Momentum-Zertifikate
Immer den Besten hinterher

"Simpler geht's nimmer", so ließe sich wohl auf den ersten Blick das beschreiben, was in Fachkreisen als "Momentum-Strategie" bezeichnet wird.

Da auch sie kein Patentrezept zur schnellen Geldvermehrung darstellt, lohnt sich bei Momentum-Zertifikaten eine kritische Prüfung der Renditeaussichten. Nur wenige scheinen die Erwartungen langfristig zu erfüllen. Denn die in der Wissenschaft so oft untersuchte Anlagevariante bedeutet bei Tageslicht betrachtet nichts anderes als: "Was in der Vergangenheit gut gelaufen ist, wird dies wohl auch in Zukunft tun."

Die Umsetzung einer Momentum-Strategie ist am Ende nicht einfach. Das liegt an den weitreichenden Möglichkeiten, wie man diese simple Grundidee umsetzen kann. Anleger müssen Zeitraum und die Gesamtheit der auszuwählenden Werte sowie Faktoren für Ein- und Ausstieg bestimmen.

Die grundlegenden Erkenntnisse dazu hat Ende der sechziger Jahre der amerikanische Wissenschaftlicher Robert Levy mit seiner "Theorie der relativen Stärke" herausgefunden. Er zählte bei 200 Aktien jeweils die Schlusskurse der letzten 26 Wochen zusammen, teilte diese durch 26, um anschließend den Durchschnittskurs zu erhalten. Anschließend teilte er den aktuellen Kurs durch den Durchschnittskurs. Eine Zahl größer als eins bedeutete ein Kaufsignal: "Diese Aktie hat sich im letzten halben Jahr überdurchschnittlich entwickelt, wegen des Herdentriebes an den Märkten wird sie das auch weiter tun", lautete die Erkenntnis.

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Über die Jahrzehnte hinweg führte die simple Theorie auffällig oft zum Erfolg. Dabei soll jedoch nicht unterschlagen werden, dass die Strategie in einigen Zeiträumen über Jahre hinweg nicht aufging. Beispielsweise dann, wenn es am Aktienmarkt zu einem rapiden Kurssturz kam. Dann litten meist die Werte besonders, die zuvor zu den besten gehörten, etwa Eon und MAN bei Kursturbulenzen Mitte des vergangenen Monats.

Für den Anleger gibt es im Wesentlichen drei Varianten, um auf die Momentum-Strategie zu setzen. Die erste und zugleich einfachste ist die Direktanlage in Aktien, Fonds oder Zertifikate, die in der Vergangenheit die besten Renditen erzielt haben. Vorteil dabei: Wer hier per Computer und einfachem Tabellenkalkulationsprogramm die interessantesten Titel selbst aussucht, der spart nicht nur Geld für den Vermögensverwalter, er hat auch das Gefühl der Unabhängigkeit. Weiterer Vorteil: Wer auf die jüngsten Siegeraktien setzt, ist an Unternehmen beteiligt, deren Gewinnaussichten sich im letzten Jahr deutlich verbessert haben. Wesentliche Nachteile sind der hohe Zeitaufwand und die Gebühren, die bei Umschichtungen anfallen.

Nach Levys Theorie sollen Anleger die besten fünf bis sieben Prozent einer Rangliste von Aktien kaufen, aus den 30 Dax-Werten also die besten zwei der letzten sechs Monate. Sobald das geschehen ist, muss erstens überprüft werden, ob die beiden Aktien in den Folgewochen unter einen bestimmten Rang fallen. Bei Levy ist dies das letzte Drittel. Dann muss verkauft und mit dem Geld in neue Spitzenreiter investiert werden.

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Die Theorie aus den sechziger Jahren gilt übrigens noch heute. Vor kurzem hat sie der Lehrstuhl des Mannheimer BWL-Professors Martin Weber in einer Studie bestätigt. Nun mag es nicht wenige Anleger geben, die zwar Gefallen an diesem Anlagestil gefunden haben, denen die Rechnerei und der damit verbundene Zeitaufwand aber zu viel ist. Für sie haben die Produktentwickler der Banken als zweite mögliche Anlagevariante jede Menge Fonds und Zertifikate parat.

Gerade bei Fonds zeigt die Momentum-Strategie große Erfolge. Mit dem Finter Fund European Equities und Invesco European Core waren im vergangenen Jahr zwei Fonds an der Spitze aller 323 europäischen Standardwertefonds, die sich unter anderem dieser Theorie bedienen. Eine Kursentwicklung von 35,74 Prozent schaffte Placido Albanese, Fondsmanager beim Schweizer Bankhaus Finter, bei Michael Fraikins Invesco-Fonds waren es 33,48 Prozent. Albanese erreichte dieses Ergebnis mit einem Mix aus Momentum-Strategie und der Auswertung von Fundamentaldaten aus den Unternehmen. Ähnlich geht Michael Fraikin vor: "Für jede Aktie des Anlageuniversums wird ein Attraktivitätswert anhand der vier Indikatoren Gewinnrevision, relative Stärke, Management-Verhalten und Bewertung ermittelt", sagt er.

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