Nach den Aktienrekorden
Warten auf den Dax-Knick

Die Aktienkurse steigen – sehr zum Ärger vieler Anleger. Denn wer jetzt nicht bereits Aktien hat, wartet auf günstigere Kurse. Kommen die noch? Und wenn ja, wie tief wird der Dax vor einem weiteren Anstieg fallen?
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DüsseldorfDer Dax hat zum ersten Mal seit seinem Bestehen die Marke von 9000 Zählern überwunden. Kommt jetzt die Korrektur oder steigt das deutsche Börsenbarometer weiter Richtung 10.000 Punkte? Trotz der derzeit ungebremsten Aufwärtsbewegung rechnen viele Experten mit einer weiteren Fortsetzung der Aktienrally, solange die US-Notenbank Fed mit ihren Anleihekäufen weiterhin den Markt mit Geld flutet.

Anleger hatten vor der Sitzung der Notenbank am Mittwoch befürchtet, dass möglicherweise der Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik bevorsteht. Doch es gab Entwarnung: Sobald wird sich am Kurs der Fed nichts ändern.

Hinzu kommt, dass bei den aktuell niedrigen Zinsen Investmentalternativen fehlen. Marcus Vitt, Vorstandssprecher der Privatbank Donner & Reuschel, prognostiziert beispielsweise, dass 2014 die 10.000 Punkte überschritten werden und der Dax am Ende bei rund 9700 Punkten steht. Auch die Bewertungen zeigen das Aufwärtspotenzial: Laut Bloomberg ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis - bezogen auf den von Analysten prognostizierten Gewinn für 2013 - bei etwa einem Drittel der Unternehmen niedriger als 14. Die Zahl 14 halten Experten für eine faire Bewertung.

Die Stimmung an den Märkten spricht also gegen einen Absturz. „Als ungeliebte Hausse könnte diese Marktphase in die Geschichte eingehen - wohl weil die meisten Investoren nur zusehen und weiter auf einen Rücksetzer hoffen“, meint Gianni Hirschmüller vom Forschungsinstitut Cognitrend. Das Unternehmen erhebt im Auftrag der Börse Frankfurt die Markterwartungen der Teilnehmer und interpretiert die Ergebnisse unter Beachtung von Erkenntnissen aus der verhaltensorientierten Kapitalmarktanalyse, der Behavioral Finance.

Die Dax-Rally sei zwar in den Medien angekommen, die Marktteilnehmer bleiben aber pessimistisch, lautet das aktuelle Fazit von Hirschmüller. Je mehr Anleger pessimistisch gestimmt sind, desto weniger sind sie bereits investiert. „Was die Akteure sich derzeit wünschen, scheint ziemlich klar: einen Rückschlag, eine Gelegenheit zum Wiedereinstieg. So geduldig wie sie warten, scheinen sie sich ihrer Sache sicher zu sein, diese Chance auch wirklich zu bekommen und sich so noch rechtzeitig für eine Jahresend-Rally positionieren zu können“, meint Hirschmüller. „Aber manche Wünsche gehen ja bekanntlich erst an Weihnachten in Erfüllung.“

Bedeutende Warnhinweise

Im Gegenzug gibt es auch einige Warnzeichen, dass das Risiko für Kursrückschläge zumindest kurzfristig steigt. Nicht umsonst hat Norwegens Staatsfonds Anfang der Woche erklärt, er werde neue Zuflüsse nicht für den Kauf weiterer Aktien verwenden. Der weltweit größte Fonds seiner Art bereite sich vielmehr auf eine Korrektur der Aktienkurse vor.

Auch die zuletzt markierten Rekordstände des Dax gehen mit sinkenden Handelsumsätzen einher. Und das bisher jüngste Allzeithoch Anfang dieser Woche wurde begleitet von einem weiter abnehmenden Marktvolumen. Laut Experten der Hessischen Landesbank (Helaba) sei dies ein Zeichen dafür, dass Investoren, die bisher nicht dabei waren, die vermeintlich hohen Kurse nicht mehr bezahlen wollten. Und was sagt die Charttechnik? Chartexperte Frederik Altmann hat den deutschen Leitindex analysiert und kommt zu dem Schluss: „Aus charttechnischer Sicht spricht nichts gegen weiter steigende Kurse.“

Zwar seien die weiteren Ziele auf dem bisher noch nicht durchlaufenen Kursniveau - dem sogenannten „uncharted territory“ - technisch nicht ganz eindeutig bestimmbar, der Analyst macht sich aber Hilfsmittel zu Nutze. „Der jüngste Aufwärtsimpuls seit Anfang September ist nach einer kurzen Konsolidierung wieder aufgenommen worden und sollte in der aktuellen Aufwärtsbewegung regulär ausgeweitet werden“, erläutert Altmann. „Hieraus ergibt sich ein Kursziel von 9580 Punkten, das bis zum Jahresende getestet werden sollte.“ Dieses Ziel wird auch durch den Trendkanal unterstützt – gebildet aus der unteren Aufwärtstrendlinie und der oberen Begrenzungslinie entlang der Hochpunkte vom März 2012 und Mai 2013.

