Nach Erdogans Wahlsieg
Würden Sie diesem Mann Ihr Geld leihen?

Am Ende hat die Börse immer recht: Investoren ließen die Türkei nach der Wahl Erdogans kurz hochleben – und dann abstürzen. Lesen Sie, warum sich die Pessimisten mit ihrer Meinung bislang durchsetzen.
  • 13

DüsseldorfAm Sonntag hat eine neue Zeitrechnung in der Türkei begonnen – zumindest wenn es nach dem amtierenden Regierungschef und neuen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan geht. Bei der Präsidentschaftswahl am Sonntag errang Erdogan bereits in der ersten Runde die absolute Mehrheit.

Er wolle eine „neue Ära“ beginnen und den „Streit der Vergangenheit“ beilegen, sagte er vor Anhängern. „Ich danke allen Bürgern, ob sie mich gewählt haben oder nicht, die dazu beigetragen haben, Geschichte zu schreiben an so einem historischen Tag“.

Auch die Finanzmärkte reagierten anfangs erleichtert, doch es war nur ein Strohfeuer. Der Leitindex an der Börse Istanbul stieg zunächst um bis zu 1,6 Prozent, notierte am Mittag aber 1,1 Prozent im Minus. Die türkische Währung konnte ihre Anfangsgewinne ebenfalls nicht halten. Ein Dollar stieg um 0,4 Prozent auf 2,1545 Lira, nachdem er zuvor auf ein Zwei-Wochen-Tief von 2,1165 Lira gefallen war.

Denn wirtschaftlich steht die Türkei vor schwierigen Zeiten. Bislang hat Erdogan zwar eine starke Bilanz. Seit seinem Amtsantritt hat sich das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen mehr als verdoppelt. Doch nach einem goldenen Jahrzehnt mit jährlichen Wachstumsraten von fünf Prozent oder mehr hat sich die Konjunktur zuletzt stark abgekühlt.

Wie wackelig das Fundament des Wachstums ist, zeigte sich Anfang des Jahres: Aus Unsicherheit über den Kurs von Ministerpräsident Erdogan zogen Investoren in Scharen Kapital ab. Binnen drei Monaten verlor die türkische Währung Lira 20 Prozent ihres Wertes gegenüber dem Euro.

Erst durch eine massive Intervention konnte die türkische Notenbank die Talfahrt der Lira stoppen. Dabei griff sie zu einem drastischen Mittel: Nach einer Krisensitzung erhöhte sie über Nacht den Leitzins von 4,5 auf 10 Prozent. Damit gelang tatsächlich eine Stabilisierung der Lage.

Kommentare zu " Nach Erdogans Wahlsieg: Würden Sie diesem Mann Ihr Geld leihen?"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Im Vergleich zu den ganzen West Labersäcken sind Erdogan u. Putin eine Wohltat.
    Kindermord im Gaza ... schwafel, schwafel von Steinmeier. Merkel auf Tauchstation.
    Da schäme ich mich als Generationen Deutsche. Macher respektive Draufhauer mussen her.
    Diesen ganzen Verwalter im Bundestag sind reine Nichtnutze.

  • Erdogan ist in Ungnade gefallen, das könnte uns die EU-Mitgliedschaft der Türkei und den Türken die EU ersparen.
    Eine echte Win-Win Situation.

  • Der "Turk" Muskim kennt eines: Gottgefälligkeit bis zur Atombombe.
    Alles andere scheint auf ihn zu wirken wie Gottlosigkeit.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%