Nach dem Markteinbruch
Zertifikate 2009: Kompliziert ist out

Nach der Pleite von Lehman Brothers ist am deutschen Zertifikatemarkt nichts mehr, wie es einmal war. Die Anleger flüchten aus den einst als Allheilmittel gefeierten Produkten, die Emittenten bauen Stellen ab. Die Zukunft sehen Branchenvertreter in einer Rückbesinnung auf einfache Strukturen, die die Anleger auch verstehen.

FRANKFURT. Ganz bescheiden spricht Ralph Stemper von den Perspektiven der Zertifikatebranche im Jahr 2009. "Erst wenn das gesamte Finanzsystem wieder das Vertrauen der Investoren genießt, können auch wir aufatmen", sagt der Produktmanager von der Commerzbank. Neben der Deutschen Bank ist sein Institut gemessen am Umsatz mit Anlage- und Hebelprodukten zwar immer noch Marktführer in Deutschland. Ein Marktführer allerdings in einer totgeglaubten Branche. Denn nach der Rettung von Bear Stearns und der Pleite von Lehman Brothers fiel der Umsatz mit Zertifikaten an den deutschen Börsen rapide. Die Investoren haben kein Vertrauen mehr in strukturierte Produkte.

Allein im Oktober 2008 flossen knapp 24 Mrd. Euro aus dem Gesamtmarkt Zertifikate. Das Minus von rund 21 Prozent innerhalb nur eines Monats war ein Schock. Und von dem hat sich die erfolgsverwöhnte Branche bis heute nicht erholen können. Selbst eingefleischte Fans strukturierter Produkte halten sich seitdem mit Neuinvestitionen zurück.

Nichts geht mehr in dem ehemals gewinnversprechenden Zertifikatemarkt. Doch die aktuelle Statistik des Deutschen Derivate Verbandes (DDV) lässt auf eine Erholung hoffen. So fiel im vergangenen November zwar das Anlagevolumen um weitere 2,8 Mrd. auf knapp 71 Mrd. Euro. Doch nach dem heftigen Einbruch im Oktober 2008 spricht der DDV-Geschäftsführer Hartmut Knüppel jetzt von einer Stabilisierung des Marktes. Der Verband erfasst erstmals auch die Umsatzzahlen der Commerzbank und vertritt so 85 Prozent der deutschen Zertifikatebranche. Auf alle Emittenten hochgerechnet beträgt das Gesamtvolumen per Ende November rund 83,3 Mrd. Euro. Im Jahr zuvor waren es noch knapp 135 Mrd. Euro.

"Discountzertifikate gehen nach wie vor gut", sagt Nicolai Tietze von der Deutschen Bank. Der Derivateexperte sieht die Branche geläutert: Für ihn stehen jetzt die Preise der Produkte im Vordergrund. "Möglichst einfach und effektiv sollen Zertifikate 2009 sein", sagt er. Die Zeiten komplizierter Strukturen und aufwendiger Sicherungsmechanismen seien vorbei. Denn die haben private Investoren meist nicht verstanden und mit etwaigen Verlusten nicht gerechnet. Selbst der ein oder andere Anlageberater in der Bankfiliale ahnte nicht, wie hoch das Risiko der Papiere in einem stark schwankenden Marktumfeld wirklich ist.

Seite 1:

Zertifikate 2009: Kompliziert ist out

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%