Multi-Zertifikate
Der Sieger bekommt alles

Multi-Zertifikate, also Anlageprodukte, die sich auf mehrere Basiswerte statt auf einen beziehen, sind seit einigen Monaten die Verkaufsschlager am Zertifikatemarkt. Kaum ein Emittent hat sich diesem Trend verschlossen, denn die Motivation ist einfach.

FRANKFURT. Durch die Kombination mehrerer Basiswerte können die Emittenten bei Bonus-, Discount- oder Express-Zertifikaten optisch wesentlich attraktivere Strukturen basteln, also ihre Produkte mit höheren Kupons oder komfortableren Sicherheitspuffern versehen.

Einen Haken haben die Multi-Produkte allerdings: Die besseren Renditechancen erkaufen sich Anleger mit einem deutlich höheren Risiko. Entscheidend für die Rückzahlung des Kapitals am Laufzeitende ist nämlich stets die Entwicklung des schlechtesten der drei oder vier Basiswerte.

Im Extremfall kann diese "Worst-of"-Struktur dazu führen, dass zwei von drei Aktien im Korb positive Erträge liefern, der Anleger aber dennoch Verluste erleidet, weil die dritte Aktie nach unten ausbricht. Dass die Gefahr von Verlusten bei Multi-Zertifikaten durchaus real ist, haben die ersten Monate dieses Jahres gezeigt, in denen zum Teil selbst üppige Sicherheitsbarrieren von 40 oder 50 Prozent durchbrochen wurden.

Einige Emittenten haben auf diese Entwicklung reagiert und das Konzept der Multi-Zertifikate weiterentwickelt. Als erste Bank hat Sal. Oppenheim vor einigen Wochen Discount-Zertifikate auf mehrere Basiswerte emittiert, bei denen nicht der schlechteste, sondern der beste Wert die Rendite bestimmt.

Dabei kaufen Anleger die Zertifikate wie bei Discountern üblich mit einem Rabatt auf den Nennwert. Am Ende der Laufzeit entscheidet aber nur die Wertentwicklung der besten Aktie im Korb darüber, wie hoch die Rückzahlung des Anlegers ausfällt - unabhängig davon, wie die anderen Titel gelaufen sind. "Letztendlich drehen wir damit die Idee der klassischen Multi-Zertifikate einfach um", erklärt Christopher Maaß, Derivate-Experte bei Sal. Oppenheim.

Inzwischen haben die Banken das Best-of-Prinzip auch auf einige andere Zertifikatestrukturen ausgeweitet. So haben Sal. Oppenheim und Merrill Lynch Best-of-Bonuszertifikate auf den Markt gebracht, bei denen Anleger am Ende der Laufzeit einen festen Bonus erhalten, wenn sich mindestens eine Aktie stets oberhalb einer fixen Sicherheitsschwelle gehalten hat.

BNP Paribas, Lehman Brothers und Merrill Lynch wenden den neuen Mechanismus mittlerweile auch bei Express-Zertifikaten an. Hier können Anleger an festgelegten Stichtagen einen fixen Kupon erzielen, wenn die beste Aktie bis dahin mindestens auf ihrem Ausgangskurs liegt. Gelingt dies nicht, gibt es am nächsten Stichtag eine neue Chance. Erst wenn das Ziel auch am Ende der Laufzeit verfehlt wird, verfällt die Renditechance. Notiert eine der Aktien unter einer vorab festgelegten Sicherheitsbarriere, drohen dann sogar hohe Verluste.

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