte Zertifikatebranche. Denn Sicherheit ist ein zentrales Argument, mit dem die Emittenten der Produkte in den vergangenen Jahren auf Kundenfang waren. Verkaufsschlager wie Garantiezertifikate oder Bonuszertifikate bieten Anlegern einen kompletten oder partiellen Schutz gegen Kursverluste - allerdings nur, wenn der Emittent am Ende der Laufzeit die Produkte auch zurückzahlen kann.

Der Deutsche Derivateverband (DDV) gibt sich in der aktuellen Situation sehr wortkarg. Einen Kommentar zum Fall Lehman lehnt der DDV bisher ab. Am Freitag verschickte er lediglich eine Pressemitteilung, in der er noch einmal darauf hinwies, dass es sich bei Zertifikaten um Schuldverschreibungen handele und die Bonität der Emittenten eine wichtige Rolle spiele. Immerhin kündigte der Verband an, dass er künftig neben den Bonitätsratings der Emittenten auch deren Credit Default Swaps, also die Prämien für Kreditausfallversicherungen, ausweisen wird.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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