Altmann will aufgrund des jüngsten Spurts und der deshalb heiß gelaufenen Markttechnik Rücksetzer aber nicht ganz ausschließen. Doch aktuell werden Kursrückgänge zum Kaufen genutzt. Aus charttechnischer Sicht ist das Risiko eines Rückschlags seiner Meinung nach auf 8770 bis maximal 8577 Punkte begrenzt, zumal Anleger Kursrückgänge derzeit schnell zum Einstieg nutzten. „In diesem Bereich käme es zu einem technisch gesunden Test des Aufwärtstrends“, erläutert er. Hinzu komme die steigende 200-Tage-Durchschnittslinie, die sich als weitere Begrenzung diesen Punkten annähert (siehe Grafik).

Direkt einsteigen oder Korrektur abwarten?

Direkt einsteigen oder die Korrektur abwarten? Diese Frage stellen sich derzeit einige Anleger, die auf weiter steigende Kurse beim Dax setzen möchten. Eine Alternative können Bonuszertifikate darstellen, da diese Produkte einen Teilschutz bei möglichen Kursrückgängen bieten. Anleger erzielen damit bereits eine Rendite, solange während der gesamten Laufzeit eine Barriere niemals berührt oder unterschritten wird. Laut dieser Chartanalyse sollte die Barriere dann unterhalb der Marke von 8577 Zählern liegen.

Ein Produkt mit entsprechenden Konditionen bietet die US-Bank Goldman Sachs (WKN GT6F2N). Die Barriere liegt bei 8450 Zählern, die Laufzeit endet am 25. Juni 2014. Sollte der Dax bis dahin niemals die Schwelle berühren oder unterschreiten, erhalten Anleger zum Ende der Laufzeit 100 Euro zurück. Angesichts des aktuellen Kurses von gut 92 Euro ist eine Rendite von zwölf Prozent p.a. 100 Euro auch gleichzeitig der maximale Rückzahlungsbetrag.

Bonuszertifikate ohne Gewinnbegrenzung mit ähnlicher Laufzeit und der gleichen Barriere gibt es auch, allerdings ist dann die Bonusrendite sehr gering. Bei einem weiteren Produkt von Goldman Sachs (WKN GT6EKL) liegt die jährliche Bonusrendite knapp unter einem Prozent. Im Gegenzug profitieren Anleger von steigenden Kursen oberhalb der Marke von 9200 Zählern. Verluste entstehen erst, wenn der Dax die Schwelle von 8450 Punkten berühren sollte.

Anleger, die zu mehr Risiko bereits sind, können davon, falls dieses charttechnische Szenario eintritt, auch mit Sprint- oder Outperformancezertifikaten profitieren. Der Vorteil bei diesen Produkten: Gewinne werden über einer gewissen Marke gehebelt, Kursrückgänge nicht. Fällt der Dax unter dieser Marke beispielsweise um zehn Prozent, verlieren diese Produkte ebenfalls nur zehn Prozent.

Falls Anleger bei den aktuellen Kursständen einsteigen wollen: Den passenden „Sprinter“ mit einer Laufzeit bis Ende des Jahres bietet die Commerzbank (WKN CZ9SGF). Das Derivat mit einer Laufzeit bis zum Jahresende verdoppelt die Dax-Kurssteigerungen in der Spanne zwischen 9000 und 9400 Punkten. Von Gewinnen oberhalb von 9400 Zählern profitieren Anleger nicht mehr.

Wer erst nach einer Korrektur die Gewinne hebeln möchte, sollte eher auf Outperformance-Produkte zurückgreifen. Denn Sprinter bieten keine passende Spanne für dieses Szenario. Der „Outperformer“ der Deutschen Bank (WKN DE04S5, Laufzeit bis April 2015) multipliziert steigende Dax-Notierungen ab der Marke 8600 Punkte mit dem Faktor 1,5.  

Jürgen Röder
Jürgen Röder
Handelsblatt / Redakteur Finanzzeitung

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  • Nur Mut, in einen steigenden Markt zu kaufen bei niedrigsten Zinsen bietet die beste Gewinnwahrscheinlichkeit und die beginnende Berichterstattung zu den vermeindlichen Übertreibungen an der Börse wird wie immer neue Käuferschichten animieren. Das kann noch einige Monate anhalten. Für den Ausstieg gibt es verlässlichere Signale der Trendwende. Nur Mut. (rs-depot.de)

  • Stimmt, die Deutschen sind echt dämlich, denn sie ARBEITEN für ihren Wohlstand.

    Im Gegensatz dazu sind die schlauen Spanier, Franzosen und besonders die Engländer und die USA, die lieber mit Völkermord und Massaker (Koloniales Verhalten) zu Wohlstand gekommen sind. Das sind die Länder, die eine wirkliche Kultur der Erdbevölkerung gebracht haben (Kultur der Massenmörder und Schmarotzer).

  • Charttechnik hat etwas mit gewissen Wettervorhersagen zu tun, z. B. folgenden:

    Kräht der Hahn auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder es blebt wie es ist.

    der

    Regen im Mai, April vorbei


    Und die allermeisten, die hier schreiben, dürften nicht verstanden, dass der DAX jedes Jahr im Mittel etw um 3 % jedes Jahr steigen muss, weil die Aktien sonst Jahr für Jahr billiger werden (Stichwort Dax als Performance Index).

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